Rohstoffmangel

Materialengpässe gefährden Erholung

Der anhaltende Materialmangel dürfte ein größeres Risiko für die Erholung nach der Krise darstellen, als gedacht. Welche Bereiche besonders betroffen sind.

Industrie Materialmangel Rohstoffe

Der anhaltende Materialmangel ist laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane das größte Risiko für den Aufschwung. Zu dieser Einschätzung sei der EZB-Rat auf seiner jüngsten Sitzung gekommen, betonte er am Montag auf einer Geldmarktkonferenz. "Falls Materialengpässe und erhöhte Energiepreise länger anhalten sollten, könnten sie die Konjunkturerholung verlangsamen." Derzeit läuft die Wirtschaft im Euroraum jedoch noch weitgehend rund.

Laut Eurogruppen-Chef Paschal Donohoe verstärkt sich die konjunkturelle Erholung sogar. Im nächsten Jahr werde sie dann noch kräftiger ausfallen. Dann könnten viele Länder wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Allerdings würden die europäischen Finanzminister bei ihren Beratungen an diesem Montag und Dienstag in Brüssel auch über Risiken wie die Inflation und Lieferkettenprobleme reden. Beschlüsse sind dabei aber nicht zu erwarten, wie Insider zu Reuters sagten.

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Die Wirtschaft in der Eurozone erholt sich nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank zwar weiterhin von der Corona-Krise. Allerdings habe sich "das Momentum" etwas abgeschwächt, hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der jüngsten Zinssitzung gesagt. Die Konsumausgaben seien weiterhin stark. Allerdings bremsten Engpässe bei Rohstoffen, Vorprodukten und Arbeitskräften die Erholung, vor allem in der Industrie.

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt die Sorge um, dass die aus der Corona-Krise entstandenen Engpässe die Inflation stärker anheizen könnten als erwartet. Mangel gibt es derzeit etwa bei Halbleitern, die in vielen Produkten zum Einsatz kommen. Aber auch bei Stahl, Kunststoff und Holz hakt es. Laut Lane könnte der Preisdruck zunehmen, falls der Mangel dazu führen sollte, dass Lohnzuwächse stärker als erwartet ausfielen.

Die Inflation im Euroraum war im Oktober so stark geklettert wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Angetrieben von einem kräftigen Kostenanstieg bei Energie erhöhten sich die Verbraucherpreise binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent. Die EZB geht jedoch davon aus, dass der Inflationsschub im kommenden Jahr abebbt. Daher wäre eine geldpolitische Straffung zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv, betonte Lane.

Die Wirtschaft in der Eurozone hat sich nach dem Höhepunkt der Corona-Krise wieder berappelt und ihr Wachstumstempo im Sommer leicht erhöht. Von Juli bis September legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent zu. Doch macht der Materialmangel den Firmen zu schaffen, wie das Institut IHS Markit bei seiner Umfrage unter Einkaufsmanagern im Oktober feststellte. Nachschubprobleme sorgten demnach für Produktionsunterbrechungen und weniger Aufträge. Die Firmen blickten so skeptisch nach vorn wie seit einem Jahr nicht mehr. Immer mehr Betriebe klagten über die Liefersituation und die Auswirkungen steigender Kosten und Preise. (apa)