Autoindustrie

Mehr Geld bei BMW dank Absatzplus und Einschnitten

BMW fährt besser durch die Coronakrise als erwartet. In der Autosparte hat sich der Mittelzufluss im Quartal auf mehr als drei Milliarden Euro vervierfacht. Der Autobauer bleibt aber bei seiner bisherigen Jahresprognose.

BMW ist in der Coronakrise finanziell besser durch den Sommer gekommen als erwartet. Ein deutliches Absatzplus und der angekündigte Sparkurs spülten dem Autobauer von Juli bis September mehr Geld in die Kassa als gedacht, wie der deutsche Konzern mitteilte. Nach vorläufigen Berechnungen stieg der Free Cashflow im Kerngeschäft mit Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce auf 3,07 Milliarden Euro und vervierfachte sich damit binnen Jahresfrist.

Im dritten Quartal des vergangenen Jahres waren es lediglich 714 Millionen Euro gewesen. Damit konnte BMW den Trend im bisherigen Jahresverlauf umkehren. Während im ersten Halbjahr aufgrund der Händlerschließungen und Produktionsstopps in der Coronakrise noch 2,513 Mrd. Euro aus dem Automobilsegment abflossen, liegt der Free Cashflow auf Neunmonatssicht nun klar im Plus. "In den kommenden Monaten werden wir alle Stellhebel in Bewegung setzen, um trotz aller Herausforderungen beim Free Cashflow im Gesamtjahr eine schwarze Null zu erreichen", hatte Finanzvorstand Nicolas Peter im August zur Präsentation der Halbjahreszahlen angekündigt.

Zu Umsatz und Ergebnis des abgelaufenen Quartals will sich BMW wie geplant erst am 4. November äußern. Trotz der positiven Entwicklung bleibt der Konzern bei seiner bisherigen Geschäftsprognose, wonach das Konzernergebnis vor Steuern im Gesamtjahr "deutlich" zurückgehen werde. Mit dem Wort "deutlich" bezeichnet BMW Rückgänge von mehr als zehn Prozent. Einen Verlust erwarte er jedoch nicht, hatte Finanzchef Peter gesagt. Die Umsatzrendite im Automobilsegment werde sich auf null bis drei Prozent belaufen.

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Für das dritte Quartal hatte BMW bereits vor zwei Wochen ein Absatzplus von 8,6 Prozent gemeldet. Vor allem in China und Deutschland erholte sich das Geschäft, während die Verkaufszahlen in den USA weiter einbrachen. Der Konzern hatte seit Beginn der Krise seine Kosten unter anderem durch die Trennung von Leiharbeitern, den Abbau von Beständen und die Kürzung von Investitionen gesenkt.

Die BMW-Aktie notierte kaum verändert. Börsianer konnten aus der Pflichtmitteilung des Unternehmens keinen klaren Trend herauslesen. Die Analysten von Barclays bezeichneten den Free Cashflow zwar als "beeindruckend". Morningstar-Analyst Richard Hilgert erklärte, wenn die Kostensenkung besser laufe als erwartet und wenn die Pkw-Nachfrage sich weiter erhole, dann könne das Management seine Jahresprognose erhöhen. Ein Händler hingegen vermisst bisher ein umfassenderes Bild: "Was ist mit den übrigen Zahlen?"

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Auch Konkurrent Daimler hatte für das dritte Quartal mit 5,1 Milliarden Euro einen Free Cashflow erzielt, der die Erwartungen übertraf. Im Gegensatz dazu hatte der Stuttgarter Konzern aber auch Zahlen zur Gewinnentwicklung genannt - der Betriebsgewinn (Ebit) legte im dritten Quartal um 14 Prozent auf mehr als drei Milliarden Euro zu. Eine neue Prognose will Daimler gegebenenfalls am Freitag nennen, wenn der Konzern seinen vollständigen Quartalsbericht veröffentlicht. (reuters/apa/red)