Automobilindustrie

"Kulturwandel" bei VW: Umgestaltung unter Diess wird konkreter

Der neue Konzernchef von VW macht Ernst mit dem "Kulturwandel" - neben einer Aufstellung in drei Markengruppen sind auch Ausgliederungen denkbar. Insgesamt müsse Volkswagen "anständiger" werden.

Volkswagens neuer Konzernchef, der Österreicher Herbert Diess, will den viel beschworenen "Kulturwandel" entschlossener angehen. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, sagte der neue Konzernchef auf der Hauptversammlung in Berlin. "Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden."

Zudem erklärte der Manager, für nicht zum Kerngeschäft zählende Unternehmensteile wie den Motorradbauer Ducati oder den Getriebehersteller Renk würden "belastbare Zukunftsperspektiven" erarbeitet. Volkswagen gehe die großen automobilen Zukunftsthemen konsequent an, sagte Diess mit Blick auf E-Mobilität und Vernetzung. "Aber der größte Teil der Wegstrecke liegt noch vor uns."

Aufpasser aus den USA direkt im Haus

Der Vorstand habe mit "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Das interne Hinweisgeber-System soll demnach ausgebaut, Fehlverhalten kompromisslos geahndet werden.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgasskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

Neue Konzernstruktur

Zugleich konkretisierte der neue Vorstandschef, was er sich unter der neuen Konzernstruktur vorstellt - dabei schließt er auch Ausgliederungen von Nicht-Kerngeschäften nicht aus. Dies sei etwa bei Ducati oder Renk denkbar. Jedoch hatten Arbeitnehmervertreter einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile hält, strikt abgelehnt.

Die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge - Volkswagen Truck & Bus - wiederum solle weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufgestellt und "in absehbarer Zeit" fit für die Börse gemacht werden. Nach Angaben von Spartenchef Andreas Renschler wird Volkswagen hier die Mehrheit der Anteile behalten.

Für die nicht zum Kerngeschäft zählenden Geschäftsfelder - darunter auch MAN Diesel & Turbo, ein Anbieter von Großdieselmotoren - müssten "belastbare Zukunftsperspektiven" erarbeitet werden, kündigte Diess an. Das werde "in aller Ruhe und mit der gebotenen Gründlichkeit" geschehen.

Drei neue Markengruppen

Diess erklärte, Volkswagen müsse bei Entscheidungen und deren Umsetzung schneller werden. Die Wege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit. Das solle mit der neuen Konzernstruktur anders werden. Die neuen Markengruppen heißen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge, Mobilitätsdienstleister Moia), "Premium" (Audi, Porsche Holding Salzburg, Lamborghini, Ducati) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti).

VW setzt im laufenden Jahr auf Dutzende weitere Modelle. 2018 werde der Konzern mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, sagte Diess. Gleichzeitig warnte er, der neue Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch sowie Schadstoff- und CO2-Emissionen (WLTP) könne zu Lieferengpässen führen. (dpa/apa/red)

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