Maschinenbau

Kunststoffrecycling neu gedacht

Eine einfache Idee macht die Verarbeitung des Kunststoffmülls schneller, einfacher und energieeffizienter. Sie brachte zwei Österreichern den Europäischen Patentpreis für die Industrie.

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Die Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffe aller Art ist nicht nur europaweit ein brandaktuelles Thema. Bis 2025 will die EU etwa über die Hälfte aller Kunststoffverpackungen wiederverwerten, China setzte mit Anfang letzten Jahres ein Importverbot von Altkunststoffen um – bis dahin kaufte China weltweit rund 7,3 Millionen Tonnen an Plastikmüll pro Jahr und gewann daraus neuen Kunststoff. „Uns kommt natürlich zugute, dass einstige Exportländer nun die Wiederverwertung ihrer Kunststoffabfälle forcieren“, sagt dazu Manfred Hackl. Er ist CEO der Erema-Gruppe, die Recyclingmaschinen produziert – und Gewinner des Europäischen Patentpreises in der Kategorie Industrie.

Das Recyceln von Kunststoffen ist aufwendig und zeitintensiv – vor allem die Trennung des Kunststoffs von anderen Abfällen kann lange dauern. Um verwertbares Material zu gewinnen, ist für jede Art von Kunststoff ein eigenes Verfahren nötig. Die Idee, mit der Manfred Hackl und sein Kollege Klaus Feichtinger schließlich das Recycling von Kunststoff sozusagen neu erfanden, begann als einfache Zeichnung. Dank ihrer patentierten „Counter-Current- Technologie“ können Kunststoffe effizienter sortiert und getrennt werden – und damit eine viel größere Palette unterschiedlichster Kunststoffabfälle zu Regranulat verarbeitet werden, das für die Herstellung neuer Kunststoffe verwendet wird.

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Großes Wachstumspotenzial

Dass das Recyceln von Kunststoffen nun vor allem europaweit großes Thema
ist, liege dabei nicht nur am Stopp von Kunststoffabfallimporten durch China, erklärt Hackl. „Auch der wachsende öffentliche Druck, politische Initiativen wie die EU-Kunststoffstrategie und Selbstverpflichtungen namhafter Markenhersteller tragen dazu bei.“ Wurde der Wert des weltweiten Marktes für Kunststoffrecycling im Jahr 2017 auf 32 Milliarden Euro beziffert, rechnen Experten damit, dass der Markt im Jahr 2024 50 Milliarden Euro schwer ist – das entspricht einem Wachstum von 6,5 Prozent jährlich.

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Bisher werden hierzulande nur rund 28 Prozent der Kunststoffabfälle wiederverwertet. Österreich liegt dabei nach Angaben des Umweltbundesamts im europäischen Spitzenfeld.

Der Großteil wird verbrannt und für die Energiegewinnung genutzt. Es gibt also noch viel Luft nach oben – schließlich können die Recyclingmaschinen von Erema etwa 80 Prozent aller Kunststoffarten wiederverwerten.

Standortausbau in Ansfelden

Um die in der EU-Kunststoffstrategie festgelegten Recyclingvorgaben erfüllen zu können, müssten auch zusätzliche Kapazitäten für die Regranulatproduktion aufgebaut werden, so Hackl. „Aber auch Initiativen weltweit agierender, großer Markenhersteller, die sich zu höheren Anteilen von recycelten Kunststoffen in ihren Verpackungen verpflichtet haben und das bessee Image von Endprodukten mit Regranulatanteilen führen dazu, dass mehr in Recyclingtechnologie investiert wird – nicht nur in Europa, auch in Asien und in den USA.“ Dafür rüstet sich die Erema-Gruppe unter anderem mit einem Standortausbau in Ansfelden, der im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein soll.

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