Interview

„Keine Zeit für Vereine“

Gerhard Roiss, Vorstandsvorsitzender der OMV AG und Nummer Eins im Ranking der mächtigsten Industriemanager, über sein Verhältnis zu beruflichen Beziehungen und die Trennung von Geschäft und Freundschaft.

Gerhard Roiss OMV Manager-Ranking Mineralölindustrie

Gerhard Roiss

INDUSTRIEMAGAZIN: Welche Bedeutung hat das Knüpfen und Pflegen von Netzwerken für Sie?

Gerhard Roiss: Die OMV ist von Neuseeland bis Norwegen engagiert – also sind die internationale Vernetzung und eine entsprechende Kommunikationsbasis für mich natürlich sehr wichtig. Da ich bei meiner Arbeit sehr auf das Unternehmen und den unternehmerischen Erfolg fokussiert bin, steht für mich im Vordergrund, dass Netzwerke einen Beitrag zum Fortkommen der OMV leisten. Wenn es ums Berufliche geht und dafür persönliche Treffen nötig sind, dann mache ich das sehr gerne – und die Vertrauensbasis mit vielen interessanten, internationalen Persönlichkeiten schätze ich wirklich sehr.

Wenn man davon ausgeht, dass ein Netzwerk-Portfolio idealerweise „schnelle“ Beziehungen – etwa über Medien und Events – und „langsame“ Beziehungen – etwa über Verbände und Vereine – umfasst: Wo sehen Sie da Ihre persönlichen Stärken? In welchem Bereich fühlen Sie sich wohler?

Roiss: Natürlich hat beides seine Bedeutung. Gerade die Interaktion mit dem schnellen Netzwerk der Medien ist mir ein großes Anliegen: Der Umgang mit guten, engagierten Journalisten zum Beispiel bedeutet für mich auch Sparring auf hohem Niveau.

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In den „langsamen“ Bereichen sind Sie also weniger stark vernetzt?

Roiss: Ganz ehrlich: Für die klassischen Verbände und Vereine bleibt mir einfach zu wenig Zeit. Ich verbringe einen Großteil meiner Arbeitswoche im Ausland. Und die Zeit, die mir sonst zu Verfügung steht, gehört den Mitarbeitern – und natürlich der Familie.

Ihre Position bringt wohl mit sich, dass Sie sich immer wieder in Netzwerken bewegen, denen Sie kein persönliches Interesse entgegenbringen. Wie gehen Sie damit um?

Roiss: Wir sind international in vielen Ländern tätig, und das verlangt eine besonders hohe Effizienz. Netzwerke spielen für mich immer dann eine Rolle, wenn sie etwas mit dem Unternehmen oder dem Energiesektor zu tun haben. Wichtig ist für mich aber die strikte Trennung von Geschäft und Freundschaft.

Und wie gehen Sie vice versa damit um, dass Sie im beruflichen Umfeld häufig aufgrund Ihrer Position „begehrt“ sind, ohne persönlich gemeint zu sein?

Roiss: Damit kann ich sehr gut leben. Es geht bei der OMV um ein Unternehmen mit 29.000 Mitarbeitern, für die wir im Management Verantwortung tragen. Wenn die Vernetzung dem Unternehmen nützt, genügt mir das.

Betreiben Sie das Knüpfen von Netzwerken intuitiv oder planen Sie es?

Roiss: Lassen Sie es mich so ausdrücken: Gerade internationale Netzwerke sind nicht intuitiv planbar.