Chemische Industrie

Kärntner Chemiefirma Treibacher will Geschäft mit Keramik ausbauen

Das Chemieunternehmen Treibacher will in Zukunft mehr Umsatz in den Bereichen Recycling, Hochleistungskeramik und Umweltkatalysatoren machen. Derzeit macht das Geschäft mit der Stahlindustrie und der Gießereiindustrie den größten Anteil aus.

Das Kärntner Chemie-Unternehmen Treibacher will in den kommenden Jahren vor allem seine neuen Geschäftsfelder vorantreiben. Mittelfristig soll mit Hochleistungskeramik, Umweltkatalysatoren und Co die Hälfte des Umsatzes erzielt werden. Für Fachkräfte streckt Treibacher die Fühler zum Teil weltweit aus. Die Branche kämpft auch gegen das Image als Umweltsünder.

Umsatzmäßig macht bei Treibacher die Stahl- und Gießereiindustrie aktuell den größten Anteil aus. Da sei man aber sehr von den Rohstoffpreisen abhängig, sagten die Vorstände des 1898 gegründeten Unternehmens, Rainer Schmidtmayer und Alexander Bouvier bei einem Pressegespräch.

Deutlich stabiler hingegen entwickle sich das Geschäft in den neuen Bereichen Recycling, Hochleistungskeramik sowie Umweltkatalysatoren und pharmazeutische Chemikalien. Dieses mache zurzeit etwa ein Viertel des Umsatzes aus. Für solche Produkte brauche es aufgrund der langen Entwicklungszeiten aber viel Geduld - "und natürlich Investitionen", so Bouvier. In den letzten zehn Jahren habe man 150 Mio. Euro in die Hand genommen, inzwischen sind 70 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung tätig.

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"Man kann Treibacher nicht im Geschäft kaufen, aber man kommt täglich damit in Kontakt", lautet der Slogan von Bouvier. Die Treibacher Industrie AG stellt zum Beispiel Pulver für künstliche Zähne oder die Beschichtung von Flugzeugturbinen her. Auch Katalysator-Material für die Abtrennung von Abgasen wird produziert und etwa an Auto- oder Schiffhersteller geliefert.

Chemiker gesucht

Dafür sucht das Unternehmen vor allem spezialisierte Chemiker, zum Teil auch weltweit. Erschwerend sei, dass man nicht nur den Mitarbeitern in spe ein attraktives Angebot machen muss. Oft sind deren Partner ebenfalls berufstätig und brauchen eine geeignete Stelle in der Umgebung, so Bouvier. Auch auf die Work-Life-Balance werde immer mehr Wert gelegt, für Wochenendschichten interessieren sich Junge kaum noch.

Chemie-Unternehmen hätten zudem gegen das Image als Umweltsünder zu kämpfen. Besonders in Kärnten sei der HCB-Skandal nach wie vor ein Thema. "Die chemische Industrie muss so umweltfreundlich wie möglich sein", meinte Schmidtmayer. Auch eine CO2-Steuer mache Sinn, sie sei aber nur auf Europa- bzw. weltweiter Ebene vernünftig.

Abhängigkeit von China kein großes Problem

Die Rohstoffe bezieht Treibacher vor allem aus China sowie Russland, Südafrika und Brasilien. Besonders bei seltenen Erden sei man stark von China abhängig. Dass dauerhafte Konflikte ein Problem werden, glauben die Vorstände nicht, denn alle Seiten wüssten, dass Zölle und Sanktionen niemandem nützten. Angesprochen auf das Recycling von Rohstoffen, geht Bouvier davon aus, dass das vor allem bei Windenergie und Elektromobilität ein Thema wird. Die Aufbereitung von Elektro-Schrott sei eher schwierig.

Heuer werde der Umsatz mit 520 Mio. Euro "noch relativ gut sein", man profitiere vom starken ersten Halbjahr, sagte Schmidtmayer. Im aktuellen Quartal spüre man aber schon einen Absatzrückgang bei Stahlindustrie und Auto-Zulieferern.

Das Unternehmen, das Privatstiftungen der Industriellen Erhard Schaschl und Franz Rauch gehört, will am Standort Althofen festhalten. Dort sind rund 780 Mitarbeiter beschäftigt. Der Exportanteil liegt bei 85 Prozent, 83 Prozent davon gehen nach Europa, 9 Prozent nach Asien und 8 Prozent nach Amerika. Zum Treibacher-Konzern gehören auch Tribotec, Leuchtstoffwerk Breitungen und Evonik Treibacher. (apa/red)