Bauindustrie

Lohndumping: Treffen von 59 Baugewerkschaften Europas in Wien

Auf Österreichs Baustellen gehören dubiose Anbieter aus dem Süden und Osten Europas weiterhin zum Alltag - inklusive Dumpinglöhnen, unter Umgehung heimischer Sozialstandards und zum Schaden österreichischer Arbeiter. Lohndumping war deshalb Hauptthema beim Treffen von 59 europäuschen Baugewerkschaften in Wien mit Gastgeber Josef Muchitsch von der GBH.

Sozialdumping durch dubiose ausländische Firmen ist längst nicht mehr nur ein Problem in Österreich. In ganz Europa gibt es mittlerweile Wanderarbeiter, die von Vermittlern unter unmenschlichen Bedingungen am Arbeitsmarkt angeboten werden. Das sehen auch die 250 Delegierten von 59 Gewerkschaften aus 31 Ländern mit 1,6 Millionen Mitgliedern anlässlich der Generalversammlung der EFBH (Europäische Föderation der Bau- und Holzarbeiter), die in den vergangenen drei Tagen in Wien zu Gast war, so.

Da geht es längst nicht nur mehr um billige Arbeitskräfte aus EU-Staaten wie Rumänien oder Bulgarien. Mittlerweile werden von Firmen aus den Nachbarländern wie zum Beispiel Slowenien auch Arbeiter aus Drittstaaten wie Bosnien und Serbien in Österreich angeboten.

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Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) und Gastgeber des Kongresses:“Auftraggeber, welche nachweislich dubiose Firmen beauftragen, müssen in Zukunft die Verlierer und nicht die Gewinner sein! Wir haben in dieser Problematik als europäische Baugewerkschaft 2019 bereits drei Beschwerden bei der Europäischen Kommission eingebracht.

Erstmals haben nun auch 16 österreichische Unternehmen aus dem Bereich Bewehrungsstahl über ihren Güteschutzverband eine Beschwerde eingebracht. Es zeigt sich deutlich: Viele Probleme, gerade mit dem ausufernden Lohn- und Sozialdumping, können nicht national gelöst werden. Umso wichtiger war es, dass wir den europäischen Kongress der Bau- und HolzarbeiterInnen in Österreich begrüßen konnten, das leider zu einem Hotspot des Lohn- und Sozialdumpings geworden ist.“

Unterstützung erhoffen sich die Baugewerkschaften durch die Gründung der neuen EU-Arbeitsbehörde ELA (European Labor Authority). Diese nimmt zurzeit ihre Arbeit in Brüssel auf und soll 2020 mit Sitz in Bratislava über den europäischen Arbeitsmarkt wachen.

Weichenstellungen für die europäische Gewerkschaftsarbeit

Weitere zentrale Themen am Kongress waren die Digitalisierung am Bau und deren Auswirkungen auf die Arbeiter, Maßnahmen zum Klimaschutz und Initiativen für besseren Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Als neuer EFBH-Präsident wurde der Schwede Johan Lindholm gewählt. Neuer Generalsekretär ist Tom Deleu aus Belgien. Mit dem in der GBH für internationale Belange verantwortlichen Dr. Christian Fölzer wurde ein Österreicher zum Rechnungsprüfer gewählt. (red)

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