Autoindustrie

Kartellverdacht: EU prüft Milliardenstrafen gegen deutsche Autobauer

Volkswagen, Daimler und BMW sollen sich bei der Größe von Harnstoff-Tanks für Stickoxid-Katalysatoren in Dieselautos abgesprochen haben, so ein Medienbericht. Diesem Bericht zufolge soll die EU-Kommission jetzt Strafen von jeweils bis zu einer Milliarde Euro prüfen.

Die EU-Kommission erwägt Strafen in Höhe von je bis zu einer Milliarde Euro gegen die deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW wegen illegaler Absprachen bei der Abgastechnik. Wie der "Spiegel" berichtete, sollen sich die Autobauer bei der Größe von Harnstoff-Tanks für Stickoxid-Katalysatoren in Dieselautos abgesprochen haben.

Außerdem hätten die Hersteller vereinbart, keine Partikelfilter gegen Feinstaub in Benzinautos einzubauen. Die Strafen könnten demnach "in den nächsten Wochen" verhängt werden. Weiters dazu: EU ermittelt jetzt offiziell: BMW, Daimler und Volkswagen unter Kartellverdacht >>

Zuletzt hatte das "Handelsblatt" berichtet, dass die Kartellwächter in diesem Frühjahr aktiv werden wollen. Den Berichten zufolge wollten sich weder Hersteller noch Behörde zum aktuellen Stand des Verfahrens äußern.

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EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager lässt bereits seit einiger Zeit prüfen, ob sich die Konzerne bei Abgassystemen für Diesel- und Benzinmotoren abgesprochen haben. Die drei Konzerne hatten bereits früh erklärt, sie unterstützten die Kommission in ihrer Arbeit. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen lehnten sie seither weitere Stellungnahmen ab.

Strafnachlass bei Daimler und VW möglich

Daimler und VW könnten in den Verfahren laut "Spiegel" mit Strafrabatten rechnen, weil sie die Absprachen selbst angezeigt haben. Laut "Handelsblatt" hatte sich Daimler bereits 2014 bei der Kommission gemeldet, VW folgte zwei Jahre später. BMW bestreitet den Berichten zufolge jegliche Absprachen und könnte deshalb laut "Spiegel" mit einer höheren Strafe rechnen.

Berlin und Paris fordern einen industriefreundlicheren Kurs

Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager muss dem Nachrichtenmagazin zufolge mit Gegenwind rechnen. So hatten die deutsche und die französische Regierung zuletzt nach dem Veto der Brüsseler Wettbewerbshüter gegen einen Zusammenschluss der Siemens-Zugsparte mit dem französischen Konkurrenten Alstom einen industriefreundlicheren Kurs gefordert. Zudem prüfe ein Autobauer bereits rechtliche Schritte gegen mögliche Bußgelder. (afp/reuters/apa/red)

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