Branchentreff

MBDach: Next practice statt best practice

Nach der ausführlichen Analyse am ersten Tag, was die Unbillen der großen Weltpolitik für die Maschinenbauer in der DACH-Region mit sich bringen, stand am zweiten Tag beim Dreiländerkongress im Bregenzer Festspielhaus die Transformation durch die Digitalisierung im Fokus. Fazit: Eine Selbstverständlichkeit, auch wenn nicht immer alle vom Gleichen reden.

Wieder wurden die rund 250 Kongressteilnehmer vor den einzelnen Blöcken in Blitzumfragen zur Stellungnahme aufgefordert. Was hemmt den technologischen Wandel in Ihrem Unternehmen? 46 Prozent erklärten, es sei der Mensch, der Neues oft nicht akzeptiert. 58 Prozent sind der Auffassung, Digitalisierung muss auf die Menschen zugeschnitten sein, aber 40 Prozent meinen, der Mensch muss sich anpassen. Das verdeutlichte sehr gut, wie unterschiedlich das Mindset ausgeprägt ist oder mit welchen unterschiedlichen Geschwindigkeiten die Branche bei der Digitalisierung unterwegs ist. Während die Hälfte noch nach einem geeigneten digitalen Geschäftsmodell sucht, verdienen nach eigenen Angaben bereits 32 Prozent Geld damit und weitere 16 Prozent haben immerhin schon ein digitales Geschäftsmodell erarbeitet.

David Bosshart, CEO des renommierten Schweizer Thinktanks Gottlieb Duttweiler Institut, verstand es den Saal mucksmäuschenstill zu halten, solche Diskrepanzen wissenschaftlich fundiert einzuordnen und begreifbar zu machen. Erstes Credo: „Erwarten Sie nicht zu viel von der Politik. Erwarten Sie mehr von sich.“ Zweites Credo: „Sie denken präzise, analytisch. Unterschätzen sie nicht die Menschen auf der Straße, wenn sie das Gefühl haben, es geht ihnen schlechter. Gegen Gefühle haben die besten rationalen Argumente keine Chance.“ Digitalisierung bleibe mit Ängsten verbunden, „wir müssen als Unternehmen Haltung zeigen zu Dingen, die wir vermutlich gar nicht mehr verstehen“. Oder, wie es Thomas Welser, geschäftsführender Gesellschafter von Welser Profile, die Crux plakativ auf den Punkt brachte: Der Anlagenbediener hat drei Bildschirme vor sich, aber er weiß nicht, was dahinter passiert.“ Welser hat in seinem Unternehmen gerade ein umfangreiches Transformationsprogramm erfolgreich durchgeführt. Der Schlüssel dazu: Vertrauen in die Kompetenzen der Mitarbeiter.

Digitalisierungsprozesse und -projekte sind demnach die neue Megaherausforderung für die Führungskräfte. Der Paradigmenwechsel erfordert radikales Umdenken, stellte auch Julia Duwe, Leiterin Werkzeugmaschinen Smart Factory bei Trumpf, in den Vordergrund ihres Referats: „Unsere Strukturen sind auf die Maschinenentwicklung ausgerichtet. Wenn wir nicht die Datenanalysten mit den Maschineningenieuren zusammenbringen, wird das nichts. Stellen Sie sich darauf ein, dass es viel Gesprächsbedarf gibt!“

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Die Techniker, beobachtet Anton Demamels, Technology-Manager bei der Schweizer Ammann AG, kommen mit den Herausforderungen der Digitalisierung gut zurecht, weil ihre Ziele dadurch schneller erreichbar erscheinen. „Aber die Organisation muss mit.“ 100-prozentige Zustimmung dafür von Ernst Esslinger vom Weltmarktführer für Holzbearbeitungsmaschinen in der Möbelbranche HOMAG, der mahnt, nicht zu zaudern: „Wir machen heute noch 80 Prozent mit Maschinen, den Rest mit irgendwelchen Services. Ich bin überzeugt, das wird auf 50 Prozent zurückgehen. Die Lücke können wir mit digitalen Plattformökonomien füllen. Bevor es andere tun.“

Mit „Next practice statt best practice!“ hatte Duttweiler-CEO Bosshart dazu bereits vorher die unmissverständliche Aufforderung an die Branche knackig formuliert. „Je unsicherer die Zukunft ist, umso wichtiger werden gute Partnerschafte

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