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Messtechnik: Schweden kaufen Grazer Startup Nextsense

Das schwedische Unternehmen Hexagon zahlt laut Insidern einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für das auf Messtechnik spezialisierte Grazer Startup Nextsense. Ein österreichischer Risikokapitalgeber bewertet das als großen Erfolg.

Das Grazer Messtechnik-Start-up Nextsense geht an die schwedische Hexagon. Das sei ein sehr schönes Beispiel für eine Forschungsgruppe, die den Mut hatte, eine Gründung zu initiieren und damit erfolgreich war, sagte Business Angel und Risikokapitalgeber Herbert Gartner aus diesem Anlass im Gespräch mit der APA. Es sei wichtig, solche Menschen als Vorbilder zu sehen.

Gartner will sich zum Kaufpreis nicht äußern, laut einem Branchenkenner geht es um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Nextsense hat im Vorjahr 12 Mio. Euro Umsatz gemacht, heuer dürften es schon 15 Mio. werden. Nestsense sei "extrem profitabel" sagt Gartner, und "am Weg, ein Hidden Champion zu werden". 80 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, die Exportquote liegt bei 95 Prozent.

Im Jahr 2007 mit einem Auftrag der ÖBB gestartet

Nextsense hat 2007 als Spin-off der Joanneum Research mit der Profilvermessung von Schienen im Auftrag der ÖBB begonnen. Inzwischen sind nicht nur alle großen Bahnunternehmen weltweit Kunden, es wurden die Messverfahren auch auf andere Bereiche ausgedehnt, unter anderem auf die präzise Spaltmessung bei Autokarosserien. Neben Bahn-, Automobil- und Luftfahrtindustrie ist auch die Stahlbranche guter Kunde, können doch auch glühende Stahlstrang-Produkte vermessen werden.

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Alle diese Erfolge sind im Weltmaßstab "ganz nett", aber nicht ausreichend, um "den großen Sprung zu machen" sagt Gartner. Die Branchen, in denen Nextsense tätig ist, kommen weltweit auf 1,5 Mrd. Euro Umsatz. Ohne Partner müsste man von Asien bis Lateinamerika von Kalibrierzentren bis zum Kundensupport alles neu aufbauen. Daher habe Nextsense einen Partner gesucht, der "uns nicht voll inhaliert, sondern uns leben lässt". Interessenten habe es zahlreiche gegeben, entschieden habe man sich für die Schweden, da diese eine lange Tradition hätten, "europäische Firmen zu kaufen und so zu integrieren, dass wirklich aus eins plus eins drei entsteht".

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"Der Kaufpreis war in Ordnung": Herbert Gartner, Clemens Gasser, Tal Vagman.

Nextsense soll mitsamt Standort, Personal und Geschäftsführung erhalten bleiben

Nextsense bleibt als Marke ebenso bestehen wie der Standort und das Personal inklusive Geschäftsführung. Auch die von Nextsense entwickelte Produktmarkte Calipri werde massiv promotet. Wobei das allerwichtigste der Zugang zu den Kunden von Hexagon sei. Immerhin macht das schwedische Unternehmen mit 18.000 Mitarbeitern 3,5 Mrd. Euro Umsatz.

Hexagon entwickle sich von einem Messtechnik-Unternehmen zu einer "Digitalisierungsfirma", einem Software-Unternehmen, das auch gleich die Datenauswertung mitliefert.

Und dazu komme, dass "der Kaufpreis auch in Ordnung war", wie es Gartner formuliert. "Man muss das Gründern sagen: Das rechnet sich, es gibt eine super Belohnung". Gartner lebt mit Nextsense weiter mit, obwohl er seine knapp 10 Prozent mit verkauft hat. "Das ist, wie wenn Sie Ihre Tochter verheiraten", sagt er.

Dabei geht Gartner mit seinem Unternehmen eQventure schon mit neuen Projekten schwanger. "Wir haben gerade zehn Finanzierungsrunden gemacht, Closings kommen", sagt er, will aber darüber noch nichts verraten. Er bedauert nur, dass immer noch zu wenige Menschen mit Ideen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Bisher hat Gartner 16 Investments begleitet. (apa/red)

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