Verkehr

Klimawandel schlägt direkt auf Österreichs Zapfsäulen durch

Spritpreise in Österreich steigen stark. Diesel ist fast schon so teuer wie Benzin. Wichtigste Ursache derzeit sind Donau und Rhein, die so wenig Wasser führen wie nie - verursacht vom Klimawandel, der wiederum durch die Verbrennung fossiler Energieträger entstanden ist.

Die hohen Preise für Benzin und Diesel sind derzeit auch in Österreich vor allem durch tiefe Pegelstände am Rhein, Main und an der Donau in Deutschland bedingt. Obwohl die Ölpreise seit ihrem Jahreshoch vor einem Monat wieder gefallen sind, merken Kunden an den Zapfsäulen daher wenig.

In normalen Zeiten können sich die Autofahrer darauf verlassen, dass die Preise von Benzin, Diesel und Heizöl ungefähr mit dem Preis für Rohöl und dem Dollar schwanken - einmal etwas mehr, einmal etwas weniger.

Klimawandel als stärkster Treiber

In diesem Herbst aber kommen Entlastungen an den Märkten bei den Autofahrern nicht an. Grund ist die Trockenheit, die seit dem Frühjahr die Pegelstände der Flüsse immer tiefer sinken ließ. Auch der Oktober war großräumig zu trocken; es fielen nur halb so viele Niederschläge wie im langjährigen Mittel.

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Diesel schon fast so teuer wie Benzin

Diesel ist in Österreich derzeit zum Teil gleich teuer wie Benzin. Laut "Kronenzeitung" bekommen Tankstellenpächter, die keine fixen Lieferverträge mit Mineralölkonzernen haben, sondern auf dem freien Markt zukaufen, derzeit zu wenig Ware. Vertragspartner würden hingegen weiter voll beliefert, versichere die OMV.

Donau: Tiefster Stand seit Beginn der Aufzeichnungen

Ende Oktober haben die Pegel an der Donau ein historisches Rekordtief erreicht, wie ORF Niederösterreich hier berichtet  Demnach haben Behörden in Aggstein im Bezirk Melk einen Pegel von 116 Zentimetern gemessen. So wenig Wasser gab es in der Donau überhaupt noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Ähnlich ist die Situation an anderen großen Flüssen in Österreich.

"In so einem Ausmaß hab ich das noch nicht erlebt"

Das hat massive Auswirkungen auf den Güterverkehr und Wasserkraftwerke. Es fließe beim Wasserkraftwerk in Altenwörth im Bezirk Tulln derzeit nur halb so viel Wasser durch die Turbinen wie sonst, meinte im Oktober Werksgruppenleiter Heinz-Peter Allmer gegenüber dem ORF: „Niedrigwasser gibt es immer wieder, aber dieses hält nun schon sehr lang an. In so einem Ausmaß hab ich das noch nicht erlebt.“

Rhein und Donau sehr wichtige Versorgungsstraßen

Der Rhein und seine Nebenflüsse spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung mit Öl - Deutschlands wie Österreichs. Derzeit können die Schiffe wegen der niedrigen Wasserstände auf den Flüssen nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin, Diesel und Heizöl transportieren wie gewohnt. Ersatz zu schaffen auf Schiene und Straße ist wegen knapper Kapazitäten schwierig und teuer. Die Produkte kommen daher nicht zum Kunden oder allenfalls zu deutlich höheren Preisen.

Österreich importiert pro Jahr 2,7 Millionen Tonnen Diesel aus Deutschland

Österreich importiert laut Daten des Fachverbands der Mineralölindustrie rund 4 Millionen Tonnen Diesel aus dem Ausland, gut zwei Drittel (knapp 2,7 Mio. Tonnen) davon aus Deutschland. Die fertigen Produkte werden mit Binnenschiffen in Tanklager an den Flüssen transportiert und dann mit Bahn und Lkw zu den Konsumenten.

Auswirkungen auch auf Stahlhersteller und Chemieindustrie

In Deutschland hat das fehlende Wasser in den Flüssen bereits große Auswirkungen auf die Produktion in der Stahlindustrie und Schwerindustrie:

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Vorerst keine Entwarnung in Sicht

Die Mineralölbranche gibt noch keine Entwarnung: "Wir können nicht sagen, wann sich die Situation entspannt", sagte ein MWV-Sprecher in Berlin. Auch bei Regen steigen die Pegel der Flüsse nur langsam. So lange die Probleme in der Lieferkette anhalten, müssen Autofahrer dafür bezahlen.

(red mit dpa/apa)

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