Corona-Strategien

Lenze-Chef Fuhrmann: "Jeder einzelne von uns muss sich der Ressourcenfrage stellen“

Welche Lehren für die nachhaltige Unternehmensführung lassen sich aus der Coronapandemie ziehen? Lenze-Österreich-Chef Jörg Fuhrmann und Hermann Artmayr, Geschäftsführer der Verbindungstechnik-Tochter, im Interview.

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Lenze-Österreich-Chef Jörg Fuhrmann : "Fridays for Future“ hat uns sicherlich den ein oder anderen Denkanstoß geliefert"

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Artmayr, Herr Fuhrmann, die Industrie wirft den Motor wieder an. Wieviel Normalität erleben Sie?

Hermann Artmayr: Seit Ende April laufen die Produktionsstätten Schritt für Schritt hoch, allerdings auf deutlich geringerem Niveau. Die Kunden unserer Kunden platzieren kaum Bestellungen, einige sind mit Stornierungen konfrontiert. Daher ist es jetzt umso wichtiger, Neugeschäft zu generieren. Unserer Vertriebsansatz, der Beratungsverkauf, macht sich bezahlt.

Jörg Fuhrmann: Das Hochfahren der Aktivitäten im Außendienst ist für die Gruppe aktuell sicherlich das bestimmende Thema.

Wie zufrieden sind Sie mit der Regierung?  Sind die bisherigen Maßnahmen zur Stützung der Industrie gelungen?

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Fuhrmann: Im internationalen Vergleich ist das Maßnahmen-Paket der Regierung durchaus hochwertig. Ob und ab wann man es als gelungen bezeichnen kann, wird sich wohl nach der Krise zeigen. Offensichtlich, und das macht Mut, erfolgt die wirtschaftliche Erholung schrittweise in einer U-Form.

Artmayr, Lenze © Lenze

Hermann Artmayr, Geschäftsführer Lenze Verbindungstechnik: "Die geringe Abhängigkeit von Asien ist jetzt ein Vorteil"

Artmayr: Aus meiner Sicht sind die Maßnahmen sehr passend. Uns kommt natürlich entgegen, dass wir mit einer soliden Eigenkapitalquote ausgestattet sind. Wir bleiben durch Kostendisziplin und Optimierung in allen Bereichen stabil.

Wieweit ist Ihre Supply Chain vom Normalzustand entfernt?

Fuhrmann: Die Lieferkette ist nie wirklich abgerissen. Es gab vereinzelt Verzögerungen, die wir aber über ausreichende Lagerbestände und über agiles Supply Chain Management minimal hielten.

Artmayr: Das kann ich unterschreiben. Bislang halten wir die Supply Chain für das Seriengeschäft aufrecht. Dafür gibt es neben der optimalen Lagerbevorratung in Asten, dem Zentrallager für Europa, noch weitere Gründe. Die geringe Abhängigkeit von Asien ist einer davon. Die Fertigungsstätten in Europa bringen uns zudem hohe Flexibilität.

Wie sieht es mit Ihren Investitionsprojekten im Unternehmen aus - ist vieles auf Hold?

Fuhrmann: Wir setzen unsere Projekte weiter planmäßig um. Investitionen, die uns zusätzliche Effizienz bringen, werden weder verschoben noch gestoppt.

Die Industrie könnte nun zu einem neuen Ethos des Ressourcengebrauchs finden - eine einmalige Chance?

Fuhrmann: Ich glaube, dass die derzeitige Krise uns viele Einblicke gewährt hat, in wieweit man von welchen Rohstoffen und damit von Ländern abhängig ist. Ich glaube auch, dass hinsichtlich der Reisetätigkeit nachhaltige Verhaltensänderungen angestoßen wurden. Die Industrie, jeder einzelne Industriemanager, muss sich dem Thema Nachhaltigkeit stellen. „Fridays for Future“ hat uns sicherlich den ein oder anderen Denkanstoß geliefert.

Vielen Dank für das Gespräch!