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Kremsmüller: Überwundene Krise

Der oberösterreichische Familienbetrieb hat das Sanierungsverfahren abgeschlossen. 120 Mitarbeiter mussten gehen. Doch das Unternehmen zeigt sich nach überwundener Krise wieder positiv gestimmt.

Gregor Kremsmüller, CMO Kremsmüller Group

Die Geschichte von Kremsmüller beginnt 1961 mit Personaldienstleistungen für die Industrie. Ein damals völlig neues Geschäftsmodell, welches genau den Nerv der Zeit traf. In diesen ersten Jahren wurde von Karl Kremsmüller Pionierarbeit im Industrieanlagenbau geleistet. Die hochqualifizierten Schweißer, Schlosser und Mechaniker waren rasch bei allen namhaften Anlagenbau-Unternehmen gefragt. Aus diesem Grund waren die Experten von Kremsmüller bereits in den 60er Jahren praktisch rund um den Globus auf Baustellen anzutreffen.

Mit Beginn der 70er Jahre etablierte sich das Projektgeschäft im Anlagenbau. Der Schwerpunkt lag im Rohrleitungsbau und bei mechanischen Montageprojekten. Damals festigte sich die Positionierung als Premiumanbieter mit besonders hoher Kompetenz für Schweißarbeiten. Als zweite Säule zeigte sich bald die Vorreiterrolle in Sachen Arbeitssicherheit. Neue Erkenntnisse und Zertifizierungen im Anlagenbau wurden von Kremsmüller oft als eines der ersten Unternehmen der Branche umgesetzt.

Mitte der 90er Jahre wurde die Elektro-, Mess-, Steuer und Regeltechnik in das Portfolio aufgenommen. Der neue Bereich orientierte sich dabei an den bestehenden Leistungen im Anlagenbau und stellte von Beginn an eine logische Ergänzung dar. In nur wenigen Jahren gelang es, diesen Fachbereich in derselben Schlagkraft wie die Traditionsbereiche von Kremsmüller im Anlagenbau zu etablieren. Eine ähnliche Entwicklung hat die Apparatebau-Sparte hinter sich, die sich seit Beginn der 70er konsequent zum Präzisionsfertiger und Technologieanbieter für den Anlagenbau entwickelt hat.

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Im Juni 2020 hatten Kremsmüller Industrieanlagenbau KG und Kremsmüller Industrieservice KG als interner Dienstleister Insolvenz angemeldet. Ursache war ein aus dem Ruder gelaufener Auftrag. Dabei ging es um eine Klärschlamm-Trocknungsanlage für die Wien Energie. Das ursprüngliche Volumen von 22 Mio. Euro drohte sich auf 60 bis 65 Mio. Euro auszuweiten. Im Zuge des Sanierungsverfahrens wurde der Vertrag aufgelöst. Mitte Oktober hatten die Gläubiger die 25-prozentigen Sanierungspläne angenommen. 

Nachdem nun das Sanierungsverfahren abgeschossen ist, geht das Unternehmen positiv gestimmt in die Zukunft. Gregor Kremsmüller, CMO Kremsmüller Group, zur aktuellen Lage: 

„In den letzten Monaten konnten wir bei Neuprojekten Auftragseingänge im zweistelligen Millionenbetrag verbuchen. Das zeigt, dass wir in der Branche großes Vertrauen genießen. Aufgrund von zahlreichen, langfristigen Verträgen war zudem die Auslastung auch während des gesamten vergangenen Jahres sehr zufriedenstellend. Für 2021 ist in allen Fachbereichen eine Auslastung von rund acht Monaten fix verbucht. In einigen Bereichen der Gruppe ist sogar die gesamte Jahresauslastung bereits heute gesichert. Die für das turbulente Jahr 2020 getroffenen Prognosen wurden deutlich übertroffen, dies bestätigt die stabile Basis des Geschäftsmodells des Unternehmens. Alle drei Geschäftsbereiche Apparatebau, Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie Rohr- und Anlagenbau agieren erfolgreich. Wie gefragt die hochqualifizierten Fachkräfte von Kremsmüller sind, zeigt sich in vielen aktuellen Projekten“, sagt Gregor Kremsmüller. „Beispielsweise war auf einer Großbaustelle der ÖBB beim Kraftwerk Spullersee/Vorarlberg rasches und koordiniertes Handeln beim Schweißen einer Druckrohrleitung erforderlich. Kremsmüller ist dort seit Herbst mit einem Expertenteam tätig."

(red)

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