Baustoffindustrie

LafargeHolcim weist Vorwürfe zur Finanzierung des IS zurück

Der Zementriese soll Geld an die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezahlt haben, um den Betrieb eines Zementwerks und später die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu gewährleisten. Den Vorwurf der Finanzierung weist LafargeHolcim zurück - dementiert aber getätigte Zahlungen nicht.

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LafargeHolcim hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach der Zementkonzern in Syrien die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) finanziert haben soll. Mehrere Anwaltskanzleien seien dabei, die Vorgänge rund um ein Werk in Syrien in den Jahren 2013 und 2014 zu untersuchen, teilte der Weltmarktführer aus der Schweiz mit.

"Die Untersuchung wird zeigen, ob Regeln befolgt wurden und ob Anpassungsprozesse notwendig sind", hieß es. Zwei Menschenrechtsorganisationen hatten in Paris eine Anzeige gegen die Vorgängerfirma Lafarge eingereicht. Darin werfen sie dem Unternehmen vor, Vereinbarungen mit dem IS getroffen zu haben, um den Betrieb des Werks aufrechtzuerhalten. So soll Lafarge etwa für Passierscheine bezahlt haben.

Der Hintergrund

Wie vor wenigen Tagen bereits hier gemeldet, hat der Großkonzern das Werk Jalabiya 2007 von einem ägyptischen Besitzer für umgerechnet 600 Millionen Euro gekauft. Damals war der Standort 160 Kilometer nordöstlich von Aleppo noch im Bau. Jalabiya hätte, abgesehen von den Erdölraffinerien, die größte Industrieproduktion Syriens werden sollen. Kurz nach der Inbetriebnahme 2010 brach der Krieg aus, und laut „Le Monde“ habe Lafarge an IS-Kontrollposten Abgaben für den Gütertransport bezahlt; außerdem habe es über Mittelsmänner Lizenzen gekauft und Steuern bezahlt, um an Erdöl zu kommen, das "vom IS raffiniert" worden war.

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Der Zementriese dementierte die Zahlungen im Sommer nicht, behauptete aber, diese seien nur vorübergehend aufrechterhalten worden, da die Priorität der damaligen Lafarge die Sicherheit und der Schutz der Mitarbeitenden gewesen sei. „Le Monde“ wiederum schreibt, dass der Zementhersteller die Produktion auf jeden Fall aufrechterhalten habe wollen und so beispielsweise jemanden beauftragt habe, vom IS die Genehmigung einzuholen, die Angestellten die Checkpoints passieren zu lassen.

Ausschuss des französischen Parlaments: Keinerlei Beweise für eine Finanzierung

Letztendlich wurde das Zementwerk eingenommen, und die Produktion gestoppt. Ein französischer Parlamentsausschuss kam im Juli zu dem Schluss, es gebe keinerlei Beweis dafür, dass Lafarge "direkt oder indirekt" oder auch nur "passiv" an der Finanzierung des IS beteiligt gewesen sei. Nun hat aber die französische Nichtregierungsorganisation Sherpa Anzeige gegen Lafarge erstattet - unter anderem wegen Terrorfinanzierung. (red/reuters/afp/apa)