Bauindustrie

Karawankentunnel nach Österreich: Türkische Firma gewinnt den Auftrag

Die türkische Baufirma Cengiz legt das billigste Gebot für den Bau der zweiten Röhre des Karawankentunnels auf slowenischer Seite nach Österreich. Eine Auftragsvergabe an diese Firma ist damit sehr wahrscheinlich - die Wiener Firmentochter von Implenia geht damit leer aus.

Der türkische Baukonzern Cengiz Insaat gewinnt Medienberichten zufolge auch im zweiten Anlauf den Auftrag für den schon verzögerten Bau der slowenischen Seite der zweiten Röhre des Karawankentunnels nach Österreich. Bei direkten Verhandlungen mit drei ausgewählten Bietern, die stattfanden, sei das Angebot von Cengiz das günstigste gewesen, berichteten slowenische Medien.

Die slowenische Autobahngesellschaft DARS, die die Preisverhandlungen durchgeführt hat, gab ihre Entscheidung über die Auftragsvergabe vorerst nicht bekannt. Die Vergabe muss den Medienberichten zufolge zuvor noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Dass Cengiz den Auftrag gewonnen habe, verkündete sein Vertreter Mohamed Cengiz vor Journalisten. Der türkische Konzern, der schon in die Verhandlungen mit dem niedrigsten Preis eingestiegen war, soll nach inoffiziellen Informationen sein Angebot um 1 Mio. Euro auf 98,6 Mio. Euro gesenkt haben. Cengiz hatte bereits im Vorjahr den Auftrag gewonnen, die Ausschreibung wurde jedoch annulliert.

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Drei Konsortien in der Endrunde - Billigstgebote kaum zu unterbieten

Die Wiener Implenia Österreich im Konsortium mit ihrer Schweizer Konzernmutter und der slowenischen Baufirma CGP Novo mesto, sowie das slowenisch-türkischen Konsortium aus Kolektor CGP, Riko und Yapi Merkezi, gingen unterdessen leer aus. Berichten zufolge haben sie ihre Angebote noch um einiges gesenkt, doch schon ihre Ausgangspreise waren im Vergleich zum türkischen Mitbewerber deutlich höher gewesen. Wie die Tageszeitung "Delo" online berichtete, senkte Implenia bei den Verhandlungen ihren Preis auf 115 Mio. Euro, das slowenisch-türkische Konsortium auf 102 Mio. Euro.

Man habe sein Bestes getan, sagte der Geschäftsführer von Implenia Österreich, Rudolf Knopf, laut slowenischer Nachrichtenagentur STA nach den Verhandlungen. "Wir waren aber nicht erfolgreich, weil es keine Chance gab, das türkische Unternehmen zu schlagen", fügte er hinzu.

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Der Billigstbieter gewinnt

Der türkische Konzern geht nun davon aus, den Vertrag bis Ende Dezember unterzeichnen zu können. Slowenische Medien schließen jedoch weitere Verzögerungen durch Einsprüche nicht aus, die schon bisher den Verfahren massiv verzögert haben. Bei DARS rechtet man laut früheren Medienberichten damit, im Frühjahr mit den Bauarbeiten zu starten.

In Kärnten wird unterdessen die zweite Tunellröhre seit September 2018 gebohrt. Laut der Tageszeitung "Dnevnik" hat man auf der österreichischen Seite bereits mehr als 1.850 Meter durchgebohrt. Der Tunnel wird insgesamt 7,9 Kilometer lang, wovon 4,4 Kilometer auf das österreichische Staatsgebiet entfallen. (apa/red)

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