Stahlindustrie

London macht der massiv verschuldeten Liberty Steel Hoffnung

Der britische Stahlriese Liberty Steel, der noch im Winter die Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen wollte, ist mit mehreren Milliarden Pfund verschuldet. Bei einem staatlichen Rettungspaket gab es Probleme, weil die Struktur des Konzerns undurchsichtig erscheint. Trotzdem hält Regierungschef Boris Johnson eine Rettung wieder für möglich.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich hoffnungsvoll geäußert über Gespräche zwischen der Regierung und dem in Schwierigkeiten geratenen Stahlhersteller Liberty Steel. Dessen Mutterkonzern GFG Alliance steht mit mehreren Milliarden Pfund beim insolventen Finanzdienstleister Greensill Capital in der Kreide.

Liberty Steel arbeitet profitabel

Die Gläubiger der Finanzfirma Greensill hoffen darauf, von dem nach eigenen Angaben international bisher profitablen Stahlkonzern einen Teil ihres Gelds wieder zurückzubekommen. Unternehmenschef Sanjeev Gupta sucht daher verzweifelt nach Investoren, um die rund 5.000 Arbeitsplätze bei Liberty Steel und anderen Stahlwerken von GFG Alliance in Großbritannien zu erhalten.

Einen Antrag auf ein 170 Millionen Pfund (200 Millionen Euro) schweres Rettungspaket hatte die Regierung bereits abgelehnt mit der Begründung, die Unternehmensstrukturen seien undurchsichtig. Für die Regierung ist die Angelegenheit heikel, weil sich auch kürzlich herausgestellt hatte, dass Ex-Premierminister David Cameron als Lobbyist für Greensill bei der Regierung um Unterstützung geworben hatte.

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Offenbar undurchsichtige Struktur des Konzerns

Trotzdem macht Johnson nun wieder Hoffnung. Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng sei in täglichem Kontakt mit der Unternehmensführung, sagte Johnson vergangene Woche vor Journalisten. Die Stahlindustrie sei ein wichtiges nationales Gut. "Wir brauchen eine starke Stahlindustrie. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass wir eine Lösung finden", so Johnson. Gupta hingegen betonte im Gespräch mit der BBC, er habe auch anderweitige Refinanzierungsangebote.

Auch Gemeinden in Deutschland betroffen

Von der Greensill-Insolvenz sind auch mehrere Dutzend Kommunen in Deutschland betroffen, die in den deutschen Ableger des Unternehmens, die Bremer Greensill-Bank, investiert hatten. Sie wollten Negativzinsen vermeiden und entschieden sich - auch auf Vermittlung von Finanzdienstleistern - zur mehr oder weniger kurzfristigen Geldanlage bei der Greensill Bank, die etwas bessere Zinssätze anbot als Wettbewerber. Doch das vermeintlich gute Geschäft jenseits des Ärmelkanals wurde zum Flop. Nun zittern sie um ihr Geld. (dpa/apa/red)

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