Elektroindustrie

Kampf um Osram ist eröffnet: AMS bietet mehr als Finanzfirmen

Die deutsche Finanzaufsicht gibt den Startschuss für den Bieterkampf um Osram. Der österreichische Chiphersteller AMS will den dreimal so großen deutschen Lichttechnikkonzern übernehmen - und bietet dafür 4,3 Milliarden Euro, zum großen Teil finanziert mit Schulden.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat den Startschuss für einen Bieterkampf um Osram gegeben. Der österreichische Chiphersteller AMS erhielt von der Behörde grünes Licht für sein 4,3 Milliarden Euro schweres Übernahmeoffert für den dreimal so großen deutschen Lichttechnikkonzern, wie AMS mitteilte.

Die Steirer veröffentlichten nun ihr offizielles Kaufangebot von 38,50 Euro je Osram-Aktie, mit dem sie die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausstechen wollen.

Bain und Carlyle hatten bereits im Juli ein Angebot über 35 Euro je Aktie vorgelegt, was einem Unternehmenswert von 4 Mrd. Euro entspricht. Ob sich die Finanzinvestoren auf ein Wettbieten einlassen, ist offen. Insidern zufolge zogen sie bereits eine Erhöhung ihres Angebots in Betracht. Zuletzt äußerten sich die beiden Partner nicht dazu.

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Wie die beiden Finanzinvestoren macht auch der Chiphersteller AMS einen Erfolg seines Übernahmeplans davon abhängig, dass er mindestens 70 Prozent der Osram-Aktien einsammeln kann. Knapp ein Prozent besitzt AMS bereits, wie das Unternehmen in seinem Angebotsdokument offenbarte.

Beide Angebote laufen nun gleichzeitig

Beide Angebote laufen nun gleichzeitig bis 1. Oktober. Die Laufzeit des Offerts von Bain und Carlyle, die bisher am 5. September enden sollte, verlängert sich wegen des Konkurrenzangebots von AMS automatisch.

An der Börse herrschte Skepsis, ob AMS die Übernahme gelingt. Die Osram-Aktie legte zwar 1,7 Prozent zu, wurde aber mit 37 Euro deutlich unter dem von AMS gebotenen Preis gehandelt.

Die Osram-Führung muss nun in einer offiziellen Stellungnahme darlegen, was sie von einer Übernahme durch AMS hält. Das Management um Vorstandschef Olaf Berlien hat seinen Aktionären bereits das Angebot von Bain und Carlyle empfohlen und Skepsis gegenüber AMS durchblicken lassen. In zentralen strategischen Fragen bestehe bisher keine Einigkeit. Betriebsrat und IG Metall lehnen AMS ab, da sie einen Stellenabbau befürchten.

AMS will nicht Osram als Ganzes

Der Apple-Zulieferer AMS ist auf optische Sensoren spezialisiert und interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Der steirische Konzern will im Osram-Werk Regensburg Arbeitsplätze schaffen. Das Digitalgeschäft und das Verbrauchergeschäft mit LED soll hingegen verkauft werden. Dazu: Kampf um Osram: AMS gibt Zusagen für Mitarbeiter und Standorte >>

AMS ist mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro deutlich kleiner als Osram. Der deutsche Konzern erlöste im vergangenen Jahr 4,1 Milliarden Euro. AMS will die Übernahme mit einem Mix aus Schulden und einer Kapitalerhöhung stemmen. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz hatte eine erste Interessenbekundung im Juli zunächst wieder zurückgezogen und damit Zweifel genährt, ob es zu einem solchen Zukauf überhaupt in der Lage ist.

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Irritation bei Osram: AMS geht "amateurhaft" vor >>   
Trotz „offener Differenzen“: Osram ermöglicht Übernahmeangebot für AMS >>

Bain Capital und Carlyle bekennen sich zur bestehenden Osram-Strategie mit dem Fokus auf optische Halbleiter, Automobil und digitale Anwendungen. Beim laufenden Konzernumbau wollen sie nach eigenen Angaben eng mit Vorstandschef Berlien zusammenarbeiten und in Wachstum investieren. Zugleich aber erfordere das schwierige Marktumfeld flexibles Handeln.

Gewerkschaft befürchtet massiven Arbeitsplatzabbau bei Osram

Nach dem Übernahme-Angebot des Chipkonzerns AMS für Osram hat die IG Metall ihre Kritik an dem österreichischen Konzern erneuert. "Ohne belastbare, rechtssichere Beschäftigungs- und Standortzusagen sowie ein schlüssiges Zukunftskonzept" werde sich die Gewerkschaft weiter gegen eine Übernahme durch AMS stellen, sagte eine IG-Metall-Sprecherin am Mittwoch in Frankfurt.

Die von AMS in Aussicht gestellten jährlichen Synergien von 300 Mio. Euro bei einer möglichen Übernahme bedeuteten nichts anderes als einen "massiven Arbeitsplatzabbau" bei Osram, so die Gewerkschaft. "Das gefährdet das gesamte Unternehmen."

IG Metall hat Zweifel an der Eignung von AMS

Die IG Metall bezweifelt, dass AMS genug Erfahrung hat, um die Komplexität des angeschlagenen Leuchtenherstellers vollständig zu durchdringen. Zudem müsse sich der steirische Sensorhersteller für die Übernahme hoch verschulden. Zusagen von AMS zur Standortsicherung bei Osram gehen der Gewerkschaft nicht weit genug - auch wenn die Österreicher die LED-Produktion von Asien nach Deutschland verlagern und das Werk Regensburg ausbauen wollen. AMS interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Der Osram-Betriebsrat aber fürchtet eine Aufspaltung des Lichtkonzerns.

Dazu:
Gewerkschaft zum Kampf um Osram: AMS AG müsste sich hoch verschulden >>

Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat hatten eine Übernahme von Bain Capital und Carlyle favorisiert. Diese bekennen sich zur Konzernstrategie und haben den Osram-Beschäftigten den Erhalt von Standorten und Jobs zugesagt. Indes gelten Finanzinvestoren auch als harte Sanierer: Sie verkaufen übernommene Unternehmen für gewöhnlich nach fünf bis sieben Jahren und wollen dabei einen Gewinn erzielen. (reuters/dpa/apa/red)

Grafik: Zentrale Eckdaten von AMS und Osram im Vergleich

Grafik, AMS, und, Osram, im, Vergleich, Kennzahlen, Umsatz, Mitarbeiter, Börsewert, Balkengrafik © APA

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