Textilindustrie

Lenzing: "2017 war ein fantastisches Jahr"

Für den Textilhersteller brachte das "äußerst günstige" Marktumfeld des Vorjahres gleich mehrere Rekordergebnisse. Auch Trumps Steuerreform war für Lenzing gut. Jetzt baut Lenzing aus und setzt in Zukunft viel stärker auf Spezialfasern.

Textilindustrie Lenzing Ergebnisse Stefan Doboczky

2017 war das Marktumfeld für Lenzing äußerst günstig. "2017 war ein fantastisches Jahr. Wir hatten durch die Bank Rekordergebnisse", so der Vorstandschef Stefan Doboczky bei der Bilanzpressekonferenz.

Umsatz und Gewinn stiegen dank höherer Faserpreise deutlich, was auch die Aktionäre freuen wird, die eine auf 5 Euro je Aktie (davor 4,20 Euro) erhöhte Gewinnausschüttung bekommen sollen. An der Wiener Börse kamen die Rekordzahlen trotzdem nicht an, das Papier notierte gegen 13.00 Uhr bei 102,6 Euro um 1,16 Prozent tiefer.

Bessere Ergebnisse

Die Umsatzerlöse des Konzerns stiegen im Geschäftsjahr 2017 um 5,9 Prozent auf 2,26 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 17,3 Prozent auf 502,5 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) legte um ein Viertel auf 371 Mio. Euro zu. Unter dem Strich verdiente das oberösterreichische Unternehmen 281,7 Mio. Euro, um fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als 2016. Die bereinigte Eigenkapitalquote verbesserte sich auf 61,2 Prozent (Ende 2016: 53 Prozent).

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Kapazitäten erweitert - mehr Spezialfasern

Lenzing hat im vergangenen Jahr viel Geld in die Hand genommen. Aufgrund von Kapazitätserweiterungen haben sich die Investitionen auf 238,8 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Für 2018 geht der Finanzchef von Investitionen in Höhe von 300 Mio. Euro oder mehr aus.

Der knapp 6.500 Mitarbeiter zählende Konzern will in Zukunft mehr Spezialfasern produzieren, weil er daran besser verdient als an Viskosefasern.

Der Viskosemarkt ist zudem sehr volatil, was das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder in die Bredouille brachte. Der Fokus auf Spezialfasern mache Lenzing "deutlich resilienter", sagte Doboczky. Derzeit macht Lenzing 42 Prozent des Umsatzes mit Spezialfasern, bereits 2020 soll dieser Anteil bei 50 Prozent liegen.

Kooperationen in der Modewelt

Mit seinen Spezialfasern wie Tencel will Lenzing künftig auch beim Endkunden sichtbarer sein. In Deutschland kooperiert Lenzing etwa mit dem deutschen Sportbekleidungshersteller Schöffel. An einigen Standorten wurde die Ware mit Lenzing-Faser prominent platziert - quasi als Shop-in-Shop-Konzept. Der Faserhersteller agiert als Rohstofflieferant sonst nur im Hintergrund.

Anfang 2017 launchte Lenzing die Spezialfaser "Refibra", ein Recyclingprodukt aus den Stoffen, die beim Zuschnitt in Fabriken abfallen. Als Partner schnappte sich Lenzing den größten Modekonzern der Welt, die spanische Inditex-Gruppe, zu dem Marken wie Zara, Bershka, Massimo Dutti oder Pull&Bear gehören. Die Modekette Zara verkauft seither T-Shirts, Pullover und Tops aus der Lenzing-Faser "Refibra". Die Nachfrage bezeichnete der Vorstand als "sehr erfreulich". Zwar gebe es bereits zahlreiche weitere Kooperationspartner, die man aber aufgrund von Verschwiegenheitsklauseln nicht nennen dürfe.

Nicht erfreut über Trumps Zollpläne

Zwar produziert Lenzing weder Stahl noch Aluminium, sondern Fasern, doch "Importzölle helfen uns überhaupt nicht". "Das ist für die gesamte Welt schlecht und ein Unsicherheitsfaktor", sagte Lenzing-Chef Stefan Doboczky am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz. Lenzing betreibt in den USA ein Werk, das gerade ausgebaut wird. Von dort aus exportiert der Konzern in den asiatischen Raum. Die Frage sei, wie China reagieren würde, wenn die USA ihnen Strafzölle auferlegten, so Doboczky.

Allerdings haben die Vorwürfe von Donald Trump sehr wohl einen wahren Kern - und die USA sind bei den Einfuhrzöllen gegenüber großen Handelspartnern tatsächlich im Nachteil. Mehr dazu hier:

Bei Lenzing jedenfalls heißt es, die Politik des amerikanischen Präsidenten habe sich bisher noch nicht negativ auf das eigene Geschäft ausgewirkt. "Ich sage mal so, wir können uns nicht über die US-Steuerreform beschweren", sagte Finanzchef Thomas Obendrauf.

Ganz im Gegenteil: Die neuen Steuergesetze der US-Regierung sollen Firmen durch eine Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent auf längere Sicht entlasten.

Ausbau in den USA

Die Entscheidung, am bestehenden US-Standort in Mobile (Alabama) eine neue Tencel-Faseranlage um umgerechnet 275 Mio. Euro zu bauen, sei aber schon vorher getroffen worden und habe nichts mit der Steuerentlastung zu tun, so Doboczky.

In einer ähnlichen Größenordnung wie in den USA plant der Konzern auch ein neues Werk in Thailand. Die endgültige Entscheidung dafür soll im Herbst 2018 fallen, kündigten die Vorstände an.

2018 werde schwieriger als 2017

Ein neuerliches Rekordergebnis wird sich bei Lenzing aber nicht einstellen. 2018 werde herausfordernder, prognostizierte Doboczky. Es gebe mehrere Unsicherheiten wie Wechselkursentwicklungen, den Preisdruck bei Viskose sowie höhere Preise einiger Schlüsselrohstoffe wie Natronlauge. Für heuer wird daher ein Ergebnis erwartet, das unter den letzten beiden Jahre liegen wird. (red/apa)

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