Maschinenbau

Materialschlacht im Maschinenbau

Extreme Lieferzeiten bei Zukaufteilen setzen Österreichs Maschinenbauer unter Druck. Die setzen sich mit Tricks zur Wehr.

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Die ausgesprochen gute Branchenkonjunktur lässt die Lieferzeiten für Kugelumlaufspindeln und numerische Steuerungen explodieren

Ein Anruf und schon war die Steuerung am nächsten Tag von Deutschland eingetroffen. Dann jedoch dauerte es ein paar Tage, dann ein paar Wochen und jetzt schon satte sechs Wochen. Der oberösterreichische Roboterhersteller ist besorgt. Die "extreme Anspannung" bei Lieferzeiten betreffe alle Zukaufteile innerhalb Europas. Eine spezielle Linearführung, die normalerweise in zwei Monaten einlangt, werde jetzt erst in 20 Monaten geliefert – eine Verzehnfachung der Lieferzeit. Ein Rundruf bei mehreren Industriebetrieben in Österreich bestätigt, dass es sich dabei nicht nur um einen Einzelfall handelt. Schon seit Ende 2017 ziehe die Nachfrage dermaßen an, sodass es zu monatelangen Verzögerungen komme. Ein Extrembeispiel ist die Kugelumlaufspindel, ein typischer Präzisionsteil bei Werkzeugmaschinen. Sie dienen zur genauen Positionierung der Werkstück- bzw. Werkzeugträger. Kugelumlaufspindel werden in sehr vielen Bereichen des Maschinenbaus anstatt Trapezgewindespindel eingesetzt. "Derzeit", sagt der Geschäftsführer eines CNC-Händlers, "ist sie eine absolute Mangelware, obwohl der Teil täglich gebraucht wird."

Maßnahmen-Paket

In Gesprächen mit erfahrenen Managern auf der obersten Führungsebene ist deutlich spürbar: Unternehmer nehmen die Lage sehr ernst. Ein niederösterreichischer Maschinen- und Software-Hersteller entwickelte sogar einen Krisenplan und ortet eine "weiter anhaltende Verschärfung der Versorgungssituation". Abgesehen von der sehr hohen Konjunktur, gebe es für die extrem langen Lieferzeiten auch andere Gründe, so der Geschäftsführer. "Die meisten Lieferanten haben nur eine schwache Investitionstätigkeit und bei den meisten sind sie noch nicht wirksam", analysiert der erfahrene Manager. Hinzu kommt noch der Mangel an flexibel einsetzbarem Fachpersonal und der Bullwhip-Effekt, eine künstliche Überhitzung entlang der Supply Chain, der nicht dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Nach dieser umfassenden Analyse trafen die Niederösterreicher etliche Maßnahmen, um entgegenzuwirken. "Wir verfolgen operativ ein konsequentes Urgenzwesen und führen auch Forecast-Gespräche mit Lieferanten." Der Abschluss von Mengenkontrakten sowie die Erweiterung des Bestandsmanagements gehören ebenfalls zum Maßnahmenpaket dazu. "Durch regelmäßige persönliche Gespräche versuchen wir die Lieferzeiten zu kürzen – war for suppliers", lacht der Niederösterreicher. Wie lange diese langen Wartezeiten noch anhalten, kann der 54-Jährige nicht beantworten. Doch mit diesem Paket sei das Unternehmen durchaus gerüstet.

Dynamik ungebrochen

Unterdessen setzt sich die Dynamik der vergangenen Monate mit zweistelligen Zuwächsen fort. Im Februar sind die Auftragseingänge in Deutschland um real 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Während die Orders der inländischen Kunden um elf Prozent zulegten, bestellten ausländische Kunden 14 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Aus den Euro-Partnerländern kamen dabei zehn Prozent mehr Aufträge. Im Geschäft mit den Nicht-Euro-Ländern stand sogar ein Plus von 16 Prozent in den Büchern. „Der Bedarf an Maschinen und Anlagen von höchster Qualität ist bei unseren Kunden rund um den Globus ungebrochen groß“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Im Dreimonatsvergleich Dezember bis Februar legten die Bestellungen um real elf Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum 2016/17 zu. Die Zuwächse der Inlandsorders übertrafen dabei mit plus zwölf Prozent leicht das Plus der Auslandsbestellungen von elf Prozent. Kunden aus dem Euroraum bestellten zusätzliche acht Prozent, aus den Nicht-Euro-Ländern kamen zwölf Prozent mehr Orders.

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