Informationstechnologie

Merkel zur Eröffnung der Cebit: Industrie soll Menschen nicht missachten

Die deutsche Bundeskanzlerin hat die Technologiemesse CeBIT. mit einem eindringlichen Appell an die Industrie eröffnet: Bei der weitestgehenden Digitalisierung die Menschen nicht zu missachten. Ganz anders Japans Regierungschef Shinzo Abe: "Dass die Maschinen die Menschen ersetzen könnten, eine derartige Angst gibt es in Japan nicht."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Technologiemesse CeBIT mit dem eindringlichen Appell eröffnet, vom digitalen Wandel verunsicherte Menschen nicht zu missachten. Es gehe um "Millionen von Menschen, die zum Teil noch nicht wissen, was sie erwartet", sagte Merkel auf dem Messegelände von Hannover.

Ohne Mitwirkung der Industrie wird es nicht gehen

Sie in das neue Zeitalter der Digitalisierung mitzunehmen werde die Politik aber nicht allein schaffen, sagte sie an die Adresse der Industrie.

Die CeBIT will heuer neue Technologien wie Roboter, künstliche Intelligenz oder Drohnen in konkreten Anwendungsbeispielen präsentieren. Zu der fünftägigen Veranstaltung mit mehr als 3.000 Ausstellern aus 70 Ländern werden rund 200.000 Besucher erwartet. Allein aus Japan sind rund 120 Aussteller in Hannover vertreten.

Abe: Gegen eine unverhältnismäßige Anhäufung von Reichtum mit Digitalisierung

Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten des diesjährigen Partnerlandes Japan, Shinzo Abe, hat sich Merkel auf einem traditionellen Messerundgang die diesjährigen Trends angeschaut. Auch Abe sprach die sozialen Folgen der Digitalisierung an: "Wir dürfen keine Situation entstehen lassen, in der nur bestimmte Menschen Reichtum anhäufen oder Gesetzlose profitieren."

Europa sei oft langsam bei der Digitalisierung, räumte Merkel ein. "28 Mitgliedstaaten müssen sich natürlich einbringen", erklärte sie. "Aber wir spüren, dass auf der Welt das Tempo hoch ist und mit Japan haben wir einen Freund, der sich dieses hohe Tempo zu Nutzen macht." Europa und Deutschland könnten von Japan lernen, wie man Technologie offen gegenübertrete. Zugleich sprach sich Merkel erneut für eine schnelle Standardisierung bei der Digitaltechnik aus. "Hier haben wir noch viel zu tun", sagte sie.

Abe betonte, Japan fürchte sich nicht vor Technologien wie die künstliche Intelligenz: "Dass die Maschinen die Menschen ersetzen könnten, eine derartige Angst gibt es in Japan nicht."

Digitalisierung: Das Versprechen der Industrie vom "Wandel zum Besseren"

Der Präsident des Digital-Branchenverbandes Bitkom, Thorsten Dirks, zeigte sich hoffnungsvoll, dass der digitale Wandel die Gesellschaft zum Besseren verändern könne: "Digitalisierung führt zu Demokratisierung, zu Integration und Austausch, zu Transparenz und zu Teilhabe".

Es sei an der Zeit, sich wieder an diese Koordinaten einer offenen und pluralistischen Gesellschaft zu erinnern. "Lassen sie uns mit Digitalisierung Grenzen einreißen und damit ein Zeichen gegen die Spalter in unserer Welt setzen", sagte Dirks, der zugleich Deutschlandchef des Telekommunikations-Konzerns Telefonica ist.

Merkel und Abe für ein Handelsabkommen zwischen Europa und Japan

Sowohl Merkel als auch Abe sprachen sich für einen raschen Abschluss eines EU/Japan-Freihandelsabkommens aus. Ohne die neue US-Regierung von Donald Trump namentlich zu erwähnen, setzten sich beide von protektionistischen Tendenzen ab.

"In Zeiten, wo wir über freien Handel, offene Grenzen, demokratische Werte mit vielen streiten müssen, ist es ein gutes Zeichen, dass Japan und Deutschland darüber nicht streiten, sondern zum Wohle der Menschen die Zukunft gestalten", betonte Merkel. Deutschland fühle sich diesen Prinzipien auch als G-20-Präsidentschaft besonders verpflichtet.

Zuvor hatten die USA bei den G-20-Finanzministern verhindert, dass sich die wichtigsten Industriestaaten in einer Erklärung für bisher geltende Standards wie Freihandel und Klimaschutz aussprechen konnten.

CEBIT-Gastland Japan wolle zusammen mit Deutschland für mehr Freihandel in der Welt kämpfen, sagte auch Abe. "Ich plädiere für einen frühzeitigen Abschluss des Wirtschaftsabkommens mit der EU", sagte er. Beide Länder seien Beispiele dafür, wie man auch ohne Rohstoffe, aber mit Innovationen und Offenheit Wohlstand erreichen könne. Jetzt gelte es, das offene System zu schützen. Sowohl Merkel als auch Abe nahmen eine US-Forderung auf, dass Handel auch "fair" sein müsse. Dies dürfe aber keine Entschuldigung für den Aufbau neuer Barrieren sein, mahnte Merkel.

Die neue US-Regierung denkt etwa über neue Steuern auf Importe nach. Die Kanzlerin hatte vergangene Woche auch mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in einem Telefonat eine engere Kooperation für freien Handel und offene Märkte verabredet und diese Position auch bei einem Besuch bei Trump am Freitag vertreten.

(dpa/reuters/apa/red)