Logistik

Kräftiges Wachstum bei DB Schenker in Österreich

DB Schenker hat im Vorjahr in Österreich und Südosteuropa deutlich zugelegt. In Tirol legt der Logistikriese gerade zwei Standorte zu einem größeren neuen zusammen. In den Städten will das Unternehmen weniger auf Dieselfahrzeuge setzen.

Der Logistikriese DB Schenker, eine Tochter der Deutschen Bahn, ist 2017 in Österreich und Südosteuropa (SEE) deutlich gewachsen und hat operativ mehr verdient. In der Seefracht ist das Marktumfeld schwierig, dafür wird wieder mehr geflogen. 2018 will DB Schenker mehr investieren, 2019 kommt ein neues Logistikzentrum in Tirol.

Wachstum in Österreich geringer als anderswo

In Österreich, dem wichtigsten Markt der Schenker-Region, die 14 Länder und 80 Standorte umfasst, legte das Unternehmen vergleichsweise wenig zu. Der Umsatz erhöhte sich hierzulande um 3 Prozent auf 637 Mio. Euro - "obwohl die Konjunktur eigentlich erst im zweiten Halbjahr angezogen hat", erläuterte Finanzchef Michael Meyer am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Einzelne Länder in Südosteuropa wuchsen zweistellig.

Insgesamt erhöhte sich der Umsatz im SEE-Gebiet um 10,9 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro, das operative Ergebnis (EBIT) stieg um rund ein Viertel auf 50 Mio. Euro. Zum Gewinn äußerten sich Meyer und CEO Helmut Schweighofer nicht, da die Aufsichtsratssitzung erst im Mai stattfinde. Die Produktivität (Sendungen) verbesserte sich um 3 Prozent.

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Plus bei der Luftfracht, Stagnation bei Seefracht

Im größten Bereich, dem Landverkehr, stieg die Zahl der Sendungen in SEE um 2,5 Prozent auf 10,91 Millionen, davon entfielen 7,4 Millionen Sendungen (+5,6 Prozent) auf Österreich. Via Flugzeug transportierte DB Schenker 202.038 Sendungen, ein Plus von 13,2 Prozent. In Österreich wuchs die Luftfracht um mehr als ein Fünftel auf 92.829 Sendungen. Die Seefracht stagnierte hingegen bei 132.266 Sendungen, in Österreich gab es sogar einen Rückgang von 4,3 Prozent auf 41.854 Sendungen. Die Konsolidierung von Seefrachtreedereien macht DB Schenker und anderen Logistikern zu schaffen.

Stark gestiegen ist der Logistikumsatz, und zwar um knapp 23 Prozent auf 138 Mio. Euro in SEE bzw. um 14 Prozent auf 42 Mio. Euro in Österreich. Für DB Schenker ist das laut Meyer der kleinste Bereich. Die Tochter der Deutschen Bahn macht für Firmen wie Wein&Co das Lager, kommissioniert Bestellungen und versendet diese auch an Kunden und Shops.

Investitionen von Tschechien bis Istanbul

2017 hat der Konzern 20 Mio. Euro investiert, 2016 waren es 60 Mio. Euro gewesen. In Istanbul hat DB Schenker jetzt eine neue Landeszentrale für die Türkei, in Sofia wurde der Standort erweitert und in Bukarest ein neues Speditionsterminal errichtet.

Im Norden Tschechiens baute DB Schenker die Büros, den Umschlag und die Logistikflächen aus. Tschechien sei derzeit der Hotspot im Logistikbereich, so Schweighofer. "Da wachsen wir über Markt und es gibt am Markt sehr viel Bedarf." Das "Who is Who" der internationalen Unternehmen sei in Tschechien.

Großer neuer Standort in Tirol

Heuer will DB Schenker 40 Mio. Euro investieren, in Ried im Innkreis sollen Büros und Lager erweitert, in Hörsching und Vorarlberg um rund 16 Mio. Euro bestehende Mietflächen gekauft werden. In Österreich möchte DB Schenker einige der 12 Geschäftsstellen "von administrativen Aufgaben befreien" und diese an einzelnen Standorten bündeln.

In Tirol baut DB Schenker wie bereits im März angekündigt um 33 Mio. Euro ein neues Logistikzentrum in Vomperbach, dafür werden die Niederlassungen Kufstein und Innsbruck geschlossen. Das neue Zentrum "kommt 2019", sagte Schweighofer. Zwei Standorte in Tirol hätten "über viele Jahrzehnte Sinn gemacht", jetzt nicht mehr.

Schwierigkeiten mit dem Schienennetz in Südosteuropa

In Südosteuropa macht DB Schenker seit Jahren die schlechte Infrastruktur auf der Schiene zu schaffen, wenngleich man in der Region auf der Schiene "traditionell sehr stark" sei. In Österreich bewegte der Konzern voriges Jahr 27.000 Waggons und 870.000 Bruttotonnen auf der Schiene, so der Finanzvorstand.

Piräus: Griechischer Hafen in chinesischer Hand

Der Hafen von Piräus habe für DB Schenker einen "hohen Stellenwert", je nach Wettbewerbslage sei man dort größter Anbieter, der (asiatische) Produkte in Zügen nach Westeuropa bringt. Gefragt zur von China forcierten neuen Seidenstraße, auf der die ÖBB kürzlich ihren ersten Güterzug nach Österreich geschickt hat, sagte Schweighofer, das sei "nicht ganz neu".

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Die Deutsche Bahn fahre schon seit langer Zeit von China nach Westeuropa, wobei sich das Produkt weiterentwickelt habe. DB Schenker bietet dort auch LCL (Less than a Container Load) an. Das sind Sendungen, die den Container nicht ganz ausfüllen. DB Schenker "stellt im kleineren Bereich gemischte Container von verschiedenen Absendern bzw. Empfängern nach China bereit", erläuterte Schweighofer.

Das LCL-Produkt sei für Importeure und Exporteure sehr attraktiv, es ist nicht so teuer wie Luftfracht und braucht nicht so lange wie auf dem Seeweg, nämlich nur 15 bis 16 Tage statt 24 bis 35 Tage. Grundsätzlich werde aber aufgrund der guten Wirtschaftsentwicklung wieder mehr geflogen - "wenn neue Mode und neue Themen auf den Markt kommen", so Schweighofer. Das Wachstum von DB Schenker in der Luft sei Großgeschäften zu verdanken, Wien habe eine wichtige Drehscheibenfunktion.

Von der heimischen Verkehrspolitik wünscht sich der DB-Schenker-Chef Förderungen für alternative Antriebe, vor allem für kleinere Anbieter wären Anreize wichtig. Im urbanen Bereich "müssen wir vom Diesel weg". (APA/red)