Stahlindustrie

Liberty Steel studiert die Bilanzen von Thyssenkrupp

Beim deutschen Industrieriesen sollen die Verhandlungen mit dem britischen Stahlkonzern über das Schicksal der riesigen Stahlsparte "in eine weitere Prozessphase eintreten." Im März soll dann eine Entscheidung fallen, was mit der Sparte passiert.

In die Suche nach einer Lösung für die angeschlagene Stahlsparte von Thyssenkrupp kommt Bewegung. Der Industriekonzern lässt jetzt den britischen Stahlhersteller Liberty Steel, der das Stahlgeschäft der Essener kaufen will, in seine Bücher sehen. "Thyssenkrupp und Liberty Steel haben sich darauf verständigt, in eine weitere Prozessphase einzutreten", sagte ein Unternehmenssprecher.

Liberty Steel werde in Kürze "Einblick in wesentliche Geschäftsdaten des Stahlgeschäfts von Thyssenkrupp erhalten".

Eine Entscheidung, wie es mit dem Stahl bei Thyssenkrupp weitergeht, solle im März fallen, hatte Vorstandschefin Martin Merz gesagt. Sie lässt neben einem Verkauf auch Kooperationen mit anderen Stahlherstellern ausloten. Ein Alleingang beim Stahl ist ebenfalls weiter möglich. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 hatte der Traditionskonzern beim Stahl ein Minus von fast 1 Mrd. Euro eingefahren.

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Merz hat für die Stahlsparte ein Übernahmeangebot des britischen Konkurrenten Liberty Steel vorliegen. Die IG Metall lehnt dies ab und wirbt für einen Einstieg des Staates bei Thyssenkrupp Steel Europe - dem größten deutschen Stahlkonzern mit 27.000 Beschäftigten. Als mögliche Partner gelten zudem der schwedische Konkurrent SSAB und Tata Steel Europe.

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Die Arbeitnehmervertreter bei Thyssenkrupp lehnen einen Verkauf an Liberty ab. Thyssenkrupp Steel brauche keinen neuen Eigentümer, sondern zusätzliches Kapital, und das habe Liberty auch nicht, hatte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssenkrupp ist, nach Bekanntwerden des Angebots gesagt. Gewerkschaft und Betriebsrat fordern einen Einstieg des Staates beim Stahl von Thyssenkrupp. (dpa/reuters/apa/red)