Anger Machining

Win-win-Situation

Für ausländische Maschinenbauer war in Japan lange nichts zu holen. Jetzt zog der oberösterreichische Hersteller Anger einen Auftrag der Nissan-Tochter Jatco an Land.

Von
Maschinenbau Anger Machining Dietmar Bahn

Anger-Bericht in Japans auflagenstärkster Industriezeitung Nikkan Kōgyō Shimbun vom Februar: Getitelt wird mit „Markterweiterung für einzigartige Werkzeugmaschinen.“

In einer ewigen Außenseiterrolle wähnen sich ausländische Lieferanten bei Verhandlungen mit den Japanern seit jeher. Immer noch geben in Japans Industrien Keiretsu, mächtige lokale Unternehmenszusammenschlüsse, den Ton an. Und mit Sympathie, in Europa oft Wegbereiter für lukrative Deals, lässt sich in Japan wenig punkten, weil es im japanischen Geschäftsleben „auf andere Charaktermerkmale ankommt“, wie Martin Glanz, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Tokio, erzählt. Solche, die Dietmar Bahn, der über seine 50-Prozent-Beteiligung an der mbi-group Beteiligungs GmbH (wie auch Anger-Co-Geschäftsführer Klaus Dirnberger, Anm.) neben Anteilen an Anger auch solche am Kärntner Mehrspindelkopfhersteller Hellmerich hält, offenbar nicht vermissen ließ.

Eine der Tugenden des 49-jährigen Wirtschaftswissenschaftlers: Beharrlichkeit. Die zeigte die Anger-Führung auch, als es im Vorjahr darum ging, ihre Anger-Anteile von 51 auf 100 Prozent aufzustocken. Und auch zuletzt beim Schritt nach Japan nicht. Im Gespräch charakterisiert Bahn die Aufgabenteilung des Gespanns Dirnberger-Bahn: Klaus Dirnberger, 54, sei jener Vollprofi, der sich bei Anger „voll und ganz dem operativen Geschäft“ widme. „Mich zieht es dagegen mehr in neue Märkte“, sagt Bahn. Kaum ein Monat verging zuletzt, in dem er nicht solche bereiste. Was ihm in Fernost gelang: Er vermittelte den Japanern das ehrliche Gefühl, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Wirtschaftsdelegierter Martin Glanz bestätigt, dass Firmen fast nur so in Japan punkten könnten: „Japaner sind immer an einer Win-win-Situation interessiert.“

Markt spielt mit

Für die Oberösterreicher ist der Abschluss spektakulär. Anger deckt mit dem mehrere Millionen Euro schweren Jatco-Auftrag rund acht Prozent des jährlichen Importvolumens Japans im Segment Bearbeitungszentren, Bohren, Fräsen und Gewinden ab. Österreich wird so mit einem Schlag zum viertgrößten Maschinenimporteur Japans. Erst wenige Maschinenbauer – darunter der auf Schienentechnik spezialisierte Hersteller Linsinger aus Steyrermühl – haben den Markteintritt geschafft. Für Anger ist es wohl erst der Anfang: „Es werden Folgeaufträge kommen“, ist Anger-Machining-Chef Dietmar Bahn überzeugt.

Denn die Ausgangssituation für Dietmar Bahn und Klaus Dirnberger, die ab 2006 über die MBI Maschinenbau Investment GmbH (heute: mbi-group Beteiligung GmbH, Anm.) nach und nach die Mehrheit bei Anger übernahmen, ist denkbar gut. Automatikgetriebe-Pkw mit acht bis zehn Gängen erleben auf europäischen und amerikanischen Straßen einen Boom. Chrysler etwa stattet Fahrzeuge mit Acht- oder Neunganggetriebe aus. Die Technologie stammt vom deutschen Marktführer ZF Friedrichshafen. Bei Ford und GM nicht anders – dort stehen Neun- und Zehnganggetriebe hoch im Kurs. Weil der Trend zu sprit- und CO2-sparenden Komfortfahrzeugen anhält, müssen auch die Japaner auf dem US-Markt mit vergleichbaren Aggregaten nachschieben. Für deren Herstellung hat sich Anger – Lieferant von ZF, Daimler, VW und Chrysler – einen tadellosen Ruf erworben. Die Transferzentren sind für die kurzen Schaltzeiten solcher Getriebetypen wie geschaffen – der Hersteller verspricht höchste Fertigungsqualität.

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