Deutschland

Maschinenbauer erwarten heuer ein sattes Produktionsplus

Mit prall gefüllten Auftragsbüchern haben Maschinenbauer in Deutschland ihre Prognose für heuer nochmals hinauf geschraubt - und zwar auf rund fünf Prozent. Besonders in den USA profitieren die Hersteller von Donald Trumps Steuerreform.

Die erfolgsverwöhnten deutschen Maschinenbauer haben ihre Prognose für das laufende Jahr dank prall gefüllter Auftragsbücher nach oben geschraubt. Die Branche werde ihre Produktion wohl um fünf Prozent steigern, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Carl Martin Welcker, auf der Hannover Messe.

Bisher hatten die Hersteller ein Wachstum von drei Prozent angepeilt. Welcker hatte aber kürzlich eine Anhebung der Prognose in Aussicht gestellt, nachdem auch die endgültigen Zahlen für 2017 besser als erwartet ausgefallen waren.

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Vor allem das traditionell starke Auslandsgeschäft - mehr als drei Viertel der Maschinen setzen die Firmen dort ab - sorgt pünktlich zur größten Industrieschau der Welt für gute Stimmung. "Wir erwarten hier ein Wachstum auf breiter Basis mit Unterschieden im Detail", sagte Welcker.

Brexit als Problem

Sorge bereiten den Herstellern die Folgen des Brexit. Im laufenden Jahr würden die Lieferungen nach Großbritannien wohl noch stärker als 2017 schrumpfen, als das Minus bei drei Prozent lag. "Selbst ein Minus in zweistelliger Größenordnung schließen wir nicht aus - der Brexit wird deutliche Spuren bei den Investitionen auf der Insel hinterlassen."

Donald Trump als Konjunkturtreiber

Im größten ausländischen Einzelmarkt, den USA, habe die Steuerreform von Präsident Donald Trump dazu beigetragen, dass die Firmen verstärkt in neue Maschinen investieren könnten.

"Allerdings schwebt über uns das Damoklesschwert des aktuellen Handelskonflikts, dessen Auswirkungen speziell auf den Maschinenbau heute noch nicht abschätzbar sind." Welcker forderte die EU und die USA dazu auf, einen neuen Anlauf für ein neues - schlankeres - Handelsabkommen zu nehmen.

Trotzdem Kritik an Washingtons Kurs

Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump kritisiert Welcker laut Redetext scharf. Er forderte zugleich einen neuen Anlauf für ein Freihandelsabkommen der EU mit den Vereinigten Staaten. Die Zölle würden auf Basis von rein nationalen Rechtsvorschriften und mit nicht-plausiblen Gründen erhoben. Die USA schienen sich dadurch mehr und mehr von der Welthandelsorganisation WTO abzuwenden auf eine aggressive Durchsetzung von US-Handelsrecht zu beharren.

Die USA sind für die deutschen Maschinenbauer der größte Einzelmarkt im Ausland. Die Hersteller konnten 2017 ihre Exporte dort hin um über elf Prozent auf rund 18 Mrd. Euro steigern. Auch im laufenden Jahr soll es weiter bergauf gehen.

"Ort für Schlichtungen ist WTO und nicht Twitter"

Deutschland und die EU müssten sich für den Freihandel einsetzen. "Niemand kann ein Interesse an einer Eskalation von Handelskonflikten haben, bei dem am Ende alle Seiten verlieren - die USA, China und Europa." Die EU und die USA sollten versuchen, ein neues, schlankeres Freihandelsabkommen zu vereinbaren. "Der Ort für die Beilegung von Handelsstreitigkeiten ist die WTO und nicht Twitter." (reuters/apa/red)

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