Dumpingpreise bei Stahl

Manager von Arcelormittal fordern schärfere Maßnahmen

Dumpingpreise für Stahlprodukte aus China setzen europäische Hersteller massiv unter Druck. Topmanager von Arcelormittal fordern die Europäische Union dringend zum Eingreifen auf.

Dumpingpreise für Stahlprodukte aus China setzen europäische Produzenten nach Einschätzung des Weltmarktführers Arcelormittal enorm unter Druck. "Die EU muss Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken ergreifen", forderte der Deutschlandchef des Konzerns, Frank Schulz. "Wir haben eine massive Belastung des Stahlmarktes in Europa", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Chinesen unterbieten europäische Selbstkosten

Hintergrund der Krise der Stahlindustrie in Europa sind die immer tiefer fallenden Verkaufspreise von chinesischem Stahl - und das sogar unterhalb der europäischen Produktionskosten. Schulz zufolge sind die chinesischen Preise in den vergangenen sechs Monaten um 40 Prozent gefallen. "Investitionen und Beschäftigung werden dadurch aufs Spiel gesetzt." Wenn dem kein Riegel vorgeschrieben werde, sei die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie gefährdet. "Wir brauchen Schutzmaßnahmen in der EU gegen Preisdumping."

Der indisch-europäische Stahlkonzern Arcelormittal ist weltweit aktiv und betreibt vier Werke in Deutschland, eines davon im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Im dritten Quartal machte der Konzern in Europa nach eigenen Angaben 23 Mio. Euro Verlust. Im Vorjahreszeitraum wurden noch 125 Mio. Euro verdient. Zum Vergleich: Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine hat kürzlich sein strategisches Umsatzziel für 2020 von ursprünglich 20 auf 15 Mrd. Euro reduziert.

Arcelormittal und Voestalpine wollen Kosten senken

Wie die heimische Voestalpine auch will Arcelormittal jetzt versuchen, weiter Kosten zu reduzieren. Wie hier berichtet, kündigte Wolfgang Eder, Konzernchef der Voestalpine, zuletzt weitere Sparmaßnahmen zusätzlich zu dem laufenden Sparprogramm mit einem Volumen von 900 Mio. Euro an. 

Auch bei Arcelormittal sei ein zusätzliches Programm in Angriff genommen worden, so der Deutschlandchef des indisch-europäischen Herstellers. Doch die Maßnahmen seien praktisch ausgereizt. Aufgrund mangelnder Rentabilität und zum Teil aus Altersgründen hat Arcelormittal in den vergangenen Jahren in Europa 4 von 25 Hochöfen stillgelegt.

Um Produktivität und Umweltstandards zu verbessern, investierte Arcelormittal nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren in die deutschen Werke mehr als 600 Mio. Euro - 120 Mio. davon in Eisenhüttenstadt. 9.000 Mitarbeiter und 550 Lehrlinge beschäftigt das Unternehmen in Deutschland, davon 2.400 in Eisenhüttenstadt. (dpa/apa)

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