Kraftwerke für Saudi-Arabien: Ein schwieriger Milliardenauftrag

Saudi-Arabien vergibt einen 20 Milliarden Dollar schweren Auftrag für den Bau von Kraftwerken - den die angeschlagene Energiesparte von Siemens sehr gut brauchen könnte. Doch wegen des Falls Khashoggi zögert Konzernchef Joe Kaeser.

Der deutsche Industriekonzern Siemens zögert nach den Worten von Vorstandschef Joe Kaeser derzeit mit der Annahme eines milliardenschweren Kraftwerksauftrags aus Saudi-Arabien. "Es ist nichts unterzeichnet", sagte Kaeser dem "Handelsblatt".

Kaeser hatte im Herbst wochenlang gezögert, ob er wegen der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi einen Auftritt in Saudi-Arabien absagen sollte, um den lukrativen Auftrag nicht zu gefährden. "Im Moment sind wir diejenigen, die den Prozess aufhalten", sagte der Siemens-Chef der Zeitung.

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Beim Großauftrag in Ägypten wurden Transformatoren in Österreich produziert

Während Siemens gerade in seiner Kraftwerksparte in Deutschland und Österreich massive Einschnitte vornimmt, sind im Sommer 2018 in Ägypten drei riesige neue Gaskraftwerke in Betrieb gegangen (hier oben im Bild). Sie sind Teil des größten Einzelauftrags, den Siemens je bekam.

Mit dabei ist auch österreichische Transformator-Technik aus dem Werk von Siemens in Weiz in der Steiermark. Bereits früher sind in Ägypten einige Kraftwerkseinheiten mit Transformatortechnik aus Weiz in Betrieb gegangen: Siemens Weiz liefert 24 große Transformatoren. Ihre neue Heimat haben die per Schiff ins Nil-Land transportierten Trafos im Projekt "New Capital", in Burullus am Mittelmeer östlich von Alexandria sowie in Beni Suef am Nil, knapp 200 Kilometer südlich von Kairo. Dazu: Steirische Transformatoren stabilisieren die Stromnetze am Nil >>

Auftrag in Saudi-Arabien: "Abwägung von Werten gegen Interessen ist schwierig, wenn man für so viele Menschen verantwortlich ist"

Im Hinblick auf den Auftrag in Saudi-Arabien sagte Joe Kaeser jetzt, es gehe nicht nur um einen Auftragswert von vielleicht 20 Milliarden Dollar (17,6 Mrd. Euro), sondern auch um rund 10.000 Arbeitsplätze vor allem in Deutschland, sagte Kaeser. Siemens gehe es nicht um Profitgier. "Das Thema ist komplex, und die Abwägung von Werten gegen Interessen ist schwierig, wenn man für so viele Menschen verantwortlich ist."

Der regierungskritische Journalist Khashoggi war Anfang Oktober bei einem Besuch im Konsulat des Landes in Istanbul getötet worden. Daraufhin hatten zahlreiche Manager aus dem Ausland den Besuch einer Konferenz in Riad aus Protest abgesagt, letztlich auch Kaeser. Zu einer Konferenz des Staatskonzerns Saudi Aramco wenige Wochen später reiste er aber.

Siemens baut in Saudi-Arabien unter anderem an der U-Bahn in der Hauptstadt Riad. Der deutsche Konzern beschäftigt in dem Land 2.000 Menschen. (reuters/apa/red)

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