Oberösterreich

MAN Steyr: Eine kleine Hoffnung auf Verhandlungen bleibt

Sowohl MAN als auch Wolf deuten an, sich weiteren Verhandlungen nicht verschließen zu wollen. Bundeskanzler Kurz kündigt an, sich weiter für den Standort einzusetzen. "Wir stehen alle bereit", so Kurz. Wer allerdings von der Politik eine Lösung "mit dem Zauberstab" erwarte, liege falsch, so Ökonom Gabriel Felbermayr. Auch Politiker können freie Entscheidungen eines Konzerns nicht einfach verbieten.

Nachdem die Belegschaft des MAN-Werks in Steyr die Übernahme durch den Investor Siegfried Wolf abgelehnt hat, appellieren Sozialpartner und Politik für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. MAN bleibt indes bei seinen Schließungsplänen, öffnete aber ein kleines Türchen: Sollte es auf dem Weg zur Schließung "zügig eine Abbiegung geben", versperre man sich dem nicht, sagte MAN-Chef Andreas Tostmann zur "Süddeutschen Zeitung".

Sowohl MAN als auch Wolf deuten Verhandlungsbereitschaft an

Tostmann betonte gegenüber der Zeitung zwar wie sein Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, dass es zum Wolf-Konzept keine Alternative gebe - "die alternativen Ideen waren alle nicht tragfähig" - und daher die Schließung anlaufe, meinte aber gleichzeitig: "Sollte es auf dem Weg dorthin zügig eine Abbiegung geben, etwa durch neue Initiativen, versperren wir uns dem zwar nicht. Nur bleibt nicht mehr viel Zeit." Er stellte aber auch klar, dass die Löhne in Steyr "über österreichischem Tarif" liegen würden und um 15 Prozent gekürzt werden müssten, "egal wer übernimmt".

Einen Hoffnungsschimmer auf weitere Verhandlungen gibt es offenbar auch vonseiten Wolfs: Der Teilnahme an einem Runden Tisch, wie ihn der MAN-Betriebsrat angeregt hat, würde sich der Investor nicht verschließen, sagte sein Sprecher der SZ.

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ÖGB und WKÖ appellieren an "Verantwortung" von MAN gegenüber der Region

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer pochten auf die Sozialpartnerschaft und auf die "große Verantwortung", die der MAN-Konzern gegenüber der Region, den Arbeitnehmern und deren Familien habe. Das Belegschaftsvotum könne "nicht das Aus für Steyr bedeuten, das ein wichtiger Baustein am Automotiv-Standort Österreich ist", appellierten sie an alle Beteiligten, "rasch konstruktive Gespräche zu führen und in sozialpartnerschaftlicher Manier wieder an einen Tisch zu kommen". Sie wiesen darauf hin, dass eine Schließung des Werks 8.000 Arbeitsplätze in der Region kosten und eine Milliarde weniger BIP verursachen könne.

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Bundeskanzler Kurz: "Wir stehen alle bereit"

Am Abend erklärte auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), sich für den Standort einsetzen zu wollen. Kurz sagte im ORF-Interview, er hoffe sehr, dass es eine Möglichkeit gebe, die Masse der Arbeitsplätze am Standort und auch den Standort zu retten. Er sei in sehr engem Kontakt mit Oberösterreichs Landehauptmann Thomas Stelzer, aber auch mit den Sozialpartnern "und wir stehen alle bereit, unseren Beitrag zu leisten". Kurz sprach Qualifizierungs- und darüber hinaus gehende Maßnahmen an.

Landesrat Achleitner: MAN wollte nur mit Wolf verhandeln

Auch der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) rief alle Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Schließlich habe auch MAN nun die Aussicht auf jahrelange Rechtsstreitigkeiten - die Gewerkschaft hat bekanntlich angekündigt, bei betriebsbedingten Kündigungen vor Gericht zu ziehen. Der Appell zu weiteren Gesprächen umfasst für Achleitner auch Siegfried Wolf, dessen Konzept von den Mitarbeitern abgelehnt worden war. Aber er ist auch anderen Investoren gegenüber aufgeschlossen - ohne jedoch Namen zu nennen. "Wenn ein neues Konzept vorliegt, können wir in die Fördertöpfe greifen." Es habe in der vergangenen Zeit durchaus Kontaktaufnahmen von Investoren mit dem Land gegeben, "und wir haben diese an MAN weitergeleitet", berichtete er. Aber MAN habe ohnehin exklusiv mit Wolf verhandeln wollen.

Ökonom Felbermayr: Kein Politiker kann das "mit dem Zauberstab" lösen

Der designierte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr zweifelt indes daran, dass die Politik die Probleme lösen kann. "Ich sehe auch nicht, wie die Politik hier helfen kann", sagte Felbermayr. Was die Politik tun könne, sei zu fragen, was sie nun für den Standort generell tun könne, was die Gründe für den Rückzug der MAN seien. "Hier von der Politik zu erwarten, sie könnte das mit dem Zauberstab lösen, ist abwegig." (apa/red)

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