Energieversorger

Leo Windtner tritt als Chef der Energie AG zurück - vorzeitig

Leo Windtner wird Ende Februar seine Funktion als Chef der oberösterreichischen Energie AG vorzeitig beenden. Die Energie AG sei gut aufgestellt, der Zeitpunkt zum Übergeben sei ideal, so der 66-Jährige.

"Ich will nicht dienen, bis der Diener müde geworden ist", sagt Leo Windtner. Im Februar 2017 will der 66-Jährige von seinem Amt als Generaldirektor der Energie AG zurücktreten. 

 

Generaldirektor Leo Windtner (66) wird seine Funktion als Chef der Energie AG Oberösterreich vorzeitig beenden. Er geht per 28. Februar 2017, sein Vertrag wäre bis 31. Oktober gelaufen. Eine Wiederkandidatur als Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes schließt er hingegen nicht aus, wie er auf Nachfrage in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag in Linz bekanntgab.

Er habe die Eigentümervertreter ersucht, sich von der Spitze des Unternehmens zurückziehen zu dürfen. Diese Entscheidung sei akzeptiert worden. Der Zeitpunkt zum Übergeben sei ideal, meinte Windtner. Die Energie AG sei gut aufgestellt, auch das am kommenden Montag zu beschließende Budget zeige, dass sie konstant auf gutem Weg sei. Man habe durch proaktives Agieren die Liberalisierung geschafft und andere plötzlich auftauchende Herausforderungen.

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Von einem "Übernahmekandidat" - so sei es Mitte der 1990er-Jahre apostrophiert worden - habe sich das Unternehmen zu einem regionalen Infrastrukturkonzern entwickelt mit einem Ebit an oder über der 120-Mio.-Euro-Marke. Nach anderen Maßnahmen sei jetzt ein Nachjustierungsprogramm bis 2020 auf Schiene, dass gegenüber 2010 eine Kostenbesserung um 50 Mio. Euro bringen werde. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin könne nun einen horizontalen Weg beschreiten.

Zu seiner persönlichen Situation verwies Windtner darauf, dass er 66 Jahre alt sei und seine Lebenswege mehr nach privaten und persönlichen Wünschen gestalten möchte. Zudem: "Ich will die Zeichen der Zeit nicht negieren und dienen, bis der Diener müde geworden ist." Sein Entschluss sei ihm - auch mit Blick auf die Belegschaft - nicht leicht gefallen.

Leo Windtner: "Ich will nicht dienen, bis der Diener müde geworden ist"

Wenn er jetzt eine "Dauer-Nachfolgediskussion" abrupt beende, werde das seiner Nachfolge und dem Unternehmen gut tun. Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (ÖVP) war als sein Nachfolger kolportiert worden, weil er gedroht hatte, wegen einer parteiinternen Auseinandersetzung um die Kompetenzverteilung in der Landesregierung aus der Politik aus- und in die Wirtschaft einzusteigen. Er hatte sich aber zuletzt aus dem Rennen genommen.

Eine Ausschreibung für den Chef-Sessel werde zeitnah und unter Leitung des Aufsichtsrats-Vorsitzenden erfolgen, kündigte Windtner an. In den verbleibenden fünf Monaten, die er mit voller Kraft absolvieren werde, sollte sie gefunden werden. Die Besetzung sei eine Frage der Qualität. Leadership sei gefragt und soziale Kompetenz, schilderte der Generaldirektor, der die Auswahl nicht weiter kommentieren wolle.

Windtner erklärte, er sei ÖFB-Präsident bis Juni 2017. Es sei "nicht unwahrscheinlich", dass er noch einmal kandidiere. Auf die Frage, was er ab dem 1. März 2017 machen werde, antwortete er: "Ich habe eine Kleinlandwirtschaft und viele Hobbys. Ich glaube nicht, dass mir fad wird." Und er zitierte den Rat eines Pfarrers seiner Heimatgemeinde St. Florian: "Gehe lieber, wenn sie sagen: 'Schade' und nicht, wenn sie sagen: 'Gott sei Dank'".

Zur Person

Leo Windtner wurde am 30. August 1950 in Linz geboren. Er maturierte an der Bundeshandelsakademie 1969 in Linz und studierte anschließend Handelswissenschaften an der Hochschule für Welthandel in Wien, wo er 1977 zum Doktor promovierte. Nach dem Studium war er Wirtschaftsaspirant in der damaligen Handelskammer Oberösterreich. 1978 trat er in die damalige Oberösterreichische Kraftwerke AG ein, 1985 wurde er zu einem Abteilungsleiter bestellt.

Seit 1. November 1994 leitet Windtner das in Energie AG Oberösterreich (EAG) umbenannte Unternehmen als Vorsitzender des Vorstandes und Generaldirektor. Er war Präsident des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs, auch Bürgermeister von St. Florian, ist Obmann der St. Florianer Sängerknaben und seit 2009 ÖFB-Präsident. (apa/red)