Innovationsstrategien

LCM-Chef Gerald Schatz: "Die Signale sind positiv"

Warum die aktuelle Projektauslastung fürs zweite Halbjahr durchaus optimistisch stimmt, erzählt Gerald Schatz, CEO des Mechatronik-F&E-Zentrums LCM, im Interview. 

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Dort, wo Innovationsprojekte nicht unmittelbaren Markterfolg versprechen, beweise man aktuell "Mut zur Lücke"

Herr Schatz, Österreichs Forschungslandschaft zeigt in diesen Tagen ein heterogenes Bild: Manch einer nimmt Tempo aus der Innovationsschiene, viele andere halten die Schrittfrequenz hoch. Wie läuft es in der Mechatronik?  

Gerald Schatz Unser Planungshorizont hat sich deutlich verkürzt. Die Auftragseingänge sind zurückgegangen. Bei größeren Projekten werden derzeit nur kleinere Arbeitspakete beauftragt. Trotzdem dürfen wir uns über eine gute Auslastung freuen. Im ersten Quartal haben wir zum Teil noch vom starken Vorjahr profitiert. Das zweite Quartal ist gut gelaufen, auch wenn die Kunden deutlich zurückhaltender bei der Beauftragung waren. Wie sich die Quartale 3 und 4 entwickeln, ist schwer abzuschätzen. Die Signale sind zurzeit eher positiv. 

Wie organisieren sich Ihre Innovationsteams? 

Schatz Als F&E-Dienstleister reicht – gerade bei Neukunden – ein virtuelles Meeting nicht an die Gesprächsqualität eines persönlichen Treffens heran. Bis vor einigen Tagen durften uns potenzielle Kunden nicht besuchen, noch wir zu Kunden reisen. Der Vertrieb war nur virtuell möglich. Wir haben deshalb verstärkt auch an Messen zu Künstlicher Intelligenz oder Automation virtuell teilgenommen. Die praktische Grenze der Digitalisierung wird bei solchen Veranstaltungen deutlich sichtbar. Die Qualität traditioneller Kommunikation ist definitiv nicht möglich, die Empathie fehlt.  Und als vom Ministerium als familienfreundlich ausgezeichneter Betrieb ist Homeoffice bei uns schon immer Realität. LCM-intern haben wir eine unternehmensübergreifende Jobplattform gegründet, die einen Ausgleich zwischen über-und unterausgelasteten Bereichen unter Berücksichtigung der erforderlichen Kompetenzprofile sichert. 

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Welcher Bereich erweist sich als einigermaßen krisenresistent?

Schatz Als recht krisenresistent erweist sich aus unserer Sicht der Bereich Integrierte Antriebe – Antriebe mit integrierter Elektronik und Regelungssoftware. Diese Abteilung entwickelt etwa magnetgelagerte Antriebssysteme, die sich durch hohe Leitungsdichte, Wartungsfreiheit und geringer Bauräume auszeichnen. Gerade aus der Medizintechnik erleben wir eine sehr große Nachfrage nach dieser Technologie. Da die Elektrifizierung von Antrieben hohe Wirkungsgrade erfordert, ist auch bei OEMs und deren Zulieferern das Interesse daran aktuell sehr groß. Wir unterstützen sie bei der Entwicklung elektrischer oder hydraulischer Antriebssysteme inklusive der erforderlichen Elektronik/Leistungselektronik und Regelungstechnik/Software. 

Ist Kurzarbeit ein Thema? 

Schatz: Das Kurzarbeitsmodell haben wir nicht in Anspruch genommen. Bei gleichbleibender Entwicklung unseres Geschäfts wird das auch in den kommenden Quartalen nicht erforderlich sein. Wir sind intensiv bemüht, unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten 

Welche Technologiebereiche haben Sie zuletzt gestärkt? 

Schatz Digitale Produktentwicklung, virtuelles Testen und virtuelle Inbetriebnahme sind Methoden, die wir LCM-intern intensiv weiterentwickelt haben. Unsere Experten des Bereichs Emerging Technologies sehen dafür die besten Marktchancen, weil gerade der Mittelstand hier Aufholbedarf hat. Mit Kunden wie NG Green, Oberaigner oder Prinz haben wir schon Projekte zur Marktreife gebracht. Und wir haben unser Pay-per-Use-Modell für den effizienten Einsatz von Softwareprodukten - etwa über Cloud - optimiert. Der Markt für die Digitale Produktentwicklung beginnt sich zunehmend zu öffnen. Und LCM stellt seine praktische Erfahrung beim Einsatz der digitalen Methoden zur Verfügung. Wir fokussieren unsere Anstrengungen im Schwerpunkt Digitale Produktentwicklung. Diese Methode zieht sich als roter Faden durch alle Bereiche von LCM. Ansonsten müssen wir derzeit Mut zur Lücke beweisen und Innovationsprojekte, die nicht unmittelbaren Markterfolg versprechen, vorübergehend auf Eis legen. 

Sehen Sie Analogien zur Finanzkrise 2009? 

Schatz Im Gegensatz zu 2009 stehen wir aktuell vor einem deutlichen technologischen Wandel –  neue Antriebstechnologien und Mobilitätskonzepte, Assistenzsysteme, neue Methoden in der Software - Stichwort KI - und Automation in der Produktion. Vor allem aus wettbewerblichen Gründen ist es wichtig, diesen Indikatoren Rechnung zu tragen: F&E muss trotz drohender Liquiditätsengpässe im Unternehmen weiterlaufen – zur Risikobegrenzung in dichteren Partnernetzwerken. Denn hier lauert ein wenig beachtetes Risiko: Durch die Reduktion der Innovationsaktivität - also die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis, was ohnehin oft die Achillesferse europäischer Volkswirtschaften ist - kommt man als Unternehmen zunehmend in Rückstand.  

Die Finanzierung ist wohl nicht immer ganz leicht... 

Schatz Finanzierungsengpässe stehen dem Ziel, die wichtigen Technologiefelder weiterhin erfolgreich zu besetzen, aktuell natürlich entgegen. Durch Entwicklungspartnerschaften lassen sich jedoch sowohl das Risiko begrenzen als auch die Umsetzungsgeschwindigkeit erhöhen. In einem vom Export abhängigen Staat wie Österreich haben sich unsere Unternehmen auch weiterhin auf internationalem Boden zu messen. 

Wie generieren Sie jetzt grundsätzlich Customer Experience?

Schatz Wir haben begonnen, einen virtuellen Rundgang bei LCM einzurichten. Dieser wird zurzeit ausgebaut. Kunden habe so die Möglichkeit, geführt von einem Mitarbeiter oder selbständig Informationen über LCM und unser Portfolio einzuholen.
Zudem veranstalten wir Webinare und Workshops zu Themen wie Virtuelle Inbetriebnahme, Robotik, IIOT. 

Auch unser Bereich „Emerging Technologies“ führt unter Nutzung spezieller Tools die Workshops und Meetings virtuell durch. 
Ein nächster Schritt wird – je nach Entwicklung der Corona-Situation – eine virtuelle LCM-Messe sein. 

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