Kraftwerkbau

Kritik am neuen Kraftwerkprojekt der EVN

Die EVN plant eine Modernisierung des am Kamp in Niederösterreich gelegenen historischen Kraftwerks Rosenburg. Von Umweltschützern kommt scharfe Kritik. Sie werfen dem Versorger "Greenwashing" vor.

Kraftwerkbau Energieversorger EVN WWF Standort Niederösterreich

Die EVN plant eine Modernisierung des historischen Kraftwerks Rosenburg, das seit 1907 Strom für die Region erzeugt. Beim Hochwasser 2002 im Waldviertel wurde die Wehranlage größtenteils zerstört und danach provisorisch erneuert. Jetzt ist die öffentliche Auflage im UVP-Verfahren für das Projekt gestartet.

Die sechs Wochen dauernde öffentliche Auflage sei eine wichtige Phase in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), "dem strengsten und umfangreichsten Genehmigungsverfahren für Projekte in Österreich", so die EVN. In die Unterlagen und Gutachten Einsicht nehmen kann man auf den Gemeindeämtern von Rosenburg, Altenburg und Gars am Kamp.

Zweifel an der Begründung des Vorhabens

Doch der Plan des Energieversorgers ist alles andere als unumstritten. Denn das mittlere Kamptal ist wegen seiner außerordentlichen Naturnähe und der herausragenden landschaftlichen Schönheit als Europaschutzgebiet und seit langer Zeit auch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Deshalb seien Verschlechterungen für geschützte Lebensräume und Arten verboten und die landschaftliche Schönheit zu bewahren, so die Kritiker.

White Paper zum Thema

Gleichzeitig stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis die große Baustelle, der schwere Eingriff und die bleibenden Bauten einerseits und die später erzeugte Strommenge andererseits stehen. Dazu kommt die Wirtschaftlichkeit: Der Strompreis ist in den vergangenen sieben Jahren stark gesunken - die Refinanzierung eines Wasserkraftwerks dauert aus heutiger Sicht Jahrzehnte.

Kritik von Umweltschützern

Von Umweltschützern kommt scharfe Kritik an dem Projekt. Sie sprechen vom "Schlag ins Gesicht aller Naturfreunde" und von "Greenwashing" des Energieversorgers.

Konkret geht es bei den eingereichten Unterlagen um eine "Stauzielerhöhung" auf 5,6 Meter. Das bedeutet den Bau einer um 1,6 Meter höheren Betonstaumauer, um die Verlängerung des Stauraum auf einen Kilometer, um die Rodung von knapp drei Hektar Wald sowie um das Ausbaggern von mehr als 1,5 Kilometern Naturfluss um bis zu 1,5 Meter. Außerdem würde statt des Steges eine Straßenbrücke den Kamp queren und der Weg durch den Steilhang zum Wehr zu einer fünf Meter breiten Autostraße "ertüchtigt" werden.

Die offizielle Kundmachung gibt bekannt: „Ab 02.05.2018 bis einschließlich 15.06.2018 besteht für jeden die Möglichkeit schriftliche Stellungnahmen bzw. Einwendungen zum Vorhaben bei der UVP-Behörde (per Adresse: Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Umwelt- und Energierecht (RU4), Landhausplatz 1, 3109 St. Pölten, einzubringen.“ Danach wird der Mehrheitseigentümer der EVN und die Genehmigungsbehörde - das Land Niederösterreich - eine Entscheidung treffen.

Laut der UVE der niederösterreichischen „EVN Naturkraft“ soll der Kraftwerksneubau in der Bauphase aber bloss „geringfügige“ bis „vertretbare“ Auswirkungen auf die Schutzgüter haben bzw. in der Betriebsphase sogar „verträglich“ sein. Und die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sollen trotz mehrjähriger Großbaustelle mit massiver Umgestaltung des Flusses auf etwa 2 Kilometer Länge mit dem Landschaftsbild verträglich sein.

Die Naturschutzverbände bezeichnen diese EVN-Bewertungen als „haarsträubende Schönfärberei“ und „Greenwashing“. Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbund Niederösterreich, meint: „Die Ausbaggerung eines naturbelassenen Flusses auf einer derartigen Länge, die weitflächige Überstauung einer - laut EU - prioritär geschützten Weichholzau, die Flutung von natürlichen Ufern und Rauschestrecken sowie die Zerstörung von mehr als zwei Hektar - teilweise ebenfalls prioritär geschützten - Hangwald kann nicht naturverträglich sein.“

"Eines der letzten großflächig naturnahen Flusstäler Österreichs"

Gerhard Egger, Programmleiter Fließgewässer beim WWF Österreich, meint dazu: „Das mittlere Kamptal ist eines der letzten großflächig naturnahen Flusstäler Österreichs und daher als Ganzes hochgradig schützenswert. Der Kamp hat durch die bestehenden drei großen Stauseen und die vielen Kleinwasserkraftwerke schon genug Schaden erlitten. Nun auch noch den letzten naturnahen Abschnitt noch weiter zu schädigen, ist nicht vertretbar! Wir rufen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner als Vertreterin des Mehrheitseigentümers dringend auf, hier ganz schnell die Notbremse zu ziehen und den Erholungs- und Naturraum Kamptal zu retten!“

Bau und Stromerzeugung in keinem sinnvollen Verhältnis

Stromausbeute und Naturzerstörung stehen bei diesem Projekt in keinem sinnvollen Verhältnis. Das neu gebaute Kraftwerk Rosenburg würde keinen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung und somit zur Energiewende liefern. Es ist aus Sicht der Naturschutzverbände außerdem absolut unverständlich, warum der Solarstrom-Nachzügler EVN nicht schon längst Kooperationen mit Handelsunternehmen eingegangen ist, um die vielen Dächer und Parkplätze von Shoppingcenters und Gewerbegebäuden mit Solarstromanlagen auszustatten.

Wer den Klimaschutz ernst nehme, folge einem Gesamtkonzept, das bei allen Verursachern von Treibhausgas-Emissionen ansetze, den Energieverbrauch senke und nur naturverträgliche Energiequellen fördere, so Gerhard Egger: "Einerseits das Verkehrswachstum mit überzogenen Straßenbauten immer noch weiter zu steigern und andererseits das vor Jahren als Flussheiligtum ausgerufene Kamptal an einer landschaftlich sehr sensiblen Stelle, dem Umlaufberg, schwerwiegend zu schädigen, macht die Energie- und Naturschutzpolitik des Landes völlig unglaubwürdig.“ Das Land Niederösterreich sei aufgerufen, "endlich sinnvollen Klimaschutz zu betreiben und das Europaschutzgebiet Kamptal ungeschmälert zu erhalten“.

(red)