Oberösterreich

MAN Steyr: Siegfried Wolf liegt derzeit offenbar vorn

In den Verhandlungen um eine Übernahme des Werks von MAN in Oberösterreich scheint aktuell nur der Investor Siegfried Wolf Chancen zu haben. Das von der Gruppe rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) vorgelegte Konzept inklusive eines "Green-Mobility-Centers" sei nur "lauwarme Luft", sagen Eingeweihte in München.

Zwei Interessenten wollen das zur Disposition stehende MAN-Werk in Steyr übernehmen - Chancen hat wohl nur Investor Siegfried Wolf. Denn das Konzept für ein Green-Mobility-Center des Konsortiums um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit), das erst vergangene Woche an den Lkw-Hersteller mit Hauptsitz in München ging, sei nur "lauwarme Luft" und kein "taugliches Konzept", hieß es aus dem nahen Umfeld des Konzerns.

Sollte sich der Betriebsrat weiter gegen die Zentrale, die nur an Wolf verkaufen will, stellen, gebe es für den Standort Steyr keine Zukunft, macht München immer wieder unmissverständlich klar. So will es auch der Aufsichtsrat, der sich dem Vernehmen nach am Freitag mehrheitlich dafür ausgesprochen haben soll, Steyr entweder an Wolf mit seiner Firma WSA zu verkaufen oder wie geplant 2023 zu schließen. Dazu: Medien: Aufsichtsrat von MAN Steyr votiert für Siegfried Wolf >>

Spätestens nach Ostern soll der Vertrag zur Unterschrift fixiert sein. Am Freitag wird Wolf der Belegschaft seinen Übernahmeplan im Detail erläutern. Vorbehalte seitens des Betriebsrats gibt es vor allem wegen beabsichtigter Kürzungen der Einkommen und wegen Wolfs Verbindungen nach Russland.

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Von 1.845 Mitarbeitern sollen 1.250 übernommen werden - bei weniger Lohn

Von den aktuell mittlerweile nur mehr 1.845 Stammmitarbeitern sollen 1.250 übernommen werden, allerdings müssen sie für weniger Geld arbeiten. Maximal 15 Prozent vom Nettobetrag soll die Kürzung ausmachen, meinte Wolf-Sprecher Josef Kalina. Dafür gebe es eine Entschädigung von 10.000 Euro. Gerüchte von einem "Aufsaugmodell" weist er zurück: "Kollektivvertrags-Runden werden voll mitgemacht." Außerdem sei eine 10-prozentige Gewinnausschüttung für die Belegschaft beabsichtigt, so Kalina weiter. Für jene die nicht übernommen werden, sei ein Sozialplan inklusive Arbeitsstiftung vorbereitet worden. Außerdem erhalten auch sie einmalig 10.000 Euro.

Bis Ende 2022 will Wolf noch für MAN produzieren, ab dann sollen unter der Marke Steyr vier Fahrzeugmodelle für den Weltmarkt produziert werde, meint der Sprecher. Zudem will die Kunststofflackiererei jährlich 10.000 bis 12.000 Lkw-Fahrerkabinen an das russischen Automotive-Unternehmen GAZ des Oligarchen Oleg Deripaska, an dem Wolf zehn Prozent hält, liefern. Die Belegschaftsvertretung sieht das wegen US-Sanktionen als Risiko, Kalina bezeichnet es hingegen als ein zusätzliches Asset. Weiters betonte Kalina, dass nur Wolf mit seiner WSA MAN kaufen wolle, Gesellschafter gebe es keine. Dazu: MAN Steyr: Betriebsrat berichtet von "fast erpresserischen Methoden" >>

Offenbar ist schon im September ein Bieter abgeblitzt

Aber nicht nur das Angebot des Konsortiums um Egger fand bei der MAN-Zentrale keine Berücksichtigung. So soll bereits im September des Vorjahres der Berater Christoph Strobl mit der Innovationsinitiative Grantiro und dem Sanierungsfonds Transformation Equity Partners Interesse am Standort Steyr gezeigt haben, berichteten die "OÖN". Doch dem Interessenten sei mitgeteilt worden, dass Steyr geschlossen werde. "Es wundert uns, dass weder die Gruppe um Karl Egger noch wir die Gelegenheit bekamen, eine Due Diligence (Wirtschaftlichkeitsrechnung) zu machen", wird Strobl in dem Bericht zitiert. Aktuell dazu: MAN Steyr: Linzer Unternehmer Karl Egger legt Konzept vor >>

Der Sprecher des Konsortiums "Green Mobility Center Steyr", Gerald Ganzger, reagierte verständnislos auf "unsachliche Äußerungen seitens MAN". Man sei "nach wie vor der Meinung, dass MAN den Mitarbeitern und deren Familien es schuldig ist, alle Optionen zur Erhaltung des Standorts auszuloten und mit allen Interessenten ernsthafte Gespräche zu führen und ihnen Zugang zu den Daten zu gewähren", meinte er. Erneut forderte er von dem Lkw-Hersteller "endlich Gelegenheit zu einem Gespräch". Dann könnte das Konsortium "sehr gerne darstellen, dass unser Konzept sehr wohl ein taugliches, auch im Sinne der Standortsicherung, ist." (apa/red)

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