Hintergrund

Klar definiert: "Handelskonflikt" ist kein "Handelskrieg"

Was genau ist ein "Handelskonflikt" und ab wann spricht man von einem "Handelskrieg"? Zu viele Teilnehmer der aktuellen Debatte scheinen das nicht zu wissen. Hier eine kurze Klärung der Begriffe.

Mit dem Einsatz von Waffen hat der aktuelle Konflikt zwischen den USA und China über Exportüberschüsse und wechselseitige Handelshemmnisse zum Glück nichts zu tun. Trotzdem wirft die erneute Eskalation immer stärker die Frage auf, ob sich die beiden Wirtschaftsschwergewichte inzwischen in einem Handelskrieg befinden.

Viele Scharmützel werden heute zu einem "Krieg" erklärt

Als solcher wird üblicherweise ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Ländern bezeichnet, bei dem diese ihre eigene Volkswirtschaft durch aggressive politische Maßnahmen besser als die des anderen stellen wollen - und sich ein Teufelskreis aus Vergeltungsmaßnahmen entspinnt. Für diese Faktoren gibt es im Handelsstreit zwischen der US-Regierung von Präsident Donald Trump und der Führung in Peking durchaus Anzeichen.

Fachleute wie Oliver Holtemöller, Vize-Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), weisen allerdings darauf hin, dass es sich beim "Handelskrieg" nicht um einen wirtschaftspolitischen Fachbegriff, sondern vielmehr um die Bewertung einer Entwicklung handelt.

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"Es existiert keine Definition eines Handelskrieges", sagt auch Gabriel Felbermayr, Direktor des Ifo-Außenwirtschaftsinstituts. Der Begriff sei schon für Vorgänge benutzt worden, "die bestenfalls den Charakter von Scharmützeln hatten". Als Beispiel hierfür nennt Felbermayr den "Bananenkrieg" zwischen der EU und den USA zwischen 1993 und 2009. Dabei hatte Washington den Europäern vorgeworfen, bei Bananenimporten afrikanische, karibische und pazifische Länder bevorzugt zu behandeln - zulasten von US-Fruchtkonzernen.

Ab hier wird ein "Handelskonflikt" zum "Handelskrieg"

Grundsätzlich werde aus einem Handelskonflikt ein Handelskrieg, "wenn ein Land mit Importzöllen in die Vorlage geht, und das andere mit Gegenzöllen reagiert", sagt der Ifo-Außenwirtschaftsexperte. Dabei dürfe allerdings nicht außer Acht gelassen werden, wie hoch das betroffene Handelsvolumen sei. "Daher würde ich sagen: Der Streit um die Stahlzölle zwischen EU und USA ist noch kein Handelskrieg, aber wenn der Konflikt sich auf die Automobilbranche ausdehnt, dann wäre es wohl so weit."

Auch im Falle von China ist es also eine Frage der subjektiven Bewertung, ob es sich um einen "Handelskonflikt" oder einen "Handelskrieg" handelt.

Trump selbst hat die martialischere Variante übrigens wiederholt verwendet. So schrieb er etwa Anfang März nach scharfer Kritik an seiner Ankündigung der inzwischen eingeführten Strafzölle auf Stahl und Aluminium bei Twitter, Handelskriege seien "gut und leicht zu gewinnen", wenn ein Land im Handel mit praktisch jedem anderen Land Milliarden Dollar verliere. Mit China befänden sich die USA indes nicht in einem Handelskrieg, schrieb er einen Monat später. Den "Handelskrieg mit China" hätten die USA schon vor Jahren verloren. (AFP/apa/red)