Helmut Schmid ist General Manager Central Europe beim Industrieautomatisierer Universal Robots.

IM-Expertenpool: Corona und die Folgen

Liegt die Zukunft der Industrie im Reshoring?

Weltweit stehen Produktionen still, Lieferketten sind eingefroren und der Handel ist auf ein Minimum heruntergefahren. Birgt Reshoring mithilfe flexibler Fertigungsautomatisierung eine Chance?

IM-Expertenpool Blog Reshoring Universal Robots Robotik Helmut Schmid

Die weltweiten Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie haben gezeigt, wie fragil die globalen Netzwerke sind, auf denen die Produktionen vieler europäischer Unternehmen ruhen. Doch nebst zahlreicher negativer Auswirkungen bringen Krisen auch etwas Gutes hervor: Sie verhelfen uns zu neuen Denkweisen und führen dazu, unbekannte Wege einzuschlagen – getreu dem Motto: Not macht erfinderisch.

Vor diesem Hintergrund hinterfragen viele hiesige Unternehmen ihre Produktionsstrukturen, um Fertigungen in Zukunft sicherzustellen. Weltweite Lieferketten und Produktionsstandorte werden bereits überdacht und durchziehen sich aller Voraussicht nach einem strukturellen Wandel. Viele Betriebe setzen sich nun als Ziel, sich stärker von logistischen Abhängigkeiten zu emanzipieren. Zur Folge könnte dies haben, dass Produktionen zumindest partiell wieder nach Europa oder ins Inland verlagert werden. Das sogenannte Reshoring – das Rückholen von Produktionen ins Ursprungsland – markiert eine neue Tendenz in der Industrie. 

Produktionskosten durch Automatisierung senken

Doch auch wenn lokale Produktionen aufgrund ungewisser Umweltfaktoren zunehmend an Attraktivität gewinnen, lassen sich Fertigungen nicht ohne Weiteres ins eigene Land eingliedern. Denn das Offshoring, also das gegenteilige Auslagern der Fertigungen ins Ausland, hat seinen Grund: Es gilt, Arbeits- und Herstellungskosten zu senken, um konkurrenzfähige Preise anbieten zu können. Um dieses Ziel trotz der hohen Lohnkosten hierzulande zu erreichen, sollten Unternehmen über Kostenoptimierung nachdenken. Automatisierung ermöglicht dies – und einen Arbeitsschritt mit einem Roboter in Deutschland oder in Österreich zu automatisieren kostet genauso viel wie in anderen Ländern. 

White Paper zum Thema

Cobots: Automatisierung für Unternehmen jeder Größe

Insbesondere flexible und intuitive Leichtbauroboter können Kosten in kürzester Zeit auch in der Produktion in Europa senken. Mit kollaborierenden Robotern (Cobots) haben selbst kleine und mittlere Unternehmen rasch eine einsatzbereite Lösung an der Hand, die sich bereits nach sechs bis neun Monaten amortisiert. Cobots zeichnen sich durch ihre schnelle Umrüstung aus, dank der sie flexibel unterschiedlichste Aufgaben übernehmen können:

Ob Schrauben, Schweißen, Palettieren oder Qualitätsprüfung – die Roboterarme übernehmen vielseitige Tätigkeiten. Dabei kann der Roboter ohne Pausen rund um die Uhr im Ersatz sein, wodurch sich Maschinenkapazitäten optimal ausschöpfen lassen. Zusätzlich sind für die Implementierung von Cobots keine Roboter-Spezialisten notwendig, weshalb Mitarbeiter aus allen Branchen in nur wenigen Schritten die Programmierung selbst erlernen können. Cobots entlasten Fachkräfte von unergonomischen Tätigkeiten und bieten ihnen anspruchsvollere Programmieraufgaben.

Kollaboratives Arbeiten statt Social Distancing

Auch industrieferne Branchen finden darin eine Chance, ihre Prozesse kosteneffizient zu automatisieren und dem Fachkräftemangel zu begegnen. Auf unserer ersten virtuellen Cobot Exference im April haben wir ein verstärktes Interesse von Teilnehmern gespürt, die nicht aus industriellen Bereichen kamen – dies bestätigt uns in der Auffassung, dass das Potenzial für Cobots in vielen Branchen noch nicht ausgeschöpft ist. Bei traditionellen Industriemessen wie der Hannover Messe, die ursprünglich zur selben Zeit hätte stattfinden sollen, verirren sich selten fachfremde Interessenten.

Doch auch in diesen Gebieten wie e-Commerce oder Medizintechnik hat die Corona-Pandemie einen großen Einfluss: Mit Mitarbeitern im Homeoffice und Auflagen des Kontaktverbots gestalten sich Tätigkeiten in allen Arbeitsbereichen derzeit schwierig. Das Schöne an einem Cobot ist: Für ihn gilt Social Distancing nicht. So können kollaborierende Roboter dank zertifizierter Sicherheitsfunktionen in Laboren unmittelbar neben den Mitarbeitern Blutproben sortieren oder in Warenlagern Pakete palettieren und so den regionalen Arbeitsstandort sichern.

Helmut Schmid ist General Manager Central Europe beim Industrieautomatisierer Universal Robots.

Verwandte tecfindr-Einträge