Kollektivverträge

Metaller-KV: Verhandlungen im Zeichen der neuen Arbeitszeit

Die Gewerkschaften planen bei den Verhandlungen zum richtungsweisenden Metaller-KV die Retourkutsche für den Zwölfstundentag und die 60-Stunden-Woche. Die Seite der Arbeitgeber führt jede Menge Gegenargumente ins Feld.

Diesen Donnerstag starten die richtungsweisenden Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller. Heuer stehen die KV-Verhandlungen im Zeichen des gewerkschaftlichen Kampfes gegen das neue Arbeitszeitregime - also Zwölfstundentag und 60-Stunden-Woche. Man wolle sich zurückholen, was einem genommen worden sei, kündigten hochrangige Gewerkschaftsvertreter im Vorfeld an.

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"Wir werden dieses Diktat zugunsten der Arbeitgeber ohne einen einzigen Punkt, der zu einer Verbesserung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt, keinesfalls akzeptieren - jetzt wenden wir uns an die Besteller dieses Gesetzes", war der Sukkus einer KV-Verhandlerinnenkonferenz des ÖGB. Das Gesetz müsse "abgefedert" und das Mitspracherecht der Betriebsräte "abgesichert" werden. "Was wir uns zumindest holen wollen, sind Maßnahmen, die die Gesundheit, das Einkommen und das Familienleben schützen", sagte ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian.

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Das ÖGB-Präsidium hat auch bereits einen vorsorglichen Beschluss für Kampfmaßnahmen gefasst. Somit brauchen Teilgewerkschaften kein ÖGB-Okay mehr, um "Maßnahmen zur Durchführung des KV", also etwa einen Streik, in ihrer Branche abzuhalten.

Das sagen die Vertreter der Arbeitgeber

Die Arbeitgeberseite war im Vorfeld um Beruhigung bemüht, gab sich zum Teil aber ebenso angriffig. Die Stimmung werde von der Arbeitnehmerseite "künstlich aufgepusht", kritisierte Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Für politischen Protest sei der Fachverband in den KV-Verhandlungen "der falsche Adressat. Wir verhandeln für die Betriebe und Beschäftigten und bieten keine Plattform für politische Kampagnen".

Klassisch das Geplänkel im Vorfeld zur wirtschaftlichen Lage: Die Gewerkschafter sprechen von einer brummenden Wirtschaft. Die Wirtschaftskämmerer hingegen argumentieren mit einer abflauenden wirtschaftlichen Lage und dass es einem Fünftel der Betriebe im Metallbereich nicht gut gehe. Auf diese müsse beim Lohn- und Gehaltsabschluss auch Bedacht genommen werden. Auch die Produktivität ist laut den Arbeitgebervertretern nach wie vor relativ gering, die Inflation wie auch die Lohnstückkosten seien hierzulande überdurchschnittlich hoch und die Preisentwicklung in den Exportmärkten sei fraglich.

Voriges Jahr gab es ein Lohn- und Gehaltsplus von 3 Prozent. Das sollte aus gewerkschaftlicher Sicht heuer wohl überboten werden. Aber: "Die Abschlüsse in den vergangenen Jahren waren für unserer Branche zu hoch", so Arbeitgebervertreter Knill. Es sei ein "Schaden für die Wettbewerbsfähigkeit entstanden".

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Beim Verhandlungsteam der Wirtschaftskammer kommt es heuer zu einer Änderung. Statt Veit Schmid-Schmidsfelden steigt EVVA-Geschäftsführer Stefan Ehrlich-Adam in den Verhandlungsring. "Ein guter Name", befand Knill. Der Geschäftsführer der Collini GmbH, Johannes Collini, verhandelt auch heuer wieder.

Von der Gewerkschaft verhandeln wie zuletzt PRO-GE-Chef Rainer Wimmer, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) und der Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Karl Dürtscher.

Vereinbart wurden bisher vier Gesprächstermine. Neben dem 20. September sind der 2., 16. und 19. Oktober eingeplant. (apa/red)