Außenhandel

Lira auf Rekordtief: Geschäfte mit der Türkei werden zum Problem

Die türkische Währung hat ein neues Rekordtief erreicht: Ein Dollar ist mit 5,1187 Lira so teuer wie noch nie. Nach neuen Sanktionen Washingtons gegen Ankara führen beide Seiten nun Gespräche - doch den Finanzmarkt überzeugt das nicht.

Währungen Türkei USA Sanktionen Recep Tayyip Erdogan

Wegen des Streits mit den USA über einen inhaftierten US-Pfarrer ziehen sich weitere Anleger aus der türkischen Lira zurück. Ein Dollar ist mit 5,1187 Lira so teuer wie noch nie.

Lira bereits vor den Wahlen im freien Fall

Im Juni fand in der Türkei die Wahl des Parlaments und des Präsidenten statt. Dabei wurde Staatschef Recep Tayyib Erdogan im Amt bestätigt. Er kann nun die politischen Strukturen weiter in die Richtung eines Präsidialsystems umbauen. Politische Beobachter erwarten, dass damit die Umwandlung der Türkei von einer Demokratie in ein autokratisches System nochmals beschleunigt wird.

Kurz vor den Präsidentenwahlen befand sich die Landeswährung bereits im freien Fall - die Notenbank des Landes musste eingreifen und konnte damals den Währungsverfall vorerst stoppen: Notenbank der Türkei hat die Talfahrt der Lira vorerst gestoppt >>

Neuer Streit zwischen Ankara und Washington um einen Pfarrer

Die Ursache für die jetzige Talfahrt der Landeswährung ist ein Streit um Andrew Brunson - einen amerikanischen Pfarrer, der im Westen der Türkei zwei Jahrzehnte Jahre lang eine kleine christliche Kirche betrieben hat. Die türkische Justiz geht derzeit hart gegen diesen Pfarrer vor und wirft ihm Terrorismus vor - Brunson sitzt seit zwei Jahren in Haft.

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Als Reaktion auf das Vorgehen der türkischen Justiz gegen diesen Pfarrer hat die amerikanische Regierung Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt. Ankara drohte daraufhin mit Gegenmaßnahmen.

Gespräche in Singapur

Nun haben sich vergangene Woche US-Außenminister Mike Pompeo und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu am Rande des ASEAN-Regionalforums in Singapur darauf verständigt, die Bemühungen um eine Lösung für die aufgekommenen Streitfragen fortzusetzen.

Pompeo hatte vor dem Treffen betont, die verhängten Sanktionen gegen zwei türkische Minister seien "eine Demonstration, dass wir es sehr ernst meinen" und dass er hoffe, dass die Türkei dies auch so erkenne.

Nach dem Gespräch in Singapur meinte Cavusoglu, das Treffen sei "äußerst konstruktiv" verlaufen. "Wenn wir zurück in unseren Ländern sind, werden wir weiterhin gemeinsame Schritte setzen, um diese Probleme zu lösen und werden weiterhin zusammenarbeiten." 

Pastor Brunson seit zwei Jahren in Haft

Der amerikanische Pastor Brunson befindet sich seit Oktober 2016 unter dem Vorwurf der Spionage und der Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen in türkischer Untersuchungshaft. Vor wenigen Tagen entließ ein Gericht den 50-Jährigen wegen gesundheitlicher Probleme überraschend in den Hausarrest, hielt aber das Verfahren gegen ihn aufrecht. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 35 Jahre Gefängnis für Brunson.

20 Jahre eine kleine christliche Kirche an der Westküste betrieben

US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence dringen seit langem auf die Freilassung des Pfarrers, der vor seiner Festnahme in der westtürkischen Küstenstadt Izmir zwei Jahrzehnte lang eine kleine Kirche betrieb. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 35 Jahre Haft.

(red mit reuters/afp/dpa/apa)