Maschinenbau

Liftsparte ist die Ertragsperle von Thyssenkrupp

Während in der Stahlsparte von Thyssenkrupp gedrückte Stimmung herrscht, liefert die Sparte für Aufzüge stabile Gewinne - die dank der weltweiten Urbanisierung noch weiter steigen sollen. Gleichzeitig setzt Thyssenkrupp Elevator auf Digitalisierung, um noch mehr Kosten zu sparen.

Die Aufzugssparte von Thyssenkrupp blickt optimistisch auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahren. "Das Geschäft läuft sehr gut und solide. Der Aufzugsmarkt wächst", sagte der Chef von Thyssenkrupp Elevator, Andreas Schierenbeck, im Gespräch mit Reuters.

Haupttreiber für den Markt mit einem weltweiten Volumen von rund 55 Milliarden Euro seien das Bevölkerungswachstum und der Trend zum Leben in den Städten. Dadurch würden immer mehr Hochhäuser gebaut und Aufzüge benötigt. Der Konzern treibt zudem die Vernetzung der Aufzüge voran, was die Gewinne weiter erhöhen soll.

USA bleiben ein sehr lukrativer Markt

Das Geschäft spiele sich zu einem Großteil außerhalb von Deutschland ab. "Was wirklich gut läuft, sind immer noch die USA", sagt der Manager. Auf dem Wachstumsmarkt liefere sich Thyssenkrupp ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Konkurrenten Otis.

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Auch China bleibe wichtig, Indien könne anziehen, während der Markt in Europa stagniere. "London steht unter dem Schatten des Brexit". Da wird fertig gebaut, was angefangen ist. Aber man sieht schon ein bisschen, dass nicht mehr soweit nach vorne gedacht wird wie bisher", fügt Schierenbeck hinzu. Das Geschäft in Deutschland laufe gut, Frankreich und Italien weniger, Spanien erhole sich. Der 51-Jährige führt seit 2012 das Aufzugsgeschäft des Mischkonzerns.

Die Ertragsperle des Konzerns

Die Aufzugssparte ist die Ertragsperle von Thyssenkrupp. Mit einem bereinigten Gewinn (Ebit) von 860 Millionen Euro steuerte die Tochter im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende September) mehr als die Hälfte zum operativen Konzerngewinn von 1,47 Milliarden Euro bei.

Schierenbeck bekräftige die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Danach peilt die Sparte eine Verbesserung des operativen Gewinns bei einem leichten Umsatzwachstum an. Die bereinigte Ebit-Marge soll um 0,5 bis 0,7 Punkte nach zuletzt 11,5 Prozent steigen. Vor 2020 will das Unternehmen beim operativen Gewinn die Marke von einer Milliarde Euro knacken. Das Marge soll künftig bei 15 Prozent liegen.

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Hauptkonkurrenten von Thyssenkrupp Elevator sind Otis, Kone, Schindler und Mitsubishi Electric . Dass es unter diesen Firmen zu Übernahmen kommt, glaubt Schierenbeck nicht. Da die Großen zusammen bereits eine dominierende Marktmacht hätten, würde dies umgehend die Kartellbehörden auf den Plan rufen. Thyssenkrupp wolle die Sparte behalten. "Wir sehen das als Kerngeschäft."

Aggressive Heuschrecke an Bord

Dem Finanzinvestor Cevian, der rund 15 Prozent an Thyssenkrupp hält, wird immer wieder nachgesagt, auf einen Verkauf zu drängen. Thyssenkrupp Elevator selbst will Schierenbeck zufolge im Servicegeschäft weiter kleinere Firmen zukaufen.

Das Wartungsgeschäft macht bei Thyssenkrupp etwa die Hälfte des Spartenumsatzes aus und ist lukrativer als die Installation neuer Anlagen. Thyssenkrupp hat nach eigenen Angaben weltweit Wartungsverträge für 1,2 Millionen Aufzüge und einen Anteil am Aufzugsmarkt von 13 Prozent.

500 bis 600 Aufzüge werden pro Tag an das System angeschlossen

Zulegen will die Sparte auch mit der Digitalisierung. So sollen die Aufzüge vernetzt werden und durch die sogenannte vorausschauende Wartung Fehler behoben werden, bevor ein Aufzug kaputt geht. Dies ermögliche Kostensenkungen. "Wir erwarten schon Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich, wenn das System voll ausgerollt ist." Zur Zeit würden täglich 500 bis 600 Aufzüge an das System angeschlossen.

"Wir werden dieses Jahr eine sechsstellige Zahl erreichen von Aufzügen, die vernetzt sind." Partner von Thyssenkrupp ist dabei Microsoft. Angefangen habe Thyssenkrupp mit dem System in den USA, Deutschland und Spanien. Noch in diesem Jahr sollen sechs weitere Länder hinzukommen. (reuters/apa/red)

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