Chemische Industrie

Linde: Aktionäre werfen Konzernchefs Chaos-Management vor

Aktionäre des deutschen Industriegaseherstellers Linde gehen mit den Konzernchefs hart ins Gericht: "Selten wurde ein Konzern so ins Chaos gestürzt", heißt es im Hinblick auf die angestrebte Fusion mit Praxair.

Der deutsche Industriegasekonzern Linde hat auf der Hauptversammlung für sein Vorgehen beim geplanten Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Praxair heftige Kritik von Aktionären einstecken müssen. "Selten wurde ein Konzern so ins Chaos gestürzt wie Linde durch die angestrebte Fusion mit Praxair", schimpfte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment auf der Hauptversammlung.

Er spielte damit auf den gescheiterten ersten Anlauf im vergangenen Jahr an, der den damaligen Vorstandschef Wolfgang Büchele und Finanzchef Georg Denoke hinwegfegte und den Abgang weiterer Führungskräfte nach sich zog.

"Warum ist dieser Zusammenschluss wirklich sinnvoll?"

Speich sagte, obwohl er wie andere Aktionäre einen Zusammenschluss grundsätzlich begrüße, vermisse er ausreichende Informationen der Konzernführung um Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle und dem neuen Vorstandsvorsitzenden Aldo Belloni über den Plan. "Die Kapitalmarktkommunikation ist eine Blackbox, das führt zu einem Bewertungsabschlag der Aktie", kritisierte Speich.

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"Warum ist dieser Zusammenschluss wirklich sinnvoll?", fragte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Unterlegen sie doch bitte ihre Antworten mit Zahlen." Linde und Praxair hatten den 60 Mrd. Euro schweren Zusammenschluss zum Weltmarktführer unter anderem mit Syergien begründet.

Aktionäre werden nicht gefragt

DSW-Vizechefin Bergdolt monierte auch, dass Linde die Aktionäre nicht auf der Hauptversammlung in München über den Plan abstimmen lassen will. Sie erkenne zwar an, dass bisher noch kein entscheidungsreifer Fusionsvertrag vorliege. Sie drohte allerdings mit einer Klage für den Fall, dass Linde bei seiner Auffassung bleibe, das geplante Angebot an die Aktionäre zum Umtausch ihrer Aktien in Anteile der fusionierten Gesellschaft ersetze eine formelle Abstimmung. Die DSW behalte sich vor, diese Frage "einer Überprüfung durch die Gerichte möglicherweise zuzuführen".

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Die zweite große deutsche Aktionärsvereinigung, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), teilte dagegen die Auffassung des Unternehmens. Eine Abstimmung auf der Hauptversammlung sei nicht nötig, sagte SdK-Vorstand Daniel Bauer. Er kritisierte dagegen, dass Linde und Praxair beim Umtauschverältnis beider Aktien gleich hoch bewertet werden sollen. Zwar sei Praxair profitabler, doch sei Linde größer und habe mehr Potenzial, sagte Bauer. "Eigentlich müsste das Verhältnis eher 60 zu 40 zugunsten der Linde-Aktionäre sein." (reuters/apa/red)

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