Löhne

Metaller-KV: Statt Streik kommen wieder Verhandlungen

Der Konflikt zwischen den Sozialpartnern zum künftigen Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie ist entschärft: Auf der Tagesordnung stehen jetzt wieder Verhandlungen statt Warnstreiks.

Nach vier ergebnislosen und einer gescheiterten Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie wollen die Sozialpartner in einer 6. Verhandlungsrunde beweisen, dass diese Partnerschaft noch funktioniert. Am Donnerstag, um 14.00 Uhr, treffen sich Arbeitgeber-und Arbeitnehmervertreter unweit der ÖGB-Zentrale im Wiener Hotel Danube.

Auftragsbücher der Industrie sind voll

Dann wollen die Verhandlungsführer Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Dürtscher (GPA) ihr Gegenüber vom Fachverband der Metalltechnischen Industrie, Veit Schmid-Schmidsfelden, überzeugen, dass ein Lohn- und Gehaltsplus von 2,5 Prozent (wie von der Industrie angeboten) angesichts der vollen Auftragsbücher eindeutig zu wenig ist. D

em Vernehmen nach wollen die Gewerkschaften zumindest einen "Dreier" vor dem Komma stehen haben. Offiziell fordern sie ein Lohnplus von 4 Prozent.

Industrie bestätigt wachsenden Mangel an Facharbeitern

Bestätigung für diese Position bekamen Vertreter der Arbeitnehmer vor wenigen Tagen, also mitten in den Verhandlungen, von unerwarteter Seite: Aus der jüngsten Konjunktureinschätzung der Industriellenvereinigung Steiermark.

"2017 wird ein gutes Jahr" - fasste der steirische IV-Präsident Georg Knill die aktuelle Konjunkturlage für sein Bundesland zusammen. Georg Knill ist der Bruder von Christian Knill, der als Fachverbandsobmann an der Spitze der Metalltechnischen Industrie steht. Beide führen den steirischen Industriekonzern Knill Holding. Österreichs Industrie fehlen immer mehr Facharbeiter >>

Arbeitgeber: Auf gute Zeiten könnten auch schlechte folgen

Die Arbeitgeber wiederum wollen die Mitarbeitervertreter davon überzeugen, dass auf die jetzigen guten Zeiten auch schlechte folgen können. Und dass eine exportorientierte Branche auch auf die internationale Konkurrenzfähigkeit der Lohnkosten achten müsse.

Doch nicht nur beim Kernthema, der Erhöhung von IST- und KV-Löhnen, spießt es sich nach über 55 Stunden Verhandlungen, auch beim Rahmenrecht hakt es. Hier geht es um die von den Arbeitnehmervertretern gewünschte Angleichung der Auslandsentschädigung an die im Inland, sowie eine Besserstellung von Lehrlingen, höhere Zuschläge für Nacht- und Schichtdienst und eine für die Arbeitnehmer bessere Anrechnung der Karenzzeiten.

Die Gewerkschaften halten jedenfalls trotz Gesprächs den Druck in den Unternehmen über Betriebsversammlungen aufrecht. Des weiteren seien die angedrohten Streiks nicht vom Tisch und würden bei einer Nichteinigung durchgezogen, hieß es aus Gewerkschaftskreisen zur APA. Die Arbeitgeberseite war kurzfristig für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Hintergrund zum Kollektivvertrag

Der Kollektivvertrag gilt im Regelfall für ein Jahr und beginnt rückwirkend jeweils im November. Als Basis für das Feilschen gilt die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate von 1,88 Prozent. Das erste Angebot der Industrie lag in der 5. Runde am Montagnachmittag noch bei 1,9 Prozent, schließlich besserte die Industrie auf 2,5 Prozent nach. Dem Vernehmen nach soll sie bereit gewesen sein die KV-Löhne höher anzuheben, allerdings wird nur ein kleiner Teil der Beschäftigen nach Kollektivvertrag - also der Mindesthöhe - bezahlt. Die meisten beziehen ein IST-Gehalt, das über dem KV liegt.

Kommt es zu keiner Einigung, dann gilt der alte Kollektivvertrag weiter, was für die Arbeitnehmer einen Lohnverlust bedeutet. Allerdings haben die Arbeitgeber angekündigt, ihr Angebot von 2,5 Prozent plus dann auf Betriebsebene auszuzahlen. Damit wäre die aktuelle Inflationsrate von 2,4 Prozent (September) abgedeckt, wobei sich der tägliche Einkauf allerdings um 5,3 Prozent verteuert hat.

Kennzeichen der heimischen Metallindustrie

In der Branche arbeiten hierzulande knapp 130.000 Menschen. Die meisten Betriebe sind in Familienhand. Mehr dazu: Österreichs metalltechnische Industrie: 130.000 Jobs in Familienhand >>

(APA/red)