Außenhandel

Leitl empfiehlt gegenüber Trump mehr Gelassenheit

"Der Trump spielt doch sein Spiel und behandelt die Europäer als Hampelmänner", meint WKÖ-Chef Christoph Leitl. Die laufende neue 30-Tage-Frist sollte man nutzen.

"Ich würde auf Trump mit großer Gelassenheit reagieren", sagt Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. "Der Trump spielt doch sein Spiel und behandelt die Europäer als Hampelmänner." Die EU dürfe sich keinesfalls erpressen oder unter Druck setzen lassen. "Europa steht für Freihandel ohne Barrieren" und sollte lieber vorschlagen, sämtliche Zölle abzubauen, statt mit Gegenmaßnahmen zu drohen.

Leitl: Trump sei "in einigen Fällen gelungen, etwas herauszuholen"

Trump sei derzeit motiviert, weil es ihm in einigen Fällen gelungen sei, "etwas herauszuholen und seine innenpolitische Position zu stärken". Man müsse aber aufpassen, wenn man die Farmer im Mittleren Westen zu sehr treffe, könnte das dazu führen, dass Trump einen äußeren Feind aufbaut. Daher sollte man die aktuelle 30-Tage-Frist nutzen und mit einander reden. Es brauche "pro-aktive und keine Retro-Lösungen". Das könnte auch zu einem neuen Freihandelsvertrag mit den USA führen, meint Leitl.

Aut europäischer Ebene will man Leitls Position kaum nachvollziehen

Leitl empfiehlt Europa, so wie es China derzeit tue, mit allen Teilen der Welt gute Beziehungen aufzubauen. Insbesondere empfiehlt er, wie schon lange, mit Russland zu sprechen. "Heimlicher Gewinner" der Sanktionen sei Putin, der die Situation dazu nutze, Teile der Wertschöpfungskette im Land aufzubauen. So habe die Firma Kornspitz früher nach Russland exportiert, nun gebe es in der Nähe von Moskau ein Werk, von dem aus Europa beliefert werde. Ähnliche Beispiele gebe es auch in anderen Bereichen.

White Paper zum Thema

In der EU steht Leitl mit dieser Linie aber eher alleine da: "Wenn ich so argumentiere, stehe ich in Brüssel am Anfang", räumte er auf Nachfragen im Klub der Wirtschaftspublizisten ein

Grundsätzliche Zustimmung erfährt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für seine Ablehnung des ersten Vorschlags für den nächsten EU-Finanzrahmen. "Der Ruf nach mehr Geld ist immer das leichteste", sagte Leitl. Die EU solle erst einmal 20 Prozent Effizienzsteigerung schaffen, dann darüber reden, wofür zusätzliches Geld nötig ist. Auf dieser Basis könne man dann diskutieren. "Der Bundeskanzler nimmt einmal eine Position ein und das ist eine, die ich auch auf europäischer Wirtschaftsebene vertrete".  (APA/red)