Leuchtmittelindustrie

Kehrtwende: Osram gibt Widerstand gegen AMS auf

Nach monatelanger Abwehrhaltung ist in der Konzernführung von Osram plötzlich von einem "attraktiven Angebot für Aktionäre, Mitarbeiter und das Unternehmen als Ganzes" die Rede. Brigitte Ederer, die frühere Personalchefin von Siemens, soll AMS als "neutrale Schiedsrichterin" über die Schulter schauen.

Kehrtwende bei Osram: Die Führung des deutschen Lichttechnik-Konzerns gibt ihren Widerstand gegen die Übernahme durch den steirischen Chip- und Sensorhersteller AMS auf. Vorstandschef Olaf Berlien sprach in München von einem "attraktiven Angebot für unsere Aktionäre, für die Mitarbeiter und für das Unternehmen als Ganzes". AMS hatte Zugeständnisse gemacht und den Osram-Vorstand damit auf seine Seite gezogen.

Konzernführung von Osram empfiehlt Annahme des Milliardengebots

Vorstand und Aufsichtsrat von Osram empfehlen den Aktionären nun, das 4,6 Mrd. Euro schwere Angebot anzunehmen. Die von AMS gebotenen 41 Euro je Aktie seien fair. Berlien hatte bereits vergangene Woche versöhnliche Signale ausgesandt.

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Vertreter der Mitarbeiter: Zusagen von AMS sind wertlos

"Am wichtigsten ist, dass die Mitarbeiter an deutschen Standorten bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt sind", sagte Berlien. Diese Zusage sei wertlos, kritisierten die Arbeitnehmervertreter im Osram-Aufsichtsrat, die sich gegen die Übernahme aussprachen. Laut IG Metall will der Konzern unabhängig davon in Deutschland weitere 800 Arbeitsplätze streichen.

Brigitte Ederer soll Einhaltung von Vereinbarungen kontrollieren

Die ehemalige Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer soll als "neutrale Schiedsrichterin" sicherstellen, dass AMS sich an die Vereinbarungen hält. Die Arbeitnehmervertreter kann das nicht besänftigen: Ihre fünf Mitglieder im Aufsichtsrat bezeichneten in einem Sondervotum die Verbesserungen gegenüber dem ersten Angebot als "geringfügig". Sicherheit für die Belegschaft gebe es nicht. Nur die Vertreterin der leitenden Mitarbeiter schloss sich der Kapitalseite an, die Abstimmung endete sieben zu fünf.

Die IG Metall rief die 5.600 Osram-Beschäftigten in Deutschland angesichts der Pläne für weitere Stellenstreichungen für nächsten Montag zu Protesten unter dem Motto "Licht an statt Licht aus" auf. Klaus Abel, der für die Gewerkschaft im Osram-Aufsichtsrat sitzt, warnte davor, den Konzern "kaputtzusparen".

Osram will weiteren Mitarbeitern kündigen

Vorstandschef Berlien wollte die von der IG Metall genannte Zahl zum Jobabbau nicht bestätigen, verwies aber darauf, dass Osram auf die geringere Nachfrage nach Halogen-Leuchten reagieren müsse. Der Arbeitsplatzabbau werde im neuen Geschäftsjahr 2019/20 (Ende September) weitergehen.

Binnen zwölf Monaten hat das Traditionsunternehmen die Belegschaft weltweit bereits um 2.340 auf 23.500 Mitarbeiter reduziert. Dass Osram, wie von der IG Metall behauptet, auch an Investitionen und Innovationen sparen wolle, sei falsch, sagte Berlien. Die Rückverlagerung von Stellen aus dem schwach ausgelasteten Chip-Werk im malaysischen Kulim nach Regensburg, die AMS geplant hatte, sei vom Tisch.

Osram soll im April Teil von AMS werden - wenn der Plan klappt

Die Entscheidung über den Erfolg des Übernahmeangebots liegt aber bei den Aktionären. AMS-Chef Alexander Everke begrüßte die Einigung und gab sich zuversichtlich, die geforderten 55 Prozent an Osram einzusammeln. Wenn es klappt, wird Osram im April Teil von AMS. Bis die beiden Unternehmen wirklich fusionierten - dann mit Osram als Namensbestandteil -, werde es bis 2022 dauern, sagte sein Kollege Berlien.

Die Gespräche über einen Verkauf des angeschlagenen Unternehmens halten Osram schon seit einem Jahr in Atem. "Das bindet Ressourcen. Deshalb haben wir klar gesagt: Wir müssen da zu einem Ende kommen", sagte Berlien.

Osram steckt in der Krise. 2018/19 rutschte das Unternehmen mit 343 Mio. Euro in die roten Zahlen, unter anderem wegen einer Abschreibung von 171 Mio. Euro auf das Autozuliefer-Gemeinschaftsunternehmen mit Continental. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 188 Mio. Euro zu Buche. Der Umsatz brach wie befürchtet um 13 Prozent auf 3,46 Mrd. Euro ein. Die Dividende fällt aus. "2019 war sicher eines der herausforderndsten Jahre unserer jüngeren Geschichte", sagte der Vorstandschef.

Der Gegenwind werde bis Dezember anhalten, danach hoffe Osram auf eine Stabilisierung. Unter dem Strich soll der Umsatz 2019/20 um das Vorjahresniveau pendeln, die bereinigte operative Umsatzrendite (EBITDA-Marge) dürfte sich aber noch kaum verbessern. 2018/19 lag sie bei 8,9 Prozent.

"Hell wie der lichte Tag": Eine legendäre Reklame verschwindet

Am Karlsplatz in München, in der Stadt, in der der Hersteller seine Konzernzentrale hat, hing noch bis vor wenigen Wochen der weiss leuchtende Schriftzug "OSRAM Hell wie der lichte Tag". "Wie ein "Relikt aus einer anderen Zeit. Und wenn so etwas so lange irgendwo hängt, dann könnte man irgendwann fest daran glauben, dass es für immer ist", befand die "Süddeutsche Zeitung".

Irgendwann hat Osram das warme Licht der alten Leuchtröhren nicht mehr gepasst, sie sollten in moderne LED umgetauscht werden, was wiederum das Aussehen des gesamten Gebäudeensembles verändert hätte. Dafür wiederum wären an diesem zentralen Platz einige Genehmigungsverfahren der Stadt nötig. Also entschieden sich die Marketingstrategen von Osram, den Schriftzug, den jeder Münchner kennt, heuer im September einfach verschwinden zu lassen. Nach über 60 Jahren.

(reuters/apa/red)

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