Beleuchtungsindustrie

Konzernchef Felder: So soll Zumtobel neu durchstarten

Mit Alfred Felder als neuem Chef und einer kleineren Führungsmannschaft will der Vorarlberger Leuchtenhersteller die Probleme der vergangenen Monate hinter sich lassen. Zur oberen Managementebene zählen in Zukunft zehn bis zwölf Personen, statt wie zuletzt 45.

Der börsenotierte Vorarlberger Leuchtenkonzern Zumtobel will mit stark verschlankter Managementstruktur neu durchstarten. Die erste Managementebene wird künftig lediglich zehn bis zwölf anstatt wie zuletzt 45 Personen umfassen, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Alfred Felder im Interview mit der Austria Presse Agentur. Bis Juni will Felder die neue Geschäftsstrategie im Detail vorlegen.

Zwei Gewinnwarnungen in drei Quartalen

Das Geschäft des renommierten Leuchtenkonzerns sei zuletzt "holprig" gelaufen, so Felder. Beleg dafür waren zwei Gewinnwarnungen in den vergangenen drei Quartalen. Für das Gesamtjahr 2017/18 (per 30. April) wird bei einem Umsatzrückgang von 8 Prozent noch ein operatives Ergebnis (bereinigtes EBIT) von 15 bis 25 Mio. Euro angestrebt.

Der 54-jährige Felder, der die CEO-Agenden am 1. Februar von Ulrich Schumacher übernommen hat, hat nach seinen ersten fünf Wochen als Chef des Konzerns, dem der Doktor der Elektrotechnik seit 2012 angehört, erste Veränderungen in Angriff genommen.

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Erster Schritt: Geschäft stabilisieren

In einem ersten Schritt gehe es nun darum, das Geschäft zu stabilisieren, Ruhe in das Unternehmen zu bringen und die Kundenausrichtung besser zu leben. "Wir arbeiten sowohl an der Ankurbelung des Umsatzes als auch an der Kostenseite", sagte Felder. Dazu gehört auch, "dass wir uns auf der Managementebene deutlich schlanker aufstellen werden als in der Vergangenheit". Zuletzt habe es 45 Manager in direkter Reporting-Linie zum Vorstand gegeben - viel zu komplex und zu teuer. "Wir wurden ineffizient und langsam in der Entscheidungsfindung", stellte Felder fest.

Kleinere Führungsebene

So soll es neben dem Vorstand - bestehend aus Alfred Felder, COO Bernard Motzko (seit 1. Februar) und CFO Thomas Tschol (ab 1. April) - nur noch zehn bis zwölf Leute auf der ersten Managementebene geben. Die Betroffenen müssen in die zweite Reihe zurücktreten, bestimmte Funktionen wird es laut Felder auch nicht mehr geben: "Ein Dutzend Gespräche wurde schon geführt", so Felder. Die "Gesundschrumpfung" soll bis Ende März in die Wege geleitet bzw. abgeschlossen sein.

Eile sei geboten, weil die neue Mannschaft schließlich die nächste Phase einleiten und Antwort auf die Frage "Wie stellen wir uns auf?" geben müsse. Dabei werde man alles genau unter die Lupe nehmen - die Märkte, die Geschäftsfelder, die Investitionen. Im Juni soll ein diesbezüglicher Plan vorliegen, "das erwarten auch die Analysten", sagte Felder. Er betonte allerdings auch, dass die Verschlankung auf der Managementebene nicht mit einer Personalreduzierung auf unterer Ebene einhergehen werde, im Gegenteil: In Bereichen, in denen man noch näher am Kunden sein, Umsatz generieren und Potenziale heben könne, werde man "eher noch Leute aufbauen", so der Geschäftsführer.

Umbrüche in der Beleuchtungsindustrie

Wie viele andere Branchen befinde sich die Beleuchtungsindustrie in einer disruptiven Phase. "Es geht nicht mehr nur um Hardware, die produziert wird, sondern um eine Lichtlösung", erklärte Felder. Das Geschäft erlebe eine sehr starke Verzahnung mit der Software-Programmierung. "Es ist der Wechsel von einer alten zu einer neuen Lichtquelle", sprach Felder die LED-Technik an. Der LED-Anteil am Gesamtgeschäft liegt bei Zumtobel bei mittlerweile über 80 Prozent, 2012 waren es noch 12 Prozent gewesen.

Der Markt werde auch in nächster Zeit nicht explodieren, Felder hält es aber für realistisch, "ein Geschäft zu generieren, das nachhaltig vernünftige Margen im hohen einstelligen Bereich bringt". Die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat - unter Schumacher hatte es diesbezüglich zuletzt einige Turbulenzen gegeben - bezeichnete Felder als sehr kooperativ. "Wenn die Zahlen wieder stimmen, ist das Schnee von gestern", blickte Felder in die Zukunft, auch in die eigene. Sein Vertrag laufe zwar nur bis 30. April 2019, "ich werde es dem Aufsichtsrat aber schwer machen, jemand anderen zu suchen", gab er sich optimistisch.

Dass in der jüngeren Vergangenheit die Zahlen nicht den Erwartungen entsprachen, führte Felder sowohl auf Marktgegebenheiten als auch auf interne Gründe zurück. In Bezug auf die Märkte sagte Felder, dass nicht die Anzahl der verkauften Lichtpunkte das Problem sei - diesbezüglich liege man gut. Durch die Preiserosion im Bereich der LED-Technik müsse man aber wesentlich mehr Lichtpunkte auf den Markt bringen, um dieselben Umsätze zu erzielen wie früher.

Das Problem namens Brexit

Zudem haben die Brexit-Diskussion und die damit einhergehende Schwäche des Pfunds Zumtobel fast ein Viertel des Umsatzes auf der Insel gekostet. "Da wurden wir kalt erwischt", so Felder. Das im Jahr 2000 von Zumtobel übernommene Lichtunternehmen Thorn - neben Zumtobel die zweite große Marke im Leuchtensegment des Konzerns - stammt aus Großbritannien.

"In ein paar Quartalen schauen die Zahlen wieder deutlich besser aus"

Der neue Zumtobel-CEO räumte aber auch ein, dass intern Themen nicht richtig angegangen worden seien. Bei der Zusammenführung von Standorten in eine zentrale Lagerhalle in Memmingen (Bayern) habe man Prozesse nicht richtig im Griff gehabt, große Anlaufschwierigkeiten seien die Folge gewesen. "Da haben wir uns nicht sehr kundenorientiert verhalten", so Felder.

Wenn es gelinge, die internen Probleme zu lösen, "schauen die Zahlen in ein paar Quartalen wieder deutlich besser aus." (apa/red)

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