Zulieferindustrie

Kampf um Zulieferer Halberg Guss: Schlichtung in Sicht

Nach sechs Wochen Streik beim deutschen Autozulieferer Neue Halberg Guss gegen den neuen Eigner Prevent streben Gewerkschaft und Arbeitgeber eine Schlichtung an.

Industrie im Saarland - hier ein Symbolbild.

Nach sechs Wochen Streik beim deutschen Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) streben Gewerkschaft und Arbeitgeber eine Lösung mit einem Schlichter an. Die Gewerkschaft IG Metall forderte nach sechs Verhandlungsrunden ohne Ergebnis, einen ehemaligen Arbeitsrichter als Vermittler einzusetzen.

Einigung zeichnet sich ab - zu diesen Bedingungen

"Dann, und nur dann sind wir bereit, den Streik in Saarbrücken und in Leipzig mit Beginn der Schlichtung vorerst auszusetzen", erklärte der Chef des IG- Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, in Frankfurt. Das Unternehmen begrüßte die Bereitschaft der Gewerkschaft, den Streik auszusetzen und erklärte, damit zeichne sich ein möglicher Einigungsweg ab. Auf den Vorschlag zur Schlichtung werde das Management kurzfristig antworten. Im Fall einer Zusage könnte die Arbeit am Montag wieder aufgenommen werden. Von einer Einigung sei man dennoch meilenweit entfernt, erklärte IG- Metall-Verhandlungsführer Uwe Schütz.

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Bosnische Gruppe Prevent bereitet offenbar massive Kürzungen vor

Der Kampf um die Arbeitsplätze bei dem von der Prevent-Gruppe kontrollierten Produzenten von Motorblöcken war eskaliert. NHG wird von der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor kontrolliert. Deren Unternehmen Prevent lieferte sich vor zwei Jahren einen erbitterten Streit mit Volkswagen. Ein Lieferstopp des Zulieferers, um höhere Preise durchzusetzen, hatte zeitweise die Produktion des Autobauers lahmgelegt. Die schwierige Lage bei NHG ist davon noch eine Folgewirkung.

Das Unternehmen will den Standort Leipzig mit 650 eigenen und 150 Leiharbeitnehmern schließen. Am größeren Werk in Saarbrücken sollen 300 von 1.500 Arbeitsplätzen abgebaut werden. Gewerkschaft und Betriebsräte kämpfen für Abfertigungen und eine Transfergesellschaft in Leipzig. In Saarbrücken fordern sie einen Treuhandfonds mit Finanzmitteln für Abfertigungen, im Fall einer Schließung auch dieses Standorts.

Die Arbeitnehmer befürchten, dass nach Ablauf der geltenden Beschäftigungssicherung Prevent auch Saarbrücken abwickeln will, wie dortige Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Hans Peter Kurtz, erklärte. Die Streikmoral sei in Leipzig hoch, sagte der Betriebsratschef dieses Werkes, Thomas Juers. Prevent sei ein Unternehmen, das man versuchen müsse, aus der Firma herauszutreiben, weil es die Kunden verscheuche.

Abzug von Aufträgen droht

Die Unternehmensleitung erklärte, der Druck der Kunden wachse, Aufträge abzuziehen. Ein Ende des Streiks sei die letzte Chance, die Überlebensfähigkeit von Neue Halberg Guss zu sichern. Die NHG-Führung hatte vor einem Monat bereits eine Schlichtung vorgeschlagen, die IG Metall lehnte damals ab.

Neben Volkswagen gehört auch Opel zu den Abnehmern des Zulieferers, die von dem Streik in Mitleidenschaft gezogen werden. Größere Lieferausfälle werden derzeit nur vermieden, weil noch Werksferien herrschen, die Opel allerdings extra wegen des NHG-Streiks verlängert. Der Motorenbauer Deutz und rund 20 seiner Kunden hatten in einer Zeitungsanzeige von allen Beteiligten gefordert, den "Wahnsinn" des Streiks zu beenden. (reuters/apa/red)

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