Automobilindustrie

Kein gesetzliches Verbot von Verbrennungsmotoren

Die deutsche Autoindustrie stemmt sich gegen ein gesetzliches Verbot von Verbrennungsmotoren in Europa im kommenden Jahrzehnt.

Das werde Innovationen abwürgen, Verbrauchern die Wahlfreiheit nehmen und Arbeitsplätze in der Autoindustrie gefährden, warnte die Chefin des Automobilverbandes VDA, Hildegard Müller. Für den 14. Juli hat die EU Gesetzesvorschläge zum Klimaschutz angekündigt.

Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) setzt sich EU-Umweltkommissar Frans Timmermanns für schärfere CO2-Grenzwerte für Neuwagen ein: Bis 2030 müssten sie von derzeit durchschnittlich 95 Gramm/Kilometer um 60 Prozent sinken und bis 2035 um 100 Prozent. Das wäre das Ende des Verbrennungsmotors und würde auch das Aus von Hybridantrieben bedeuten, die für die deutschen Premium-Autobauer Audi, BMW und Daimler als Übergangstechnologie wichtig sind.

Die Autoindustrie bekenne sich zum EU-Ziel der CO2-neutralen Wirtschaft bis 2050 und packe die Umstellung auf Elektroautos mit Investitionen von rund 150 Milliarden Euro bis 2025 an, sagte Müller. Doch gelte es, bei den konkreten Vorschriften dazu eine Balance von Ökologie, Ökonomie und Sozialverträglichkeit zu wahren. Da für Verbrennungsmotoren viel mehr Arbeitskräfte als für Batterieantriebe gebraucht werden, steckt die wichtigste deutsche Industrie schon mitten in einem Umbruch, der Arbeitsplätze kosten wird. Unternehmen und die Gewerkschaft IG Metall fordern deshalb, genug Zeit für den Wandel zu bekommen.

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Kaum Stromtankmöglichkeiten

Der VDA verlangte einmal mehr von der Politik, den Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos voranzutreiben. Die zu geringe Dichte an Stromtankmöglichkeiten sei das größte Hemmnis für Verbraucher, auf emissionsfreie Autos umzusteigen. In Deutschland müsste bis 2030 mehr als eine Million Ladepunkte bereitstehen, bisher seien es erst gut 40.000. Europaweit würden mindestens sechs Millionen gebraucht. "Wenn diese Ausbauziele nicht erreicht werden, können auch ehrgeizige Flottengrenzwerte nicht erreicht werden", sagte Müller. Die EU-Staaten müssten dazu verpflichtet werden, den Ausbau zu unterstützen. Bisher ballten sich knapp 70 Prozent der Stromzapfstellen auf Deutschland, Frankreich und die Niederlande. In vielen anderen EU-Ländern ist das Ladestellennetz also noch viel löchriger.

Der Automobilverband VDA rechnet wegen der Produktionsprobleme durch den Chip-Mangel in der Autoindustrie mit weniger Wachstum beim Pkw-Absatz in Deutschland. Es sei mittlerweile von nur noch drei Prozent Plus auf drei Millionen Fahrzeuge auszugehen, sagte die VDA-Chefin. Das liege aber nicht an schwacher Nachfrage, sondern dem unzureichenden Angebot. Zuvor war die Branche von acht Prozent Zuwachs auf 3,15 Millionen Einheiten ausgegangen, nachdem der Automarkt im vergangenen Jahr wegen der Coronakrise eingebrochen war. Der VDA hatte in dieser Woche bereits die Produktionsprognose wegen der Lieferengpässe bei Halbleitern deutlich gesenkt. Nach Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz erklärte auch BMW, dass die Produktion unter dem globalen Lieferengpass bei Halbleitern stockt und das im zweiten Halbjahr auch den Absatz treffen kann.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte, deshalb werde sich das Wachstum der Neuzulassungen im zweiten Halbjahr auf sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum abschwächen nach 15 Prozent im ersten Halbjahr. Sein CAR-Center Automotive Research prognostiziert 3,2 Millionen Neuwagenverkäufe. Ohne die Chip-Krise wären es 150.000 Autos mehr. (apa/red)