Elektroindustrie

Linzer Elektronikfirma Keba legt erneut zu

Die oberösterreichische Elektronikfirma Keba hat im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut zugelegt. Viel Geld kostet derzeit die Akquisition der deutschen LTI Motion Gruppe, die auf Servo-Antriebstechnik spezialisiert ist.

Die oberösterreichische Elektronikfirma Keba mit Hauptsitz in Linz hat im per 31. März abgelaufenen Geschäftsjahr erneut zugelegt. Der Umsatz ist in allen Segmenten um insgesamt rund 20 Prozent oder 50 Mio. auf 304 Mio. Euro gewachsen. 22 Mio. Euro trug die konsolidierte Akquisition der deutschen LTI Motion Gruppe per Jahreswechsel bei.

Teure Übernahme von LTI Motion

Der Keba-Vorstandsvorsitzende Gerhard Luftensteiner nannte im Jahrespressegespräch vor der bevorstehenden Aufsichtsratssitzung keine Ergebniszahl, gab aber zu bedenken: "Die Akquisition kostet Geld." Mit LTI Motion wurde die Keba, ein Spezialist für Steuerung und Sicherheit sowie in der Bedienung, zum Gesamtlösungsanbieter im Bereich Industrieautomation. Mit LTI, einem Anbieter von Servo-Antriebstechnik, war schon zuvor eng kooperiert worden.

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Der Deal hat einen Anteil von über 40 Prozent, die E-Mobilität rund 10 Prozent, den Rest trägt die Bankautomation bei - näher wollte sich Luftensteiner unter Hinweis auf den Mitbewerb nicht äußern. Das Segment E-Mobilität wurde 2009 gegründet - damals noch als "Zukunftsmusik" eingestuft. Inzwischen zählt Keba zu den weltweit führenden Erzeugern von Wallboxen. Erst im vergangenen September berichtete die Firma vom 100.000sten verkauften Gerät, aktuell sind es mehr als 150.000. Die für 45 Länder zertifizierten Boxen sind als Bindeglied zwischen Auto und Stromnetz nutzbar. Sie können Strom in beide Richtungen laden, mit Photovoltaik-Anlagen gekoppelt werden und mit anderen kommunizieren, wodurch die zur Verfügung stehende Energie im Lastmanagement aufgeteilt werden kann.

Im Bereich Bankautomation hat Keba eine neue Generation von Geräten zu Geldbehebung und -einzahlung entwickelt - unter anderem mit individuell einstellbarer Größe des Bedienfeldes am Bildschirm. Weiters wird ein unterfahrbarer Automat für Rollstuhl- oder Rollator-Benützer angeboten sowie ein Outdoor-Automat für Aus- und Einzahlung. Letzterer wird gerne im Grenzgebiet zur Schweiz zum Wechseln der Währungen verwendet.

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Neu ist auch eine "Kleinstfiliale" von Keba für Bank-Standorte mit wenig oder temporärer Mitarbeiterbesetzung. Die Automaten ermöglichen Bargeld-Ein- und -Auszahlung, Münzhandling, Kontoservices und Kurzberatung. Im Bereich der Automaten hat Keba neben den Paketstationen für Post- und Logistikunternehmen auch Anlagen zur Einlagerung von Sendungen in Mehrparteienhäusern entwickelt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden wieder 16,3 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. Keba hat nicht zuletzt durch die Übernahme von LTI Motion von 1.130 auf 1.750 Mitarbeiter zugelegt. In Linz ist man inzwischen auf vier Standorte für die dort tätigen 840 Beschäftigten gewachsen. Der Exportanteil stieg von 87 auf 88 Prozent, darunter 13 Prozent nach Asien. In 14 Ländern ist das Unternehmen mit eigenen Niederlassungen vertreten. In Shanghai wurde zuletzt ein neues Headquarter mit 10.000 Quadratmetern der Keba Industrial Automation eröffnet.

Zu den Aussichten für das laufende Geschäftsjahr meinte Luftensteiner mit einem Augenzwinkern: "Wir merken im Auftragseingang jeden Tweet von Herrn Trump". Wegen Entwicklung in der Automobilindustrie sehe er im Segment Industrieautomation eine Seitwärtsentwicklung, im Geschäftsbereich E-Mobilität hingegen einen kontinuierlichen Ausbau, bei Bank- und Paketautomaten habe man ohnehin schon "Kultstatus". (apa/red)

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