Zulieferindustrie

Kampf um Grammer: Chinesen wollen doch auf die Mehrheit verzichten

Zulieferer Ningbo Jifeng will bei der Übernahme des bayerischen Zulieferers Grammer auf die Mehrheit verzichten: 36 Prozent reichen für die Mehrheit auf der HV. Doch die Entscheidung ist mit einer Drohung verbunden.

Der chinesische Autozulieferer Ningbo Jifeng will bei der Übernahme des bayerischen Sitze-Herstellers Grammer auf die Übernahme der Mehrheit verzichten. Die Familie Wang, die hinter Jifeng steht, senkte die Annahmeschwelle auf 36 von mindestens 50 Prozent. Das reiche im Normalfall, um in der Grammer-Hauptversammlung die Mehrheit der Stimmen zu haben, hieß es zur Begründung.

Das Offert über 60 Euro je Aktie, das eigentlich am nächsten Montag (23. Juli) ausgelaufen wäre, war bisher auf wenig Resonanz gestoßen. Nur gut drei Prozent der Grammer-Aktionäre hatten sie bis Dienstagabend angenommen, gut 25 Prozent der Anteile hält Ningbo Jifeng bereits.

Die Entscheidung ist mit einer Drohung verbunden

Zugleich drohten die Chinesen, sich bei Grammer wieder zurückzuziehen, wenn das Offert scheitere. "In diesem Fall könnte die Familie Wang, deren Engagement sich bisher stabilisierend auf die Aktionärsstruktur von Grammer ausgewirkt hat, ihre langfristige Position im Unternehmen überdenken", hieß es in der Mitteilung.

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Der Grammer-Vorstand hatte die Chinesen als "weißen Ritter" an Bord geholt, um sich gegen den Einfluss des zweiten Großaktionärs, der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor, zu wehren. Hastor hatte das Offert abgelehnt und nicht ausgeschlossen, selbst Grammer-Aktien zuzukaufen. Die Grammer-Aktie notierte am Mittwoch mit 59,80 Euro knapp unter dem Übernahmeoffert.

Die meisten professionellen Investoren reichen ihre Aktien erst am Ende der Frist ein. Ob es für 50 Prozent gereicht hätte, sei aber "nicht hinreichend sicher" gewesen, begründete die Familie Wang die Senkung der Schwelle. Die Annahmefrist wird mit der Änderung der Bedingungen automatisch um zwei Wochen bis zum 6. August verlängert. (reuters/apa/red)

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