Stellenabbau

Land Niederösterreich: Pharmariese Shire soll Verantwortung übernehmen

Nach dem angekündigten großen Stellenabbau bei Shire nimmt das Land Niederösterreich den Pharmakonzern in die Pflicht. Landesrat Wilfing fordert die Einrichtung einer Unternehmensstiftung - das Unternehmen plant diese derzeit nicht.

Das Land Niederösterreich nimmt den Pharmakonzern Shire angesichts des geplanten Stellenabbaus in Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) und Wien in die Pflicht. Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) forderte die Einrichtung einer Unternehmensstiftung für die betroffenen Mitarbeiter. Von Shire hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage, es sei derzeit keine Arbeitsstiftung geplant.

"Die Vorgangsweise von Shire ist für alle Betroffenen, die Region und das Land ein schwerer Schlag und in keinster Weise nachvollziehbar", sagte Wilfing. Deshalb sei der Konzern nun gefordert, "möglichst rasch einen Sozialplan umzusetzen und eine Unternehmensstiftung einzurichten". Für die Bezahlung des Stiftungsarbeitslosengeldes stehen laut dem Landesrat in einem ersten Schritt rund acht Mio. Euro beim Arbeitsmarktservice (AMS) zur Verfügung.

Im Rahmen des Sozialplans sind laut dem Unternehmen Maßnahmen wie Outplacement geplant. Zudem sollen die Betroffenen mit Vermittlungsangeboten innerhalb der Pharmabranche, Beratungen und Bewerbungstrainings begleitet werden. "Die Leute werden nicht alleine gelassen", so eine Sprecherin von Shire (vormals Baxter/Baxalta).

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Die Notwendigkeit für eine Unternehmensstiftung ist nach Ansicht von Shire "nicht gegeben". Das Ausmaß des Personalabbaus sei noch nicht klar. Der Prozess gehe über ein Jahr, es werde evaluiert, wie viele Stellen abgebaut oder verlagert werden. Nach Firmenangaben sind 500 Positionen von Transferierungen betroffen. Im AMS-Frühwarnsystem wurden mehr Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet - laut Informationen der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) bis zu 650.

Von Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) sollen Bereiche nach Wien bzw. Teile von Österreich ins Ausland - in die USA und nach Irland - verlagert werden. Bereits 2015 wurde ein Teil der Forschung nach Boston verlegt. "Der Standort Orth wird nicht geschlossen", betonte eine Shire-Sprecherin. Das Forschungsteam in der Weinviertler Marktgemeinde soll sich künftig auf Gentherapie und Hämatologie fokussieren. Um den Standort nachhaltig abzusichern, könne sie die Vernetzung zu bestehenden Forschungseinrichtungen und den Dialog anbieten, sagte NÖ Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav am Donnerstag zur APA. Sie erwarte einen guten Sozialplan und ein Begleiten sowie Unterstützung der Betroffenen durch das Unternehmen.

Das AMS stehe bereits in engem Kontakt mit dem Unternehmen, um die betroffenen Menschen bestmöglich zu beraten und aufzufangen, so Wilfing: "Seitens des Landes NÖ werden wir gemeinsam mit dem AMS alles unternehmen, um in Härtefällen zu helfen und den Menschen eine Perspektive zu bieten."

Bohuslav war "nicht erfreut, dass wir die Nachricht aus den Medien erfahren mussten". Der geplante Stellenabbau habe "alle Verantwortlichen auf Gemeinde und Landesebene wie ein Schlag ins Gesicht getroffen". Die Entscheidung sei von der internationalen Konzernzentrale getroffen worden. "Hier wurde mit Tabellen und Studien über die Zukunft von Hunderten Familien entschieden", kritisierte die Landesrätin.

"Eine wirtschaftliche Schieflage ist nicht erkennbar", meinte AKNÖ-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. LHStv. Karin Renner (SPÖ) zeigte sich "entsetzt" über die Entscheidung der Shire-Unternehmensführung und sprach in einer Aussendung von einem "schweren Schlag für den Bezirk Gänserndorf und das gesamte Weinviertel". "Wieder einmal werden Arbeitsplätze rein steuerlichen und damit gewinnmaximierenden Überlegungen geopfert. Ähnlich äußerte sich Wieser. Für das Unternehmen sind derartige Vorwürfe "aus dem Kontext gerissen". (apa/red)

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