Bauindustrie

Marodes Deutschland: Mehr als 1.000 Bahnbrücken kaum sanierbar

Für Österreichs Baufirmen ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt und ein zentraler Auftraggeber. Doch in der Amtszeit von Kanzlerin Merkel erlebt die Infrastruktur des Landes einen beispiellosen Niedergang.

In Deutschland sind 1.004 Bahnbrücken nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren und können nur noch ersetzt werden. Das geht aus Angaben des Bahnbeauftragten der deutschen Regierung, Enak Ferlemann, hervor. Würden sie alle nun in Angriff genommen, lägen die Kosten bei 7,3 Mrd. Euro, antwortete Ferlemann auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Gigantischer Investitionsstau in der Amtszeit von Angela Merkel

Für Österreichs Baukonzerne wie die Strabag oder die Porr ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt und ein zentraler Auftraggeber - dazu gehört auch die Deutsche Bahn. Allerdings gilt die Infrastruktur der Deutschen Bahn als marode, weil jahrelang zu wenig investiert wurde. Mehr als die Hälfte der gut 25.700 Eisenbahnbrücken wurde vor Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut, 45 Prozent sind älter 100 Jahre. Kritiker werfen der Politik vor, dass besonders in der Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel zu wenig in Infrastruktur investiert wird und sich inzwischen ein milliardenschwerer Investitionsstau gebildet hat. 

Der FDP-Obmann für Verkehr, Torsten Herbst, sprach von einem bedenklichen Zustand. Nicht nur fehlendes Geld, sondern auch lange Genehmigungszeiträume hätten zum Modernisierungsstau geführt. "Eine zügige Sanierung der Eisenbahnbrücken ist dringend geboten", forderte Herbst. Könnten sie nur eingeschränkt befahren werden, wirke sich das auf das ganze Netz aus. Wenn Sanierungen weiter verschleppt würden, erhöhe sich der Aufwand.

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Die Bahn in Deutschland unterteilt die Brücken je nach Zustand in vier Kategorien. 1.004 fallen in die schlechteste Kategorie vier. Die Deutsche Bahn betont: "Selbst Brücken der schlechtesten Zustandskategorie sind für die Nutzung des Eisenbahnbetriebs sicher, sonst würde kein Betrieb zugelassen."

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Mit Abstand die meisten Brücken der Kategorie vier stehen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (257). Es folgen Baden-Württemberg (114) und Bayern (113). Die drei Länder haben gleichzeitig die meisten Brücken im Bestzustand.

Relativ gesehen hat Brandenburg die meisten Brücken der schlechtesten Kategorie, es sind neun Prozent. Berlin und das Saarland folgen mit sieben Prozent. Je nach Schadensbild könne eine Brücke 15 Jahre in der Kategorie vier bleiben, erklärt die Bahn.

Insgesamt hatte der Staatskonzern von 2015 bis 2019 gut 900 Brücken für rund drei Mrd. Euro erneuert, mehr als die Hälfte davon in den vergangenen beiden Jahren. Bis 2029 sollen 2.000 weitere vollständig oder teilweise erneuert werden, teilt die Deutsche Bahn in einem Faktenblatt mit. Dafür solle die Rekordsumme von rund neun Mrd. Euro investiert werden, hatte der Konzern zu Jahresbeginn mitgeteilt.

Ferlemanns Angaben zufolge ist die Zahl 2.000 aber differenziert zu betrachten: In der neuen Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund hat sich die Deutsche Bahn demnach verpflichtet, 1.200 Brücken voll oder teilweise zu erneuern. Bei weiteren 300 soll es Instandhaltungsmaßnahmen geben, die die Brücke in eine bessere Zustandskategorie hieven. Bei den übrigen 500 genügt es, wenn bis 2030 eine Entwurfsplanung für eine Vollerneuerung entsteht. (dpa/apa/red)

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