Automobilzulieferindustrie

Knorr-Bremse: Eskaliert der Streit mit Bosch?

Der Autozulieferer Bosch wirft Knorr-Bremse vor, ihm absprachewidrig bei Lenksystemen für Lkw Konkurrenz zu machen, und will deshalb aus dem gemeinsam betriebenen Nutzfahrzeugbremsen-Geschäft in Europa aussteigen, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht.

Knorr-Bremse Headquater in München: Müsste das Unternehmen die 20-Prozent-Beteiligung, die Bosch an der Tochter Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH (SfN) und an einer gemeinsamen Firma im Japan hält, für 380 Millionen Euro zurückkaufen?

Kurz von Knorr-Bremse (das Unternehmen beschäftigt in Österreich an zwei Standorten fast 1000 Mitarbeiter) eskaliert ein Streit mit dem langjährigen Partner Bosch. Der Stuttgarter Autozulieferer wirft Knorr-Bremse vor, ihm absprachewidrig bei Lenksystemen für Lkw Konkurrenz zu machen, und will deshalb aus dem gemeinsam betriebenen Nutzfahrzeugbremsen-Geschäft in Europa aussteigen, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht.

Knorr-Bremse müsste die 20-Prozent-Beteiligung, die Bosch an der Tochter Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH (SfN) und an einer gemeinsamen Firma im Japan hält, dann nach dem Vertrag für 380 Millionen Euro zurückkaufen. Der Börsenkandidat bestreitet aber, dass Bosch das Recht hat, die Verkaufsoption zu ziehen.

Eine Bosch-Sprecherin bestätigte am Samstag indirekt den Streit mit Knorr-Bremse: "Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung hat Bosch sich entschieden, diese Beteiligung grundsätzlich zu überprüfen." Zu Einzelheiten äußerte sie sich nicht.

White Paper zum Thema

Bosch hatte sein Geschäft mit Lkw-Bremsen 1999 an Knorr-Bremse abgegeben und war im Gegenzug bei der SfN eingestiegen, in der der Münchner Konzern sein Europa-Geschäft gebündelt hat. In Europa erwirtschaftet Knorr-Bremse rund die Hälfte seines Umsatzes, knapp die Hälfte davon mit Nutzfahrzeugen. Vor zwei Jahren hatte Knorr-Bremse tedrive gekauft, einen Hersteller von Lkw-Lenksystemen aus Wülfrath. Die Produktion von Lenkungen, wie sie auch die Bosch Lenksysteme in Schwäbisch Gmünd herstellt, ist auch Teil einer Absichtserklärung von Knorr-Bremse mit der chinesischen FAW Jiefang vom Februar.

Das missfiel Bosch, weil der Knorr-Bremse-Partner damit die Vereinbarung verletzt sieht, sich in bestimmten Geschäftsfeldern keine Konkurrenz zu machen. Laut dem am Freitagabend veröffentlichten Börsenprospekt zog Bosch deshalb im Sommer die Verkaufsoption und kündigte ein Rahmen-Lizenzabkommen mit Knorr-Bremse. Vor zwei Wochen - genau an dem Tag, an dem Knorr-Bremse seine Börsenpläne öffentlich machte - leiteten die Stuttgarter ein Schiedsgerichtsverfahren ein. Damit soll Knorr-Bremse zum Rückkauf der Anteile gezwungen werden und dazu, Bosch auch nach dem Ausstieg bei Lenksystemen drei Jahre lang keine Konkurrenz zu machen.

"Wir werden uns entschlossen gegen solche Forderungen zur Wehr setzen", heißt es im Prospekt. Knorr-Bremse wirft Bosch im Gegenzug vor, selbst Fahrerassistenzsysteme für Lkw entwickelt zu haben, obwohl die SfN diese bereits baue. Zum Jahresende will Bosch nach einem Streit um die Preise auch die Belieferung von Knorr-Bremse mit bestimmten Elektronik-Steuerungen einstellen.

Am Montag beginnt die Zeichnungsfrist für den Börsengang von Knorr-Bremse. Gleichzeitig stellt Vorstandschef Klaus Deller den Konzern dann bei Investoren vor. Eigentümer Heinz Hermann Thiele will mit dem Verkauf von bis zu 30 Prozent der Anteile maximal 4,2 Milliarden Euro einnehmen. Das Traditionsunternehmen käme damit auf einen Börsenwert von 11,6 bis 14 Milliarden Euro. Der Thomson-Reuters-Informationsdienst IFR berichtete, die ersten indikativen Gebote potenzieller Aktienkäufer pendelten sich in der Mitte der Preisspanne ein, die von 72 bis 87 Euro reicht. Es zeichne sich bereits ab, dass die Orderbücher gefüllt seien. Das Börsendebüt ist für den 12. Oktober geplant.

Platziert werden sollen nur Aktien aus dem Besitz von Mehrheitsaktionär Heinz Hermann Thiele und seiner Familie, wie Knorr-Bremse mitteilte. Dem Unternehmen selbst fließt damit kein Geld zu. Der 77-jährige Thiele will mit dem Börsengang sein Erbe regeln. Er will zunächst aber zusammen mit seiner Tochter die Mehrheit behalten. Insidern zufolge könnten 25 bis 30 Prozent der Knorr-Bremse-Anteile verkauft werden. Mit mehr als drei Milliarden Euro wäre die Emission, die in den nächsten vier Wochen über die Bühne gehen dürfte, dann einer der größten in Deutschland in diesem Jahr.

https://youtu.be/OF7ml9cN1H4 Imagevideo: Knorr-Bremse vor dem Börsegang

Verwandte tecfindr-Einträge