Cyberkriminalität

"Laufende Angriffe" - A1 unter Beschuss aus dem Netz

Der Telefonieanbieter A1 steht seit vier Tagen unter massivem Beschuss von Cyberkriminellen. Es gebe laufend Angriffe auf das mobile Internet und seit wenigen Stunden auch auf das Festnetz-Internet, bestätigt A1. Der Anbieter gehört zur Telekom Austria.

Der größte in Österreich tätige Telefonieanbieter A1 bestätigt massive Angriffe aus dem Internet auf die eigene Infrastruktur. Diese Angriffe bekommen demnach gerade Kunden in Österreich zu spüren, die das Festnetz oder Dienste der Marken A1, bob, yesss! und Georg nutzen würden, berichtet das Unternehmen.

Demnach häufen sich seit dem vergangenen Samstag sogenannte DDoS-Attacken auf A1. Die Abkürzung steht für "Distributed Denial of Service": eine Art eines Cyberangriffs, bei dem die Netzinfrastruktur mit enorm vielen Datenpaketen überlastet wird, die über viele Länder verteilt abgeschickt werden, um das Service des Internetzugangs zu stören.

Wie berichtet bestätigte erst vor wenigen Tagen der Flugzeugkomponentenhersteller FACC einen millionenschweren Cyberangriff.

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A1: "Die Angriffe werden laufend neutralisiert"

A1 zufolge war in den vergangenen Tagen und Stunden die Nutzung des mobilen Internets und einzelner mobiler Services teilweise nicht oder nur sehr verzögert möglich. Betroffen seien alle Kunden der Marken "A1", "bob", "yesss!" und "Georg", die Internet über die Mobilfunkstandards 2G, 3G und 4G auf mobilen Geräten nutzen.
 
Am heutigen Dienstag, den 02. Februar, wurde auch das A1 Festnetz-Internet mit ähnlichen Methoden angegriffen. Diese Attacke konnte innerhalb weniger Minuten abgewehrt werden, so das Unternehmen.
 
Der Anbieter war am Dienstagabend auch sonst um Beruhigung bemüht. "Die Angriffe auf die Infrastruktur werden laufend durch unsere Techniker neutralisiert", meldet A1.
 
Gleichzeitig betont der Anbieter, dass zu keinem Zeitpunkt Kundendaten gestohlen oder kompromittiert worden seien. Außerdem entschuldigt sich A1 auch "bei allen betroffenen Kunden für die Unannehmlichkeiten."

Neue Chefin ab Juni

Dass der operative Bereich der Telekom Austria die Angriffe genau jetzt erlebt und auch öffentlich dazu Stellung beziehen muss, kommt denkbar unpassend.

Schließlich hat A1 just heute bekannt gegeben, dass das Unternehmen in Kürze wieder unter österreichischer Führung steht: Die Tirolerin Margarete Schramböck wechselt vom IT-Unternehmen Dimension Data zum Telefonieanbieter.
    
Spekulationen über kompletten Ausverkauf der Telekom Austria

A1 ist mit rund 5,4 Millionen Kunden im Bereich Mobilfunk und knapp 2,3 Millionen Festnetzanschlüssen hierzulande der größte Anbieter für Telekommunikation. A1 ist Teil des Telekommunikationskonzerns Telekom Austria.

Im Sommer 2013 wurde ein großer Anteil an der Telekom Austria an den mexikanischen Konzern America Movil verkauft, hinter dem der mexikanische Milliardär Carlos Slim steht. Inzwischen gehört den Mexikanern mehr als die Hälfte des Konzerns. Mehr dazu hier: Die Konsolidierung der Telekom Austria passiert schon.

In den letzten Tagen mehren sich nun Gerüchte, dass der Mexikaner den restlichen Streubesitz bei der Telekom auskaufen könnte. Diese Spekulationen wären durchaus plausibel: America Movil hält derzeit knapp 60 Prozent an der Telekom Austria. Gegenüber der Staatsholding ÖBIB, der wiederum 28,42 Prozent an dem Konzern gehören, haben sich die Mexikaner auf eine Erhöhung des Streubesitzes verpflichtet. Konkret sieht der Syndikatsvertrag vor, dass sie den Streubesitz von derzeit 11,88 Prozent bis zum heurigen Oktober auf 20 Prozent erhöhen.

Weil allerdings die Aktie der Telekom derzeit schon um fünf Euro zu haben ist, wäre das für America Movil ein Verlustgeschäft. Wie die Austria Presse Agentur berichtet, wäre es Beobachtern zufolge für America Movil attraktiver, den Streubesitz abzufinden und den Aktionären den niedrigen Durchschnittskurs der letzten sechs Monate zu bezahlen.

Damit könnte der einstige österreichische Leitbetrieb komplett von der Wiener Börse verschwinden. (red/pm)

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