Industriekonjunktur

Japans Industrie gewinnt an Fahrt

Japans Exporte haben im März so stark angezogen wie seit Anfang 2015 nicht mehr - besonders bei Autoteilen und Stahl. Allerdings bleiben die Sorgen um künftige Handelsbeziehungen mit den USA.

Japans Exporte sind im März so kräftig gestiegen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Die Ausfuhren lagen zwölf Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Finanzministerium bekannt gab. Das war der vierte Zuwachs in Folge. Er fiel zudem fast doppelt so stark aus wie von Ökonomen erwartet. Grund für den Anstieg ist vor allem die höhere Ausfuhr von Autoteilen und Stahl.

"Die Exporte sehen ziemlich gut aus und dürften in diesem Jahr zum Wachstum beitragen", sagte Analyst Hidenobu Tokuda vom Mizuho-Institut. Positive Signale kommen auch aus der Industrie. Die Stimmung der Betriebe erreichte im März den höchsten Stand seit August 2007, geht aus der monatlichen Reuters-Umfrage (Tankan) hervor.

Die Importe legten um 15,8 Prozent zu. Analysten hatten hier mit 10,4 Prozent gerechnet. Der Handelsüberschuss mit den USA fiel um 8,1 Prozent. Die Exporte dorthin übertrafen die Importe um 628,1 Mrd. Yen (5,4 Mrd. Euro). Jedoch dürfte diese Entwicklung die Sorge in Japan vor einem Handelskonflikt mit den USA nicht gänzlich lindern. Am Dienstag hatte US-Vizepräsident Mike Pence bei seinem Besuch in Japan erklärt, die USA rechneten bald mit Ergebnissen von bilateralen Gesprächen, an deren Ende die Öffnung Japans für amerikanische Produkte stehen könnte.

Sorge um Unabhängigkeit der Fed

Die USA haben sich unter Präsident Donald Trump aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TTP zurückgezogen. Stattdessen will Trump direkte Handelsverträge mit einzelnen Staaten schließen. Die Sorge sei, dass Trump eine schärfere Position zum US-Handelsdefizit mit China einnehmen könnte, sagte Ökonom Tokuda. "In dem Zug könnte er anfangen, auch Japans Exporte offener zu kritisieren."

Die japanische Regierung lehnt indes radikale Maßnahmen gegen die hohe Staatsverschuldung ab. Der Vorschlag einiger Wissenschafter, die Zentralbank solle direkt Staatsausgaben finanzieren, um für Inflation zu sorgen und damit den großen Schuldenberg zu entwerten, stieß bei Finanzminister Taro Aso auf Ablehnung. "In der Realität gibt es verschiedene Probleme mit solchen Ideen", sagte er bei einem Vortrag in New York.

"Eines davon ist, dass die Unabhängigkeit der Notenbank und das Vertrauen der Märkte in die Geldpolitik untergraben werden." Stattdessen müssten die Konjunktur belebt, die Ausgaben gesenkt und Steuern erhöht werden. Japan ist so hoch verschuldet wie kein anderes großes Industrieland, litt jahrelang unter schwachem Wachstum und fallenden Preisen. (reuters/apa/red)